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Potsdam Ist Potsdam eine gespaltene Stadt?
Lokales Potsdam Ist Potsdam eine gespaltene Stadt?
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00:24 24.08.2018
Die Gutenbergstraße führt anderthalb Kilometer quer durch die Potsdamer Innenstadt. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Potsdam ist brüchig. Die Landeshauptstadt ist eine der Kommunen, in denen die verschiedenen sozialen Schichten immer weniger zusammenleben. Alte und junge Potsdamer laufen sich in ihren Kiezen kaum mehr über den Weg – weil sie in unterschiedlichen Stadtteilen leben. Das gleiche gilt für Wohlhabende und Hartz- IV-Empfänger, für Familien und Alleinstehende. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung. Demnach gehört Potsdam zum Spitzentrio ostdeutscher Großstädte, in denen die Kluft zwischen Gering- und Vielverdienern in den vergangenen Jahren immer breiter geworden ist.

Tatsächlich belegen zahlreiche Statistiken der Stadt diese Entwicklung. Die Bevölkerung der Berliner Vorstadt hat mit der am Schlaatz nur wenig gemein. Doch auch in Potsdam gibt es Ecken, in denen – noch – Sozialwohnungen neben Prachtbauten stehen, in denen der Dönerverkäufer ebenso lebt wie die pensionierte Gymnasiallehrerin. Ein Beispiel ist die Gutenbergstraße in der Innenstadt.

Die Gutenbergstraße im Herzen Potsdams ist bunt und vielfältig – noch. Die soziale Spaltung der Landeshauptstadt macht auch vor ihr nicht Halt. Wie nehmen die Bewohner der Straße den Wandel wahr?

Vom Luisenplatz führt sie anderthalb Kilometer gen Osten und endet erst an der Humboldtbrücke über die Havel. 974 Menschen wohnen hier. Es gibt drei Bioläden und den Markt auf dem Bassinplatz, ein Maßatelier des früheren Kanzler-Leibschneiders und eine Therapiestelle für Alkoholiker. Hauseigentümer in der Gutenbergstraße sind unbekannte und sehr bekannte Bürger der Stadt. Auf der Wiese neben dem Holländischen Viertel schlafen Obdachlose, dort spielen Kinder und Frisbee-Golfer, direkt daneben gemahnt der sowjetische Ehrenfriedhof an die Grauen des Zweiten Weltkriegs. Die Gutenbergstraße ist bunt und vielfältig. Doch auch sie wandelt sich, gleicht sich der Stadt an. Wer nicht Schritt halten kann, muss weichen.

Segregation ist der Fachbegriff für diese soziale Spaltung – sie macht nicht Halt, sie wird die Gutenbergstraße weiter verändern. Alteingesessene wie neue Mieter wissen um diesen Wandel, ebenso die Ladenbesitzer, die durch ihre Schaufenster die Gutenbergstraße im Blick haben. Mit ihnen haben wir gesprochen. Alle sagen, dass sie Potsdam lieben und nirgendwo anders leben möchten – eigentlich. Doch jeder einzelne bemerkt, dass die Stadtbevölkerung auseinander driftet, sich entmischt. Wir haben an viele Türen geklopft, die meisten haben sich geöffnet.

Der Leiter der Babelsberger Küche in der Gutenbergstraße 100: Quelle: Friedrich Bungert

„Da kommst du nicht gegen an“

Die Glastür in der Gutenberg 100 steht offen. Immer und jedem. „Bauarbeiter, Anzug, Omichen“, umreißt Ingo Sens die Kundschaft. Der 53-Jährige hat mit einem Partner vor fast 20 Jahren die Babelsberger Küche gegründet und 2007 die Filiale in der Gutenbergstraße eröffnet. 300 Essen gehen täglich über den Tresen. Auf der Karte steht Hausmannskost zu kleinen Preisen. „Wurstgulasch und Jägerschnitzel sind Klassiker“, sagt Ingo Sens. Vegan kocht man hier noch nicht – da fehlt die Nachfrage. Kasslerbraten mit Bayrisch Kraut und Knödeln kostet fünf Euro, Milchreis mit Apfelmus, Zucker und Zimt vier. Straßenfeger ist der Eisbein-Mittwoch. In die Babelsberger Küche geht man zum satt werden, aber auch für das gute Gefühl, noch einen Eintopf zu bekommen, wie man ihn aus der Kindheit kannte. Geborgenheit in der Mittagspause, Heimat auf dem Bistrotisch. „Das würde überall in Deutschland funktionieren“, sagt Ingo Sens. In Potsdam funktioniert es nur mit einer verträglichen Miete. „Kantinenpreise gehen nur über Menge, Planung und Qualität“, sagt Sens. Die Rechnung ist simpel: Höhere Miete, teureres Essen. „Die Schmerzgrenze liegt bei sechs Euro. Mehr kann sich nicht jeder täglich leisten.“

Er hat erlebt, was passiert, wenn man zu teuer wird. Nach der Wende hatte Ingo Sens einige Konsum-Läden übernommen und Spar-Märkte darin aufgemacht. Die Margen waren klein, die Discounter konnten dem Kunden günstigere Preise bieten, als Sens den Lieferanten zahlen musste. „Da kommst du nicht gegen an“, sagt er. Das Phänomen der Entmischung kennt er aus der Wirtschaft gut. Den Wandel in Potsdam nimmt er indes kaum wahr. „Wenn man jeden Tag hier ist, sieht man das nicht so sehr.“ Die Stadt, meint er, ist insgesamt schöner geworden.

Hans-Jürgen Heinze alias „Hasi“ betreibt das Bar-O-Meter – Potsdams älteste klassische Cocktailbar – seit 1994 in der Gutenbergstraße 103. Quelle: Friedrich Bungert

„Auch die Gutenbergstraße entmischt sich langsam“

Die Tür anno 1738: original erhalten und wieder aufgehängt. Das Haus, der kleine Hinterhof, der Gewölbekeller: alles original. Der Dry Gin aus dem VEB Grüneberger Spirituosenfabrik, 40 Volumenprozent, eiskalt serviert: selbstverständlich original. „Aber lieber nicht trinken, nur schnuppern“, sagt Hasi. Auch so ein Original.

Hasi (57) heißt bürgerlich Hans-Jürgen Heinze. Sein Bar-O-Meter ist Potsdams älteste klassische Cocktailbar. 1994 ging es los: Das Haus mit der Nummer 103 war das erste, das in der Gutenbergstraße saniert wurde. Hasi bekam den Keller als Gastraum angeboten und zögerte nicht. „Meine damalige Frau war selbständig und ich wollte dann auch mal ein bisschen Firma machen.“

Bis heute steht der Chef an sechs Tagen in der Woche hinter dem Tresen. „Als ich hier angefangen habe, war mein Auto das einzige auf der Straße – heute darf ich hier gar nicht mehr parken.“ Rechts und links der Bar gab’s damals nur Hausbesetzer, in der Bar vor allem Westdeutsche. „Das waren fast alles Geschäftsleute“, erinnert sich Hasi. Die einzigen Ostdeutschen seien die jungen Sekretärinnen gewesen. Längst ist die Bar ein internationaler Geheimtipp. Hier trinken Nachtschwärmer aus aller Welt – die mit kleinem Geldbeutel und die mit großem. Hasi bedient sie mit ausgesuchter Höflichkeit, er bleibt beim Sie und besteht auch bei den Gästen auf gute Manieren und die Wahrung des Barfriedens. „Man kann bei mir über alles diskutieren, aber die Hände bleiben in der Hosentasche oder am Glas.“ Driften die Schichten in Potsdam auseinander? „In der Bar nicht, aber draußen sehe ich das schon“, sagt Hasi. „Auch die Gutenbergstraße entmischt sich langsam.“ Seine 30-Quadratmeter-Kellerbar zum Beispiel habe sich von 600 DM Miete zum teuersten Untergeschoss der Stadt entwickelt. „Es gibt hier eine solide Mittelschicht“, sagt Hasi, „aber die ganz Reichen gehen woanders hin und die Armen können sich hier keine Wohnung leisten.“

Im Plattenbau mit der Hausnummer 5 wohnt Abdulhakim Acar mit seiner Familie. Quelle: Friedrich Bungert

„Der Preis ist gut, aber wir gehen hier nicht aus“

Über der Eingangstür zur Hausnummer 5 erwartet den Besucher eine Sopraporte: ein seliger Angler mit seinem Fang. Die Reliefs sind angelehnt an repräsentative Gebäude des Barock und Rokoko. In der DDR hat man sie an Plattenbauten angebracht, um die immer gleichen Hauseingänge voneinander abzugrenzen.

Die Gutenberg 5 ist so eine DDR-Platte. Abdulhakim Acar lebt mit seiner Frau und den beiden Teenager-Söhnen seit 2015 hier. Abdulhakim Acar ist 53 Jahre alt und verkauft Döner am Potsdamer Hauptbahnhof. Die Wohnung ist der Lebensmittelpunkt der Familie – die Gutenbergstraße ist es nicht. „Der Preis ist gut, aber wir gehen hier nicht aus“, sagt Acar. Die Freizeit verbringt die Familie in der Wohnung oder ganz woanders. Auch seine Nachbarn kennt Abdulhakim Acar kaum.

72 Wohnungen gibt es in den 1984 und 1986 errichteten Neubaublöcken. Mehr als die Hälfte der Mieter lebt seit über zehn Jahren dort, teilt die Pro Potsdam mit. Leerstand: Fehlanzeige. Für Teenager ist das egal. Dindar Acar, der 18-jährige Sohn, findet die Straße zu ruhig. „Wenn ich was erleben will, gehe ich woanders hin.“

Marion Schulz arbeitet auf dem Markt auf dem Bassinplatz – sie hat die Gutenbergstraße im Rücken. Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam wird immer schöner“

Die Touristen, die sich durch die Türen der Reisebusse auf den Bassinplatz schieben, laufen ihr geradezu in die sonnengebräunten Arme: Marion Scholz (57). Die Marktfrau verkauft, wonach der kleine Hunger an flirrenden Sommertagen giert und was sich beim Stadtbummel – aus der Tüte in den Mund – fix vernaschen lässt: Erdbeeren und Kirschen , Pflaumen und Heidelbeeren. Die Einheimischen kaufen, was man fürs Wochenende braucht: Pfifferlinge und Schmorgurken. Marion Scholz muss einen Moment überlegen, wo genau sich die Gutenbergstraße befindet – dabei hat sie die City-Magistrale direkt im Rücken: „Ich komme aus Potsdam-West – da kenn’ ich mich besser aus!“ Zwischen Wohnung und Arbeitsplatz pendelt Marion Scholz mit dem Rad. „Da nehm’ ich die Charlottenstraße – auf Asphalt fährt es sich einfach besser als auf Kopfsteinpflaster.“ Umziehen? „Nee.“ Zu sehr liebt Marion Scholz ihren Kiez. „Eine Wohnung hier wäre auch nicht leistbar. Gerade, wenn man alleinstehend ist, muss man gucken.“ Dennoch: „Ich finde, Potsdam wird immer schöner.“

Ulrike Eisenreich lebt in der Gutenbergstraße 97 und hat einen der wenigen Balkone, die es dort gibt. Quelle: Friedrich Bungert

„Die unbedingt bleiben wollen, ziehen in die Plattenbauviertel“

Imposant ist der Balkon, in dessen Schatten die Tür zur Nummer 97 liegt. Es gibt überhaupt nur eine Handvoll Balkone in der Gutenberg. Dieser hier zieht die Blicke auf sich. Über und über begrünt, eine wilde Oase in dieser schnurgeraden Straße, in der auf lange Sicht kein Baum steht. Die Pflanzen schützen Ulrike Eisenreich vor neugierigen Blicken. „Natürlich hätte ich auch einen Sichtschutz kaufen können“, sagt sie, „aber das wäre doch langweilig.“

Ulrike Eisenreich ist 46 Jahre alt, gelernte Schneiderin, studierte Architektin, Ladenbesitzerin, Akkordeonistin, Szenenbildnerin. Sie gehörte zu denen, die ab Winter ’89 verlassene Villen und Ruinen besetzten. „Wir haben diese Häuser gesundgewohnt“, sagt sie heute. Potsdam war Hausbesetzer-Hochburg, wie viele der illegalen, aber lange geduldeten WGs es genau gab, weiß niemand. „Mindestens zwanzig, eher dreißig“, sagt Ulrike Eisenreich. Auch die Nummer 97 war einst besetzt, Ulrike Eisenreich zog nach der Sanierung ein. 18 Jahre ist das nun her. Knapp 100 Quadratmeter für 540 DM, das konnte sich die junge Mutter damals leisten. Heute ist die Miete vier Mal so hoch. Wo ihre Schmerzgrenze liegt, vermag Ulrike Eisenreich nicht zu sagen. Viele ihrer Freunde müssten die Stadt verlassen, sie können sich die Mieten nicht mehr leisten. „Und die, die unbedingt bleiben wollen, ziehen in die Plattenbauviertel.“

Von Ulrike Eisenreichs Balkon kann man die Gutenbergstraße weit überblicken. In jedem Winter feiert sie hier mit den alten Hausbesetzerfreunden eine Feuerzangenbowle-Party. „Dann stehen hier ganz schnell zwanzig Leute und reden über früher.“ Über die Zeit, als vor dem Haus kein Biomarkt und keine Boutiquen waren, sondern Garagen und die leere Kaufhaus-Hülle. Darüber, dass hier heute Jaguar und Mercedes parken, statt „Studentenrumpelkisten“. „Ich bin hier immer mehr rein gewachsen“, sagt Ulrike Eisenreich, „ich habe mich immer mehr mit der Straße verbandelt.“

Inge Lenz wohnt in der Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten und heute unter Denkmalschutz stehenden Witam-Wohnanlage am östlichen Ende der Gutenbergstraße. Quelle: Friedrich Bungert

„Immer mehr an den Rand gedrängt“

Im östlichen Teil der Gutenbergstraße residiert man hochoffiziell hinter Portalen, statt hinter einfachen Türen. Das schlägt sich in der Anschrift nieder: Inge Lenz (67) erreicht man, indem man Straße und Hausnummer noch ein „Portal 2“ hintanstellt. Die Wohnungen sind das, was Annoncen gern als „repräsentativ“ anpreisen. Floraler Stuck schmückt die hohen Decken, die Jugendstilelemente an der Fassade und der gepflegte Innenhof versprühen den Charme einer längst vergangenen Zeit. Für Inge Lenz ist diese Pracht ganz einfach ihr Zuhause.

Fast vier Jahrzehnte lang war sie Lehrerin. Am Ernst-Haeckel-Gymnasium in Werder an der Havel hat Inge Lenz Geschichte, politische Bildung, Sport und Ethik unterrichtet. Den Hüftaufschwung konnte die zierliche Frau ihren Schülerinnen auch kurz vor der Rente noch vorturnen. „Ich war immer gern Lehrerin“, sagt sie. Dienst nach Vorschrift reichte Inge Lenz nicht, sie lud ihre Schüler in Klassenstärke zu Kakao und selbst gebackenem Apfelstrudel zu sich nach Hause ein. Aber dort wohnen, wo sie Schüler und Eltern beim Wocheneinkauf oder im Restaurant trifft – nein. „Deshalb bin ich nach Potsdam gezogen“, sagt Inge Lenz. Im herrschaftlichen, denkmalgeschützten Ensemble lebt sie seit 18 Jahren. „Potsdam ist meine Traumstadt“, sagt sie, „ich möchte nirgendwo anders hin.“ Die Parks, die Schlösser und Seen, die restaurierten Villen – wunderbar. „Aber ich habe das Gefühl, dass die alten Potsdamer immer mehr an den Rand gedrängt werden“, sagt Inge Lenz. Erst vor Kurzem mussten ihre Nachbarn umziehen. „Die waren über 80 Jahre alt und sollten ihre Wohnung kaufen, für mehrere hunderttausend Euro“, sagt Inge Lenz. Besonders perfide: Betroffen war ein prominenter Ehrenbürger der Landeshauptstadt.

Inge Lenz selbst hat Glück. Ein gutes Verhältnis zur Eigentümerin ihrer Wohnung und eine langjährige Mitgliedschaft im Mieterbund lassen sie ruhig schlafen. „Aber trotzdem ist es manchmal schwer“, sagt sie. Sie wurde nie verbeamtet, ihre Rente ist viel niedriger als die Pension ihrer westdeutschen Kollegen. Inge Lenz findet das ungerecht. „Wir haben alle hart gearbeitet und nun muss man jeden Monat rechnen, das ist nicht richtig“, sagt sie. „Und das wird mit den Jahren immer mehr Menschen so gehen, auch den heute jungen.“

Vom besetzten Haus zum alternativen Wohnprojekt: das Eckhaus Hermann-Elflein-/Gutenbergstraße Quelle: Friedrich Bungert

„Die ärmere, hässlichere Seite“

Die Bewohner des Eckhauses an der Hermann-Elflein-/Gutenbergstraße standen oft vor verschlossener Tür – aber nicht vor der eigenen. Regelmäßig halfen sie einem Nachbarn, in seine Wohnung zu kommen. Der Mann, ein Frührentner mit einem Hang zum Schlüsselvergessen, bat die jungen Leute aus dem Wohnprojekt Chamäleon gern um Hilfe. Und sie waren immer zur Stelle. Heute lebt er nicht mehr in der Gutenbergstraße. Genau wie der Mann, der abends oft betrunken vor dem Haus stand und über die Fassade zeterte. Die ist ganz und gar nicht denkmalgerecht, von den Fensterläden blättert die Farbe ab, Plakate und Graffiti machen klar, dass dies mehr als nur ein Wohnhaus ist.

„Die Menschen vom unteren Rand der Gesellschaft, die zumindest unsere Ecke Anfang der 2000er noch prägten, sind vollständig verschwunden, dafür kamen massiv wohlhabende Leute in den Kiez“, sagen die Chamäleon-Bewohner. Sie treten als Kollektiv auf, Fragen beantworten sie schriftlich nach vorheriger Abstimmung im Plenum. Das Haus war einst besetzt, heute ist es ganz offiziell Wohnraum für zehn Personen. Der Trägerverein bietet offene Jugendarbeit zur politischen Bildung, es gibt eine Bibliothek mit Café für jedermann, Gruppen wie Greenpeace nutzen Räume im Haus für ihre Projekte. Das rief in der Vergangenheit Ärger auf den Plan, Neonazis griffen im Jahr 2003 das Chamäleon an und wurden vor Gericht dafür verurteilt. Dennoch folgte eine Spirale der Gewalt zwischen rechten und linken Jugendlichen in Potsdam.

Heute ist Ruhe eingekehrt. Die Bewohner wünschen sich, „dass der Prozess der Verdrängung und Ghettoisierung zumindest nicht weitergeht“. Die „ärmere, hässlichere Seite Potsdams“ sei noch immer die Mehrheit – und solle gemeinsam für eine Stadt für alle kämpfen.

Potsdamer Statistik-Allerlei

Potsdam ist bunt – aber wie lange bleibt das noch so? Die Erkenntnisse der Studie „Wie brüchig ist die soziale Architektur unserer Städte?“ spiegeln sich im 2016 erhobenen Stadtteilkatalog der Landeshauptstadt wider. Bemerkenswert: Die meisten Stadtteile bewegen sich eng am städtischen Durchschnitt – in allen Bereichen gibt es aber krasse Ausreißer. Ein Überblick. Der älteste Stadtteil in Bezug auf das Alter der Bewohner ist laut dem Fachbereich Statistik und Wahlen Waldstadt I. Das Durchschnittsalter liegt dort mit 52,7 Jahren weit über dem der Landeshauptstadt mit 42,7 Jahren.

Die jüngsten Stadtteile sind Eiche und der Schlaatz. Hier sind die Einwohner im Durchschnitt 38,9 Jahre alt.

Die Wohnfläche je Einwohner liegt im Stadtmittel bei 35,9 Quadratmetern. Am höchsten ist sie in Sacrow mit 67,6 Quadratmetern pro Einwohner, gefolgt von der Berliner Vorstadt mit 51,2 Quadratmetern. Am wenigsten Platz haben die Menschen in Eiche mit 28,1 Quadratmetern pro Einwohner – hier leben viele Studenten in kleinen Apartments.

Der Kinderanteil ist in Klein Glienicke mit 17 Prozent am höchsten, gefolgt von Bornstedt mit 15,9 Prozent, der Nauener Vorstadt mit 15,2 und Babelsberg-Nord mit 14,3 Prozent. In Waldstadt II sind nur 4,3 Prozent der Einwohner Kinder. Der Potsdamer Gesamtdurchschnitt liegt bei 11,8 Prozent.

Der Anteil der Senioren – also der 65-Jährigen und Älteren – ist in Waldstadt I mit 24,2 Prozent am höchsten und in Grube mit 8,3 Prozent am geringsten. Stadtmittel: 13,8 Prozent.

Hilfe nach dem Sozialgesetzbuch II beziehen im Schlaatz 27,8 Prozent der Einwohner – mehr als jeder Vierte ist hier auf Hartz IV angewiesen. In der Jägervorstadt sind das nur 1,7 Prozent, in Marquardt, in Uetz-Paaren und in der Nauener Vorstadt 1,6 Prozent. Das Stadtmittel: 8,4 Prozent.

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2014 war in Uetz-Paaren mit 61,8 Prozent mit Abstand am höchsten. Im Schlaatz gingen nur 23,9 Prozent zur Wahl, in ganz Potsdam 48,9.

Von Nadine Fabian und Saskia Kirf

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