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Ist Potsdams Mitte zu dunkel?

Lichtkonzept für Potsdam Ist Potsdams Mitte zu dunkel?

„Unterwegs im Licht“ Ende Januar und die Orgelweihe der Nikolaikirche Ende September haben gezeigt, wie schön Potsdam nachts erstrahlen kann. Jetzt soll wieder am Lichtkonzept gearbeitet werden, das fast zwei Jahre auf Eis lag. Nikolai-Gemeinde und Astrophysiker befürworten eine Dauerbeleuchtung am Alten Markt – unter einer Bedingung.

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Zu herausragenden Veranstaltungen hätte die Kirchengemeinde von St. Nikolai gerne wieder so ein Pop-Licht, doch als Dauerbeleuchtung hätte sie es gern dezenter.

Quelle: Friedrich Bungert

Innenstadt. Es geht doch: Zwei Mal hat Potsdam in diesem Jahr bereits gezeigt, wie man sehenswerte Bauten in der Stadt auch nachts weit sichtbar machen und erstrahlen lassen kann; ein drittes Event steht Ende nächster Woche an: „Potsdam im Licht“. Erneut werden zigtausendfach die Kameras der Besucher und Touristen klicken, bunte Bilder gehen wieder um die Welt. Doch außerhalb solcher Einzelereignisse ist Potsdam ein Ort der fahlen Dunkelheit. Ein angedachtes Lichtkonzept für die Gesamtstadt verschwand vor eineinhalb Jahren aus Mangel an Planern und Bearbeitern wieder in den Schubladen der Bauverwaltung, wo nach dem unrühmlichen Abgang von Amtsleiter Matthias Klipp (Grüne) Stadtplanungschef Andreas Goetzmann die Geschäfte übernehmen musste. Er hatte keine Zeit mehr für das Lichtkonzept, und auch die Lichtkonzept-Idee der Fachhochschule geriet schnell in Vergessenheit. Die Studenten wollten die wichtigsten Gebäude Potsdams nachts erleuchten und Fernsichten schaffen, wie man sie sonst nur tagsüber hat.

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Potsdam, 21.01.2017 – An diesem Samstag hieß es abermals „Unterwegs im Licht“. Markante Gebäude und Einrichtungen in Potsdams historischer Mitte leuchteten in bunten Farben und luden zum Besuch ein.

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Beleuchtung schaffen in der Nacht sei wünschenswert, sagt Potsdams Marketing-Chefin Sigrid Sommer. Am Geld werde das Konzept nicht scheitern; man brauche aber Personal dafür. Mit dem neuen Baudezernenten Bernd Rubelt sehe sie da gute Chancen. Gewichtige Bedenken gebe es aber, warnt sie vor der sogenannten „Lichtverschmutzung“: Scheinwerferstrahlen schweifen in den Nachthimmel ab und sorgen für ein diffuses Streulicht, das den Astronomen den Sternenblick vermiest. Über leistungsstarke 60 Scheinwerfer hatte man durch die engen Treppentürme der Nikolaikirche gewuchtet, um die Säulenreihe der Kuppel anzustrahlen. Rund 6500 Euro hat die mehrtägige Beleuchtungsaktion aus Anlass der Orgelweihe gekostet: Die wechselnd farbige Illumination der Kuppel zog alle Blicke auf sich.

Bei der Januar-Aktion hatte man mit etwa demselben Geldeinsatz die Scheinwerfer auf den Alten Markt gestellt und den Unterbau der Kirche und das Alte Rathaus angestrahlt. „Die Strahler und die Steuertechnik am Boden muss man vor Vandalismus schützen“, beschreibt Sommer ein Problem solcher Aktionen. Das sei bei der Kuppelbeleuchtung zwar anders, doch der Aufwand zur Installation sei höher. Die Kirchengemeinde musste dafür auch den Aufstiegsturm für die Besucherplattform sperren.

Lichtschmutz ist messbar

Das Nachtlicht über Potsdam wird überwacht. Auf dem Dach des Astrophysikalischen Instituts misst ein Lichtmeter alle zwei Sekunden die Lichtmenge am Himmel.

Das Ereignis vom Alten Markt treibt den Wert nicht deutlich hoch, wohl aber das Flutlicht des Karl-Liebknecht-Stadions.

Astronomen sagen: „Die Sterne nicht mehr sehen zu können, ist ein Kulturverlust. Immer mehr Licht immer und überall hat Folgen für Mensch und Tier, die wir noch gar nicht kennen.“

Trotzdem war die Kirchengemeinde „sehr froh und dankbar, dass es schon zum zweiten Male möglich war, die Kirche anzustrahlen“, sagt Pfarrer Matthias Mieke: „Wir hätten gerne eine dezente Dauerbeleuchtung, die zum Schinkel-Bauwerk passt. So Star-mäßig sollte es nur zu bestimmten Anlässen sein.“ Die Kirchengemeinde könne die Stromkosten einer ständigen Beleuchtung tragen, doch für die Planung und die technische Ausstattung müsse die Stadt sorgen; das liege im öffentlichen Interesse.

Beim Astrophysikalischen Institut in Babelsberg sieht man die Sache ganz gelassen. „Jede Anstrahlung führt zu Lichtverschmutzung“, sagt Gruppenleiter Axel Schwope: Große Helligkeit in der Stadt erzeuge am Himmel Dämmerung: „Das Licht der Sterne ertrinkt im Licht der Stadt.“ Die Lichtverschmutzung behindere die Arbeit des AIP „so gut wie gar nicht“. Man habe Mitte der 90er-Jahre das in den 60ern stillgelegte 70-Zentimeter-Teleskop auf dem Babelsberg wieder in Betrieb genommen, damit wissenschaftliche Beobachtungen durchgeführt und auch in wissenschaftlichen Fachjournalen publiziert, berichtet Schwope: „Alles keine Weltspitzenforschung, eher Brot und Butter, aber sehr nützlich.“ Die ganz wichtigen Beobachtungen würden längst außerhalb von Mitteleuropa durchgeführt.

Schwope hat Tipps für eine Gebäudebeleuchtung mit wenig Lichtschmutz. „Am besten von oben nach unten oder von gegenüberliegenden Gebäuden. Turboleuchten von unten nach oben haben zu große Lichtkegel.“ Kleinere, schmalere Lichtkegel seien besser; Lamellen oder Masken vor den Scheinwerfern könnten die Streuung bremsen.

Von Rainer Schüler

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