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Potsdam Istanbul im Abendrot
Lokales Potsdam Istanbul im Abendrot
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17:06 20.01.2017
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Potsdam

Eine der Fotografien von Beret Hamann zeigt Istanbul in der Abendsonne: vorn in kühlem Grau die Türme und Kuppeln der Süleyman-Moschee, dahinter rötlich blass im Dunst das Massiv eines Viertels am anderen Ufer des Goldenen Horns, fern am Horizont Stalagmiten gleich matt glänzende Hochhausriesen.

Mit einem Stipendium des Landes war die Potsdamer Künstlerin im Oktober und November des vergangenen Jahres in der 17-Millionen-Einwohner-Metropole an der Grenze Europas zu Asien. Die rasant wachsende Stadt war eines ihrer Themen, die Menschen darin ein anderes. Erste Ergebnisse ihres Aufenthalts sind in einer Gemeinschaftsausstellung von insgesamt sechs Istanbul-Stipendiaten in der Produzentengalerie „M“ des Landesverbandes Bildender Künstler zu sehen.

Zu den Büchern, die Beret Hamann vor ihrer Reise an den Bosporus las, gehörte „Die fremde Braut“. In ihrer Autobiografie beschreibt eine Autorin ihre Kindheit in Istanbul als eine sehr glückliche und weltoffene. In den 1960er Jahren dominierte eine westlich orientierte Kultur, man fuhr amerikanische Autos, trug amerikanische Mode. Kopftuchtragen war verpönt.

Ganz am Ende der Ausstellung, in einem Nebengelass im Keller der Galerie, berichten moderne Frauen von heute über ihr Leben in Istanbul. Die insgesamt vier Interviews gelangen Beret Hamann erst ganz am Ende ihres Aufenthaltes, keine acht Monate vor dem gescheiterten Militärputsch und dem nachfolgendenden Staatsstreich Erdogans. Doch schon damals wurden die Gespräche mit großer Vorsicht geführt.

Eine Anwältin berichtet von ihrem 15-jährigen Exil in Deutschland, nach einem Militärputsch in den 1980er Jahren drohten ihr in der Türkei 23 Jahre Haft. Seit ihrer Rückkehr nach Istanbul schlägt sie sich als Dozentin durch. Sie ist der Freigeist unter den Interviewten, mehrfach geschieden, keine Kinder.

Die Anatolierin, wurde zwangsverheiratet und trotzdem dank exzellenter Sprachkenntnisse zur weltgewandten Geschäftsfrau mit offenem Haar. Vor einigen Jahren wandte sie sich der Kultur und Glauben ihres Landes zu, heute trägt sie Kopftuch, betet täglich fünfmal und ließ sich – zeitgleich mit ihrer Tochter – noch einmal für ein Studium immatrikulieren. Eine ihrer Kommilitoninnen, wuchs in Deutschland auf, geht wie sie auf die 50 zu, betet regelmäßig, doch ohne Kopftuch, und will wie die andere später Deutsch unterrichten.

Die Interviews und Fotografien, die Stadtpanoramen und die Collagen, mit denen Beret Hamann Moscheen und Wohnburgen in symmetrisch gesetzte bunte Flächen übersetzte, sind Teil eines später geplanten größeren Ausstellungsprojektes.

Antiquarische Aufnahmen von Frauen aus Istanbul hat sie dafür gesammelt und Videoschnipsel von fernen Menschenmassen, die ameisengleich über Straßen, Plätze und Brücken eilen. Die Gespräche mit den Frauen will sie weiterführen, doch seit dem Putsch ist der Kontakt abgebrochen.

Istanbul-Stipendiaten

Die Ausstellung „Istanbul-Stipendiaten des Landes Brandenburg 2015/16“ in der Galerie „M“ zeigt Arbeiten von Angela Fensch, Gisela Gräning, Beret Hamann, David Lehmann, Katrin von Lehmann und Gunter Schöne.

Die Ausstellung in der Galerie „M“, Charlottenstraße 122, läuft noch bis zum 14. August. Geöffnet ist sie Mi-Fr 11-17 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.

Die nächste Ausstellung „Splitter“ mit Imke Freiberg, Antje Scharfe, Christiane Wartenberg und Ilse Winkler wird in der Galerie „M“ am 18. August um 17 Uhr eröffnet.

Von Volker Oelschläger

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