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Potsdam Ja-Wort früh um acht
Lokales Potsdam Ja-Wort früh um acht
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11:17 02.10.2017
Katja (re.) und Jeanett Knappe sind schon seit 2012 verpartnert. Quelle: Privat
Potsdam

Jetzt wird es ernst. Oder eben auch freudig: Seit Sonntag können schwule und lesbische Paare heiraten. In Berlin tun sie das eifrig schon am Sonntag, in Potsdam erst ab Montag. „Hier gibt es keinen Mega-Andrang“, umschreibt Projektleiter Lars Bergmann vom Landesverband AndersARTiG das verhaltene Interesse. Eine einzige Eheschließung ist für den Premierentag angemeldet, und sie passiert schon früh um acht.

„Wir sind gut darauf vorbereitet und freuen uns, dass dieser lange notwendige Schritt der Gleichstellung endlich umgesetzt ist“, sagt Potsdams Pressesprecher Jan Brunzlow. Insgesamt 15 Paare haben sich bislang für Termine in diesem Jahr beim Standesamt angemeldet, davon sind neun Paare Frauen. Fast alle leben in Potsdam, nur ein Paar nicht. Von den 15 Paaren waren zwölf verpartnert.

>> Das bedeutet die Ehe für alle in der Praxis

Katja und Jeanett Knappe haben sich am Montag früh im Standesamt Potsdam trauen lassen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Katja (40) und Jeanett Knappe (41) sind die ersten, die sich in Potsdam das Ja-Wort geben; sie sind schon seit dem 2. Juni 2012 eine eingetragene Lebenspartnerschaft, haben ein Pflegekind und möchten es adoptieren. „Das geht jetzt viel leichter als früher“, als man die Adoption nur schrittweise vollziehen konnte, sagt Katja. Ihre Eheschließung wird ein feierlicher Moment, und sie freuen sich „total“. Trotzdem gibt es danach nur eine Feier im kleinen Kreis. „Die Verpartnerung vor fünf Jahren war echt romantisch. Das hier wird es eher nicht. Aber wir gehen da auch nicht in Jeans hin.“

Oft ist es nur noch ein formaler Akt

Für viele schon verpartnerte Paare sei das ein formaler Akt, der vor allem im Adoptionsrecht Erleichterungen und mehr Sicherheit bringe, sagt Lars Bergmann. Von den knapp 35 Mail-Anfragen, die der Verein seit Verabschiedung des Gesetzes bekommen hat, war die Mehrheit der Interessenten verpartnert und wollte wissen, was sie tun müssen, um ein Ehepaar zu werden. „Die Lebenspartnerschaft war der Ehe ja schon fast gleich gestellt“, sagt Bergmann: „Doch die Adoption ist jetzt der große Wurf. Seit über 20 Jahren haben wir dafür gekämpft.“

Die Ehe für alle

Seit 2001 können sich Homosexuelle verpartnern. Dass sie beim Erbrecht, der Unterhaltspflicht und dem steuerlichen Ehegattensplitting gleiche Rechte und Pflichten haben, kam erst nach und nach.

Mit dem neuen Adoptionsrecht sind homosexuelle und heterosexuelle Paare vollkommen jetzt gleichgestellt.

Weltweit haben mehr als 20 Länder schon die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet.

Schwulen-Aktivist Jirka Witschak ist „total erleichtert“ über die Ehe für alle. „Die Zeiten werden rauer“, sagt er: „Gut, dass eine rot-rot-grüne Mehrheit im Bundestag die Chance genutzt hat, das Gesetz durchzubringen. Zwei Jahrzehnte Kampf nehmen jetzt ein gutes Ende.“ Lebenspartnerschaften gehören nach Witschaks Erfahrung inzwischen zur Lebenswirklichkeit in Brandenburg: „Das existiert in sehr vielen Familien, auch in der Fläche des Landes.“

Schwulen-Aktivist Jirka Witschak: „Gut, dass eine rot-rot-grüne Mehrheit im Bundestag die Chance genutzt hat, das Gesetz durchzubringen.“ Quelle: Christel Köster

In den kommenden Wochen gibt es noch freie Termine in Potsdam , sagt Jan Brunzlow, „wenn auch vielleicht nicht das Wunschdatum. Wenn jemand heiraten möchte und alle Unterlagen hat, dann erfüllen wir diesen Wunsch gerne.“

Im Jahr 2016 haben im Standesamt Potsdam 1058 Paare geheiratet, 43 davon waren gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften. In diesem Jahr dürften es wieder etwa 1000 Hochzeiten werden, schätzt das Amt; auch die Anzahl von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und Ehen dürfte gleich bleiben. Zwischen dem 1. August 2011 und dem 30. September 2017 wurden 347 Lebenspartnerschaften geschlossen.

Von Rainer Schüler

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