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Potsdam Ja, ist denn schon Weihnachten?
Lokales Potsdam Ja, ist denn schon Weihnachten?
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19:50 13.07.2016
Die Gänse von Bauer Ernst Ruden führen noch ein glückliches Leben. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
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Krampnitz

In 23 Wochen ist es soweit und Weihnachten steht vor der Tür. Da bleibt noch Zeit, um die gläsernen Kugeln auf dem Speicher zu suchen oder über die Füllung für die Gans zu sinnieren. Und bis dahin kann die Gans noch schön groß und fett werden. Für prächtige Tiere sorgt Bauer Ruden im Ortsteil Krampnitz. So stehen an Heiligabend Rotkohl und Klöße nicht völlig einsam auf der Tafel.

Der weihnachtliche Braten ist eine Tradition der katholischen Kirche, jeweils zum Beginn und Ende der adventlichen Fastenzeit, an Sankt Martin und an Heiligabend, gab es einen Gänsebraten. Der Legende nach war die Gans im Römischen Reich ein angesehenes Tier, da sie mit ihrem durchdringenden Geschnatter ungebetene Gäste fernhielt, quasi ein antiker Wachhund. Darüber hinaus standen zum Jahresende die Lohnzahlung für die Arbeiter an, weswegen sich auch arme Bauern einen Festbraten leisten konnten.

Das gefiederte Urlaubsgeld

Den finanziellen Aspekt kann auch Bauer Ruden durchaus nachvollziehen. „Einige der Kunden legen sich ein wenig Geld zur Seite, um sich zum Jahresende eine schöne Gans leisten zu können“, sagt er. „Und die Gänse finanzieren uns wiederum die Ferienreise“. Das gefiederte Urlaubsgeld kommt im Mai auf den Hof. Dann sind die Gössel, wie die kleinen Gänse genannt werden, drei Wochen alt und wiegen weniger als ein Pfund. 120 Gänse kauft Ernst Ruden bei einem Geflügelzüchter. Da ahnen die Tiere noch nicht, dass sie in acht Monaten Federn lassen müssen. Doch bis dahin lebt das Schof in idealen Umständen.

Auf einem Hektar Wiese haben die Gänse genug Auslauf und einen Teich zum Schwimmen. Morgens um sechs Uhr werden die Gänse aus ihrem Blockhaus ins Freie gelassen, abends gegen 22 Uhr stecken sie die Köpfe wieder unter die Flügel. Zu Futtern bekommen die Gänse Gemüse vom Hof und gequetschten Hafer. „Weil die Tiere bei uns zwei bis drei Monate länger leben“, erklärt Ruden, „ist das Fleisch durchgereifter, verfügt über weniger Wasser und einen gesunden Fettgehalt“. Das wissen auch seine Kunden zu schätzen. Doch die Qualität hat ihren Preis: 70 Euro kostet eine mittlere Gans. „Doch wer einmal eine Hof-Gans probiert hat, möchte nie wieder was anderes essen“, so Ernst Ruden. Vier bis fünf Kilo wiegen die Gänse Ende Dezember. Geschlachtet werden sie auf dem Hof selbst, frisch am 24. Dezember. Was bei Familie Ruden zum Weihnachtsfest auf den Tisch kommt? Wenn eine Gans an Heiligabend übrig bleibt, weil sie beispielsweise nicht abgeholt wurde, kommt sie bei Familie Ruden in die Röhre. „Eine vorgemerkte Gans bleibt immer über“ sagt Ernst Ruden ein wenig verwundert.

Noch können die Gänse in Ruhe ihr Leben genießen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ernst Ruden (46) stellt die dritte Ruden-Generation auf dem Hof. Sein Großvater bekam 1949 im Zuge der Bodenreform sechs Hektar Land. In den darauffolgenden 25 Jahren bauten der Großvater, sein Vater und schließlich Ernst Ruden das Gut auf gut 90 Hektar aus. Dazu kommen noch 200 Hektar Fläche zur landwirtschaftlichen Nutzung. „Der Boden wird auch für kein Geld der Welt verkauft“, sagt Bauer Ruden.

Denn auch sein Sohn Ernst (25) ist ausgebildeter Landwirt und möchte den Hof weiterführen. Ernst Ruden, der Mittlere und der Junge, werden dann auch in Zukunft den Gänsen Beine machen.

Von Lisa Neumann

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