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Jahrhundertschritt ins Barberini

Kunstspektakel in Potsdam Jahrhundertschritt ins Barberini

Das künftige Museum Barberini von Mäzen Hasso Plattner in der Potsdamer Mitte hat seit Donnerstag ein Wahrzeichen im Innenhof: Wolfgang Mattheuers fünf Meter hohe Bronzeplastik „Der Jahrhundertschritt“ schwebte mit einem Kran ein und wurde unter dem Beifall zahlreicher Schaulustiger montiert.

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Der Jahrhundertschritt wird im Innenhof des Barberini montiert. Foto: Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Das von Mäzen Hasso Plattner gestiftete Museum Barberini, das im Januar 2017 mit einer großen Impressionisten-Schau eröffnet wird, erlebte gestern einen wahrhaft erhebenden Moment – im wörtlichen Sinne. Exakt um 11.30 Uhr startete die Himmelfahrt von Wolfgang Mattheuers riesenhafter Bronzestatue „Jahrhundertschritt“ über den Alten Markt. Ausgangspunkt der Reise war der Vorplatz des Museums; ihr Ziel der Innenhof des Barberini, wo der 700-Kilo-Koloss nun dauerhaft mit Blickrichtung zur Havel aufgestellt ist. Bewerkstelligt wurde der viertelstündige Ortswechsel mittels Kran-Hub. „Der ,Jahrhundertschritt’ Aug’ in Aug’ mit dem Atlas auf dem Alten Rathaus“, freute sich Museumsdirektorin Ortrud Westheider über das Gipfeltreffen der beiden Figuren in luftiger Höhe. Aber nicht nur Westheider und das Barberini-Team waren versammelt, um das Schauspiel zu erleben. Auch etliche Potsdamer hatten sich den Termin anscheinend im Kalender vorgemerkt, wahrscheinlich mit dem Hinweis: „Achtung, super Foto-Gelegenheit.“ Die Handy- und Kamera-Dichte war jedenfalls hoch. Das Museum hatte sogar eine sirrende Drohne im Einsatz, die von der Havelseite aus das Einschweben der Statue filmte.

Bestes „Flugwetter“ in Potsdam

Aber zurück auf Start: Das „Flugwetter“ gestern Vormittag wirkte fast wie bestellt aus dem Wetter-Katalog. Perfekter Sonnenschein, nahezu windstill. Der 40 Meter hohe Kran hielt seine kostbare Fracht fest vertäut an Seilschlaufen. Mittels Walkie-Talkie verständigte sich der Kranführer mit der „Boden-Mannschaft“, darunter auch Mitarbeiter der Berliner Kunstgießerei Krepp, die die Skulptur vor einigen Jahren gegossen hat. Als die Statue dann exakt auf ihrem Podest im Innenhof aufsetzte, gab es spontanen „Szenenapplaus“ von den Zaungästen für die Leistung. Und für die Museumsbesucher und die Passanten an der Alten Fahrt wird es künftig ein tolles Postkartenmotiv geben: die moderne Bronzeplastik, malerisch eingerahmt von den hohen Seitenflügeln des Barberini mit seiner historischen Anmutung.

Aber was genau will der „Jahrhundertschritt“ dem Betrachter sagen? Im Grunde genommen ist die Figur eine Mahnerin, die Auswüchse der Geschichte des letzten Jahrhunderts nicht zu vergessen: Faschismus und Kommunismus. Bernd Lindner vom Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig schrieb über Mattheuers Plastik: „Die vier Gliedmaßen der Figur streben so heftig auseinander, dass sie diese schier zu zerreißen drohen: Den rechten Arm zum faschistischen Gruß ausgestreckt, die linke Hand zur proletarischen Faust geballt, hinkt das von einer Blutspur gezeichnete linke Stiefelbein dem ungestüm ausschreitenden, makellos weißen rechten Bein unheilschwer hinterher.“ Und der schrundige, eingerissene Brustkorb von Mattheuers „kopfloser“ Figur wirke wie „aufgesprengt“, so Lindner.

Der „Jahrhundertschritt ist fünf Meter hoch

Der 2004 verstorbene Mattheuer schuf den „Jahrhundertschritt“ im Jahr 1984. Am 30. September 1999 wurde er in einer feierlichen Veranstaltung mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder vor dem Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig aufgestellt. 2006 sollte eine auf fünf Meter vergrößerte bemalte Bronze des „Jahrhundertschritts“ vor dem Reichstag in Berlin errichtet werden. Daraus wurde aber nichts. Später wurde die Plastik von Hasso Plattner angekauft. Seit September 2012 stand sie im Hof des Kutschstalls am Neuen Markt. Nun hat sie also ihre endgültige Heimstatt im Hof des Barberini-Museums, das nach der Eröffnung auch DDR-Kunst zeigen wird.

Mit dem Bau ist man mittlerweile schon auf der Zielgeraden. Die nächsten Monate stehen im Zeichen der Abnahmen und der technischen Erprobungen. In den Räumen muss das so genannte „museale Klima“ ausgesteuert werden: 18 bis 21 Grad im Winter, im Sommer steigt die Temperatur auf 23 Grad. Die Luftfeuchte muss konstant bei 50 Prozent liegen.

Auch im Außenbereich ist fast alles fertig. An der neuen Havel-Promenade steht der gläserne Pavillon, den der Pächter der Museumsgastronomie künftig nutzen kann. Die große Freitreppe, die vom Innenhof zum Uferbereich hinunter führt, wird ebenfalls bald fertig sein: „Sie wird etwa in vier Wochen freigegeben“, sagte Bauherrenvertreter Willy Athenstädt.

Die Zaungäste nahmen regen Anteil an den Fortschritten in der Stadtmitte. Einer von ihnen: Wolfram Maede, Rentner sowie „Lokalpatriot und Hobbyhistoriker“, der am Pfingstberg lebt. „Ich bin ja ein alter Potsdamer und freue mich, dass der Alte Markt wieder in alter Schönheit neu ersteht“, schwärmte Maede. Die aktuelle Diskussion um den Erhalt der Fachhochschule ist für Maede nichts anderes als „Nonsens von intellektuellen Newcomern“.

Von Ildiko Röd

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