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Jakobs-Rückzug: Suche nach Nachfolger beginnt

Potsdams Oberbürgermeister Jakobs-Rückzug: Suche nach Nachfolger beginnt

Nach 16 Jahren als Potsdamer Oberbürgermeister zieht sich Jann Jakobs (SPD) zurück – auf eine Kandidatur zur Wahl 2018 verzichtet er. Überraschend kommt der Rückzug nicht, der Zeitpunkt der Verkündung hingegen schon. Nun beginnt die Suche nach einem Nachfolger – sie zeigt, vor welchem Dilemma die SPD steht.

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Jann Jakobs will 2018 nicht erneut zur Wahl des Oberbürgermeisters antreten.
 

Quelle: dpa

Potsdam.  Jann Jakobs wird Potsdamer bleiben. Auch wenn er ab Herbst nächsten Jahres nicht mehr fünf Mal pro Woche das Rathaus mit dem Rad ansteuern muss – seiner Wahlstadt bleibt der SPD-Mann trotz Wahlverzichts treu. Erst im Vorjahr hat er sein Eigenheim am Jungfernsee bezogen, nach Jahren in der Alexandrowka. Er fühle sich dort sehr wohl, betonte er gestern erneut. „Ich habe mir ein Haus gekauft, dann bleibe ich natürlich auch hier“, so der 63-Jährige. Eine Rückkehr in seine Heimat Ostfriesland – ausgeschlossen.

Die Begründung für seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur ist dabei so preußisch-knapp wie ostfriesisch-herb: „Nach 16 Jahren ist auch mal gut.“ Platz machen für Jüngere, sich mehr Zeit mit der Familie gönnen. Die Gründe, die Jakobs für seine Entscheidung anführt, sind die üblichen, die man eben so nennt in so einer Situation. Ihm kann man sie abnehmen, findet etwa CDU-Fraktionschef Matthias Finken. „Ich kann gut verstehen, dass er mehr Zeit mit seiner Familie verbringen will“, sagt Finken. Ihn überrasche der Rückzug nicht. „Das ist ein normaler Prozess. Zwei Legislaturen sind eine Menge.“

Als „Lame Duck“, also als Politiker auf Abruf und dementsprechend ohne Durchsetzungskraft, fühle er sich nicht, so Jakobs. Die 20 Monate im Rathauschefsessel, die er noch vor sich habe, werde er voller Elan zu Ende bringen.

Überraschend kam für viele der Rückzug nicht. Wohl aber der Zeitpunkt seiner Verkündung. Im Dezember hatte Jakobs im MAZ-Interview eine erneute Kandidatur 2018 noch offen gelassen und nur ausweichend geantwortet: „Das werde ich zu gegebener Zeit entscheiden, im Laufe des kommenden Jahres.“ Nun hat er sich entschieden – sein Dauerrivale Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) offiziell noch nicht.

Scharfenberg hatte einst eine Kandidatur an Jakobs geknüpft

Zwei Mal lieferten sich die beiden fast Gleichaltrigen (Jakobs ist 1953, Scharfenberg 1954 geboren) ein Wahlduell. Zwei Mal, 2002 und 2010, hatte Jakobs die Nase vorn. „Ich nehme die Entscheidung von Jann Jakobs mit großem Respekt zur Kenntnis“, sagte Scharfenberg gestern Abend. Die beiden hätten am 27. November 2018 noch einmal gegeneinander antreten können, nachdem die Altersgrenze für Bürgermeister aufgehoben wurde. Ob er selbst es nun noch einmal wissen will, ließ Scharfenberg gestern offen, aber: „Ich denke schon, dass Jakobs Entscheidung Einfluss auf mein Vorgehen hat.“ Vor einem Jahr hatte der Linksfraktionschef erklärt, er könne sich eine erneute Kandidatur vorstellen – wenn Jakobs auch wieder antrete.

Frisch gewählter Rathauschef mit Amtskette

Frisch gewählter Rathauschef mit Amtskette: Jann Jakobs bei seiner ersten Amtseinführung 2002.

Quelle: Joachim Liebe

Vieles spricht also dafür, dass sich nicht nur die SPD jüngere Gesichter für den Wahlkampf suchen muss. Für die Sozialdemokraten wird es besonders schwer. Sie müssen nun einen kompetenten Nachfolger für Jakobs finden, der in all den Jahren sämtliche Debatten vom Mercure bis zu den Uferwegen und Skandale wie die Stadtwerkeaffären überstanden hat. Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) wird als Kronprinz gehandelt. Aber auch eine Frau an der Spitze würde der Landeshauptstadt gut zu Gesicht stehen, sagen manche und schielen auf Kulturdezernentin Noosha Aubel, obwohl sie ihren neuen Job noch gar nicht angetreten hat – und parteilos ist.

FDP-Politikerin spricht sich für einen Neuanfang im Rathaus aus

Die Liberalen sprachen sich für einen „echten Neuanfang an der Stadtspitze“ aus. „Unsere Landeshauptstadt wurde bisher leider unter Wert regiert“, so die Vorsitzende der FDP Potsdam, Linda Teuteberg. „Ob es um Mauscheleien bei den Stadtwerken, Verschwendung von Steuergeldern oder Missstände in der Bauverwaltung geht: All das zeigt, dass die Zeit für einen Wechsel in Potsdam gekommen ist“, erklärte Teuteberg. Die Freien Demokraten setzten 2018 auf eine Ablösung einer SPD-geführten Verwaltungsspitze und stünden CDU und Grünen für Gespräche zur Findung eines geeigneten, gemeinsamen Kandidaten zur Verfügung.

Jann Jakobs gab seinem noch gar nicht gefundenen Nachfolger gestern noch Tipps. An der Stadtspitze brauche man ein dickes Fell, „eine Moderatorenausbildung hilft“ und unendlich viel Geduld. Seine war nach zwei Legislaturen offenbar doch langsam am Ende.

Von Marion Kaufmann

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