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Potsdam Jann Jakobs (SPD) als Prediger
Lokales Potsdam Jann Jakobs (SPD) als Prediger
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21:01 20.03.2017
Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst. Quelle: Christel Köster
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Innenstadt

Irgendwann fühlte sich Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am Sonnabend in der Nagelkreuzkapelle nach seiner Bürgerpredigt doch bemüßigt, eine Sache ein für allemal klarzustellen: „Ich bin nicht zurückgetreten, sondern ich habe nur gesagt, dass ich nicht noch mal antrete“, sagte er leicht genervt. Und zwar nachdem sich ein Herr aus dem Publikum während der Frage-Antwort-Runde überschwänglich an den Rathauschef gewandt hatte: „Danke für die gute Arbeit, die Sie geleistet haben!“ Was Jakobs aber anscheinend doch etwas zuviel „Time to Say Goodbye“-Stimmung war.

„Ich dachte, er ist in zwei bis drei Monaten weg!“

Immerhin – so betonte Jakobs ausdrücklich – sei er noch 20 Monate im Amt. Dass dieser Fakt tatsächlich noch nicht bei allen so angekommen war, zeigte die ungläubige Reaktion einer Dame nach der Predigt: „Echt? Ich dachte, er ist in zwei bis drei Monaten weg.“

Tendenz: Am liebsten abgeklärt-bundespräsidial

Wie sich der OB, der am vergangenen Montag einer erneuten Kandidatur im Herbst 2018 eine Absage erteilt hat, vom Auftreten her die restlichen 20 Monate vorstellt, konnte man bei der Bürgerpredigt erahnen. Tendenz: Am liebsten abgeklärt-bundespräsidial mit Betonung auf weltoffener Toleranz. Sogar die Dauerdebatte um den Aufbau des Garnisonkirchturms empfindet Jakobs in seiner Spätphase durchaus als „besonderes Privileg, weil man letztlich im Gespräch bleibt – so lange diese Diskussion respektvoll ist“.

Neue Reihe in der Nagelkreuzkapelle

Kernthema der neuen Veranstaltungsreihe „Wort-Ort: Oh, mein Gott“, bei der Menschen des öffentlichen Lebens auf der Bürgerkanzel sprechen, ist aber natürlich die bekannte Gretchenfrage: „Nun sag’, wie hast du’s mit der Religion?“ In seiner Jugend, so erzählte der im calvinistischen Gedankengut aufgewachsene Ostfriese Jakobs, habe er zwar öfters mit Gott gehadert. Aber: „Eines habe ich nie gemacht, ich bin nie aus der Kirche ausgetreten.“ Ein Leben ohne diesen spirituellen Ankerpunkt könne er sich nicht vorstellen.

Auch mit seinem Bekenntnis, dass der Motor für sein tägliches Tun die „Liebe zu meiner Frau und zu meinen Kindern“ sei, konnte sich Jakobs des beifälligen Nickens in der familienaffinen Nagelkreuzgemeinde sicher sein. Für den Ex-Sozialarbeiter besteht zudem eine Schnittmenge zwischen religiösen Motiven und sozialpolitischen Ansätzen. Stichwort: Die mit Verve vorangetriebene Unterbringung von Flüchtlingen, auch dies mittlerweile ein fast leitmotivisches Thema in Jakobs’ Eigenbilanz.

„Lasst uns alle Kraft in den Turm stecken!“

Ganz am Schluss ging es um die Zukunft der Garnisonkirche: „Lasst uns alle Kraft reinstecken, den Turm fertig zu stellen!“ Sollte später noch der Bedarf nach dem Schiff bestehen, müsste man eine passende Funktion finden. Für ein interkonfessionelles Zentrum, wie es jüngst vorgeschlagen worden ist, sieht Jakobs jedoch keinen Bedarf.

Von Ildiko Röd

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