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Jeder will trinken, keiner will bedienen

Fachkräftemangel in Potsdam Jeder will trinken, keiner will bedienen

Potsdam zieht immer mehr Touristen an, aber immer weniger Menschen, die im Hotel oder Restaurant arbeiten wollen. Der Fachkräftemangel ist so dramatisch, dass ihn Gastronomen mittlerweile als größtes Wirtschaftsrisiko für ihre Betriebe sehen. Es gibt aber Betriebe, die kennen Auswege.

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Zu schlechte Arbeitszeiten, zu schlecht bezahlt: Arbeiten im Gastgewerbe ist unbeliebter denn je. Die Betriebe müssen kreativ darauf reagieren.

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. Grundsätzlich geht es den Betrieben im Potsdamer Gastgewerbe gut. Das ergibt die aktuelle Tourismus-Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK). 94 Prozent der Befragten Unternehmen schätzten ihre wirtschaftliche Lage entsprechend gut ein. Etwa die Hälfte der Betriebe gab an, dass ihr Anteil an Gästen gestiegen ist, die zum Urlaub in der Stadt sind. Es gab zudem mehr heimische Gäste.

Ein Problem zieht sich allerdings durch die ganze Branche: Der Mangel an geeigneten Bewerbern und Mitarbeitern. „Sorgen bereitet den Gastgerbern zwischen Prignitz und Fläming in erster Linie die Fachkräftesicherung“, sagt Peter Heydenbluth, Präsident der IHK. „Der Mangel wird inzwischen als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens benannt.“ Er führe schon dazu, dass Gastronomen zwangsläufig Ruhetage einführen müssen oder keinen Mittagstisch mehr anbieten.

Potsdamer Betriebe müssen kreativ reagieren

Dass diese Entwicklung freilich keine neue ist, weiß der Inhaber des Restaurants am Pfingstberg, Mario Kade. Er hat schon vor zwei Jahren einen Ruhetag einführen müssen. „Wir konnten einfach keinen geeigneten Bewerber finden“, sagt Kade. Heute hat er sich an die Situation gewöhnt und fühlt sich recht gut aufgestellt. Und dennoch: „Wenn es so weiter geht, dass immer weniger Menschen in der Gastronomie arbeiten möchten, kann es auch mir passieren, dass ich nur noch abends oder nur noch mittags geöffnet habe.“

Runder Tisch Tourismus

Bei einem Treffen zum Thema Tourismus haben die Stadt und ihre gleichnamige Gesellschaft (PMSG) eine Bilanz des Jahres 2017 und derzeitige Projekte vorgestellt.

So gebe es eine neue Social-Media-Strategie, mit dem die PMSG, präsenter in den sozialen Netzwerken sein will. Erst seit Mai ist sie auf Facebook, Twitter und Instagram vertreten.

Außerdem will die Stadt verstärkt im Ausland für sich werben. Der Anteil der ausländischen Übernachtungsgäste liegt bei elf Prozent. Die PMSG glaubt daher an ein großes Potential auf dem Auslandsmarkt.

Anders geht René Dost, Inhaber des Café Heider am Nauener Tor, vor. Sein Betrieb ist vom Fachkräftemangel gar nicht betroffen. Seine Maxime ist schon seit Jahren: Wenn der Mitarbeiter Leidenschaft für die Gastronomie hat, ist eine Fachausbildung nicht zwingend notwendig. „Ich muss einfach erkennen, dass der Bewerber ein enthusiastischer Gastgeber ist“, sagt Dost. Er führt noch weitere Restaurants in Potsdam und hat insgesamt 200 Mitarbeiter. „Wir versuchen, den Menschen zu vermitteln, dass es bei uns eine Perspektive gibt. Es hängt nur von den eigenen Ambitionen ab.“ Sei ein Mitarbeiter besonders erpicht darauf, mehr zu lernen, gebe es interne Schulungen. „Die Gastronomie leidet allgemein unter einem sehr schlechten Image. Das stimmt aber gar nicht. Wir zahlen gute und transparente Löhne.“

Trotz prekärer Personallage: Betriebe erwarten gutes Wintergeschäft

Dass das Bild der Betriebe für potenzielle Bewerber wichtig ist, davon ist auch Mario Kader überzeugt. Er weiß: Betriebe, dich sich um Qualität bemühen, locken auch gute Bewerber an. „Wir haben vor kurzem zwei Personen eingestellt“, erzählt er. „Und die haben sich unter anderem unseren Betrieb in Bewertungsportalen im Internet angeschaut.“ Wenn ein Betrieb auf Qualität Wert lege, sei für ihn auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter wichtig. Das wissen die Bewerber. „Fühlt sich der Angestellte wohl, dann strahlt er das auch aus und das spüren die Gäste.“

Aber nicht nur der Fachkräftemangel beschäftigt die Gastro-Betriebe in der Stadt. Als zweiten großen Risikofaktor für ihre wirtschaftliche Entwicklung sehen sie die hohen Preise der Rohstoffe und Lebensmittel. Trotzdem zeigte die Tourismus-Konjunkturumfrage auch: die Gastronomen rechnen mit einem guten Wintergeschäft. „Rund 85 Prozent erwarten eine bessere oder gleichbleibende Entwicklung“, sagt IHK-Präsident Heydenbluth.

Von Annika Jensen

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