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Potsdam Joe Ryan feiert mit Travestie-Show „Obsession“ Premiere
Lokales Potsdam Joe Ryan feiert mit Travestie-Show „Obsession“ Premiere
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18:05 04.11.2018
Der Schauspieler Joe Ryan in seiner Garderobe kurz vor der Premiere seiner neuen Show „Obsession“ auf dem Theaterschiff. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
Schiffbauergasse

Der 1980 geborene, aus der britischen Provinz stammende Joe Ryan ist auch in biografischer Hinsicht ein Verwandlungskünstler. Nach seiner Ausbildung sowohl im klassischen als auch zeitgenössischen Tanz und im Gesang begann er eine Musicalkarriere im Londoner Westend und belebte die Londoner Nachtclubszene 15 Jahre lang mit seiner Dragqueen-Figur „Skinny Marie“.

Vor zehn Jahren heuerte er dann beim Musical „Starlight Express“ in Bochum an, bevor es ihn 2016 der Liebe wegen nach Potsdam und Berlin verschlug. Im Holländischen Viertel mutierte er zum Hotelbesitzer der „XIX“ und verzückte dort die Gäste mit seinen „Dinnershows“. Auch auf dem Theaterschiff in der Schiffbauergasse, wo am Freitagabend die Premiere seines neuesten Programms „Obsession“ stattfand, ist der zierliche junge Mann inzwischen kein Unbekannter mehr. Bereits seit März 2017 war er dort regelmäßig mit seiner Show „Vom Broadway zur Burlesque“ zu sehen.

Auftritt zunächst ungewiss

Das aktuelle Programm ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein komplexeres Unterfangen, da neben dem Showteil in der Pause ein wirklich exzellentes Buffet vom Hotelkoch der „XIX“, Mario Gierl, aufgetischt wird. Trotzdem stand Ryans Premiere von „Obsession“ unter keinem glücklichen Stern.

Noch am Premierenmorgen schien die Stimme des Künstlers so lädiert, dass ein Auftritt ungewiss erschien. So begann die Vorstellung mit einer halbstündigen Verspätung, was der Stimmung im Bauch des Theaterschiffs aber keinen Abbruch tat, weil an den mit weißen Rosen geschmückten Tischen schon bald das Klingen von Sektkelchen und Weingläsern zu hören war. Das Publikum jubelte dann umso mehr, als Ryan endlich lasziv tanzend die in einen Laufsteg mündende Bühne eroberte. Sein schwarzes Kostüm bestand dabei im Wesentlichen aus einem um einen Hauch Tüll und einige Stofffäden ergänzten knappen Bikini. Ryans Auftritte erschöpften sich aber nicht in der Präsentation ständig neuer Kostüme.

Parodie auf Donald Trump

In den zahlreichen Umkleidepausen wurden jeweils persönliche Kommentare und Musik eingespielt. So war zu Beginn die markante Stimme des US-Präsidenten Donald Trump zu vernehmen, der sich in seiner unverwechselbar selbstgefälligen Sprache und Tonlage als der um mehr Redlichkeit kämpfende Präsident aller Amerikaner anpries und dafür die ersten Lacher im Publikum abräumte. Zum Schluss dieses verlogenen Statements ließ Ryan die Tonspuren verlangsamt laufen, so dass sie in tief blubbernden Bass-Tönen endeten.

Überhaupt sprengte dieser Abend den Rahmen einer Travestieshow. Einmal trat der Künstler als Gesangstrio auf in dem er noch zwei lebensgroße neben ihm stehende Handpuppen führte. Die drei Nonnen im bodenlangen Klosterornat waren offenkundig eine Parodie auf den Filmklassiker „Sister Act“ und begeisterten mit „I will follow him“ das Publikum genauso wie einst Whoopi Goldberg und ihr Nonnenchor. Solche Duplikate und vor allem der Block von Parodien bekannter Sängerinnen wie Céline Dion, Barbra Streisand oder Tina Turner gehörten zu Ryans Stärken und wurden wegen der unglaublich komischen Verknappungen von mimischen und gestischen Besonderheiten der Stars vom Publikum gefeiert. Beeindruckend auch die vom Künstler kreierten phantasiereichen Kostüme und deren poetische Überhöhung durch tanzend dargebotene, betörende Leuchteffekte.

Die Rückverwandlung der Dragqueen in seine männliche Entsprechung ging synchron einher mit der persönlichsten Gesangsnummer dieses Abends, denn darin bekannte sich der Schauspieler ausdrucksstark zu seinem bunt schillernden Lebensstil. „Können wir wirklich alles sein, was uns die Welt bietet?“, stellt Joe Ryan in „Obsession“ unsere Gesellschaft in Frage. Der folgende Schlussapplaus des Publikums steigerte sich noch, als er neben den an der Inszenierung Beteiligten auch seine stolzen Eltern mit auf die Bühne bat.

Die nächste Vorstellung von „Obsession“ findet am 1. Dezember ab 19.30 Uhr auf dem Theaterschiff statt.

Von Lothar Krone

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