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Potsdam Jüdische Gemeinden begraben das Kriegsbeil
Lokales Potsdam Jüdische Gemeinden begraben das Kriegsbeil
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19:06 22.04.2016
Nach der Pressekonferenz am Freitag. Am Schluss wurde mit koscherem Pessach-Wein auf die Einigung angestoßen. Ud Joffe, Mikhail Tkach, Rabbiner Nachum Presman von der Synagogengemeinde, Rabbiner Naftoli Surovtsev von der Jüdischen Gemeinde, Alexander Kogan, Evgeni Kutikow (von rechts nach links). Quelle: Privat
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Potsdam

Nach jahrelangem Dauerstreit ist das Kriegsbeil zwischen zwei bedeutenden jüdischen Gemeinden in der Landeshauptstadt begraben worden: Die Jüdische Gemeinde rund um ihren Vorsitzenden Mikhail Tkach und die Synagogengemeinde mit dem Vorsitzenden Ud Joffe wollen sich in absehbarer Zeit zusammenschließen. Damit bekommt Potsdam die größte Gemeinde des Landes Brandenburg mit insgesamt ungefähr 700 Mitgliedern. Außerdem rückt mit der Einigung auch ein Baustart für die Synagoge in der Nähe des Landtags in der Schlossstraße endlich in realistische Nähe. Die fusionierte Gemeinde will die Trägerschaft für den lange heiß umkämpften Neubau übernehmen. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gemeinden um den Bau in der Potsdamer Stadtmitte hatte das Projekt über Jahre hinweg zum Erliegen gebracht. 2011 wurde ein Baustopp ausgesprochen.

„Wir wollen das jüdische Leben in der Stadt miteinander gestalten“, erklärten die beiden Vorsitzenden Tkach und Joffe am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Die Einigung wurde kurz vor Beginn des wichtigen Pessach-Festes, bei dem an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert wird, bekannt gegeben. Noch vor dem Sommer wollen beide Gemeinden den „Israelitischen Kultusgemeindenbund“ gründen – eine Vorstufe zur geplanten Großgemeinde. Im Rahmen des Kultusgemeindenbundes werden die zwei Gemeinden zwar nach wie vor weiter mit ihren eigenen Satzungen bestehen bleiben, aber beispielsweise bei ihren Gottesdiensten miteinander kooperieren. Der genaue Zeitpunkt des endgültige Zusammengehens steht derzeit noch nicht fest, hieß es am Freitag.

Ansicht der alten Synagoge links neben der Hauptpost am heutigen Platz der Einheit. Quelle: Archiv

Ein Aspekt dürfte sich sicher förderlich auf die Kompromissbereitschaft der Gemeinden ausgewirkt haben. Im vergangenen Juni hatte das Kulturministerium nämlich überraschend die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (Zwst) mit Hauptsitz in Frankfurt/Main als neuen Träger für die Synagoge präsentiert. Die Konkurrenz brachte die beiden Parteien endlich an den Verhandlungstisch. Das Ergebnis: Ein gemeinsam erarbeitetes Nutzungskonzept für die Synagoge, das auch dem Kulturministerium bereits präsentiert worden ist. Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) sagte in einer ersten Reaktion am Freitag zur MAZ: „Wie wir als Landesregierung damit umgehen, werden wir in den nächsten Wochen entscheiden.“ Die Situation soll mit der Zentralwohlfahrtsstelle „in Ruhe“ besprochen werden. „Schließlich haben wir ihn nicht aus Daffke als Träger ausgesucht.“

Hier ist die alte Synagoge am rechten Bildrand zu sehen. Quelle: Archiv

Das Raum- und Nutzungskonzept, auf das sich die beiden Gemeinden nach Jahren des Stillstands geeinigt haben, sieht folgendermaßen aus: Der Syagogen-Betraum kommt ins erste Obergeschoss. Er reicht bis zum Dach, nimmt aber nicht die ganze Grundfläche des Gebäudes ein. Ringsherum und auf allen Etagen sind kleinere und größere Büros und Beratungsräume verteilt. Im Erdgeschoss befindet sich der Gemeindesaal.

Architekt Jost Haberland und Rabbiner Nachum Presman im Jahr 2009. Quelle: Archiv

Der Entwurf der Synagoge stammt von Architekt Jost Haberland. Die moderne Fassade des ersten Entwurfs hatte vor einigen Kritiker auf den Plan gerufen, darunter auch Ud Joffe. Der höchst emotional geführte Fassaden-Streit führte zur Neugründung der Synagogengemeinde unter dem Vorsitz von Joffe.

Die ewige Baulücke an der Schlossstraße. Gibt es jetzt endlich Hoffnung für die Synagoge? Quelle: Gartenschläger

Unklar ist momentan noch, wie das Äußere der Synagoge nun tatsächlich aussehen soll. „So weit sind wir noch nicht“, hieß es am Freitag zum Stand der Gespräche.

Die dritte orthodoxe Gemeinde, die Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde rund um ihren Vorsitzenden Shimon Nebrat, sind nicht mit an Bord beim Synagogen-Projekt. „Unsere Tür ist offen“, betonte Mikhail Tkach. Nebrat übt seit jeher scharfe Kritik an dem Projekt einer gemeinsamen Synagoge, da sich die einzelnen jüdischen Gruppierungen zu stark voneinander unterscheiden würden. Nebrats Argument: Man baue ja auch keine gemeinsamen Kirchen für Katholiken und Protestanten.

Einer der zahlreichen Synagogen-Entwürfe, die Architekt Haberland in den vergangenen Jahren angefertigt hat, um einen Kompromiss zu befördern. Quelle: Privat

Derzeit ist Potsdam die einzige Landeshauptstadt Deutschlands, die keine Synagoge hat. Das Land hält seit Jahren rund fünf Millionen für den Bau vor.

Von Ildiko Röd

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