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Potsdam Jüdische Theologie in Potsdam
Lokales Potsdam Jüdische Theologie in Potsdam
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23:29 19.11.2013
Halten das neue Institut hoch und in Ehren: Unter den Gratulanten waren unter anderem Ministerpräsident Dietmar Woidke (hinten 3.v.l.) und EKD-Ratsbotschafterin Margot Käßmann (vorne Mitte). Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Mit großem Bahnhof und einer feierlichen Zeremonie wurde Dienstagbend das neue Institut für Jüdische Theologie („School of Jewish Theology“) im Auditorium Maximum der Universität Potsdam eröffnet: Rund 400 Gäste waren durch den angeleuchteten Eingang, vorbei an TV-Übertragungswagen, hinauf in den Festsaal geströmt. So groß war der Andrang, dass es im engen Treppenhaus fast zu einem „Verkehrsstau“ kam, was der feiertagsähnlichen Stimmung aber keinen Abbruch tat.

Unter den hochkarätigen Gästen: Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman, Ministerpräsident Dietmar Woidke und Margot Käßmann, Botschafterin des Rates der evangelischen Kirche für das Reformationsjubiläum 2017. Auch Hohenzollern-Prinz Georg-Friedrich von Preußen war eigens angereist. Zahlreich natürlich die Gratulanten aus der religiösen Welt: Überall in den Sitzreihen sah man Kippas, die traditionelle Kopfbedeckung gläubiger Juden.

Für so manchen Studierenden am neuen Institut bedeutete die Eröffnungsfeier nichts weniger als eine große persönliche Zäsur. Zum Beispiel für die junge Ungarin Anita Kantor, deren langgehegter Wunsch nun endlich in Erfüllung geht: „Ich möchte Rabbinerin werden. Aber das wäre bei mir zu Hause nie möglich gewesen.“ In Ungarn ist die Einstellung zu weiblichen Rabbinern noch erzkonservativ. Max Feldhake, der aus Arizona in den Vereinigten Staaten stammt, schwärmte vor dem Festakt ebenfalls über die religiöse Ausbildung am Institut: „Ich habe das Gefühl, dass es hier bergauf geht. Viele Juden in den USA oder in Europa hätten sich noch vor 20 Jahren nicht vorstellen können, dass es je so eine Einrichtung in Deutschland geben könnte.“

Auch einen eigenen Sitz soll das Institut, das derzeit noch Räume mitnutzt, in absehbarer Zeit bekommen: das historische Nordtorgebäude am Neuen Palais.

Von Ildiko Röd

„Ein Signal für neues jüdisches Leben“
Der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman über die Bedeutung des Potsdamer Instituts
 

Yakov Hadas-Handelsman ist Israels Botschafter in Berlin. Am Dienstag zählte er zu den Ehrengästen bei der Eröffnung der „School of Jewish Theology.“

MAZ: Mit welchem Gefühl sind Sie gestern nach Potsdam gefahren?
Yakov Hadas-Handelsman: Natürlich war es ein positives Gefühl. Niemand kann je die Vergangenheit vergessen. Aber hier schließt sich auch ein Kreis mit der Eröffnung des Theologischen Instituts. Das ist wie eine kleine Wiederherstellung. Natürlich ist es nur ein Symbol, aber Symbole sind sehr wichtig.

Welchen Stellenwert wird das Institut künftig national und international einnehmen, auch aus jüdischer Sicht?
Hadas-Handelsman: Es ist noch zu früh für eine Einschätzung. Aber die Tatsache, dass es so eine Schule jetzt in Potsdam gibt, wird sehr wahrgenommen. Wenn es um Deutschland geht, ist die Aufmerksamkeit noch einmal höher. Das jüdische Leben war vor dem Krieg so großartig in Deutschland. Dann wurde alles vernichtet – leider. Die Eröffnung der Schule für Jüdische Theologie ist Signal für neues jüdisches Leben in Deutschland. Es wird nie wieder so sein wie früher. Aber ich hoffe, es wird wieder blühen.

Eine EU-Studie hat ergeben, dass deutsche Juden sich wieder stärker durch Antisemitismus bedroht fühlen. Wie bewerten Sie das im Hinblick auf die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft hier?
Hadas-Handelsman: Alles hängt davon ab, wie sich die Leute in Deutschland fühlen. Wenn sie sich gut fühlen, bleiben sie. Aber Debatten wie etwa über die Beschneidung im letzten Jahr führen zu einer steigenden Verunsicherung. Dazu tragen auch die vermehrten antisemitischen Vorfälle bei. So etwas gibt es zwar in ganz Europa, aber wenn es in Deutschland passiert, ist es noch schlimmer. Ich hoffe, dass das neue Institut dabei hilft, Stereotype über das Judentum abzubauen. Wenn die Schule auch nur ein wenig die negativen Phänomene reduziert, ist das schon sehr positiv.

Welche Themen sollte das Institut Ihrer Meinung nach in den öffentlichen Diskurs einbringen?
Hadas-Handelsman: An der Schule wird auch aufgezeigt, wie nah sich die drei monotheistischen Religionen sind, wie eng etwa die Verwandtschaft zwischen Christentum und Judentum ist. Gegenseitiges Kennenlernen ist die beste Medizin gegen Xenophobie und Hass.

Wie bewerten Sie die Rolle des Landes Brandenburg, das gemeinsam mit dem Bund die Institutsgründung finanziell ermöglicht?
Hadas-Handelsman: Alle Achtung, dass die Gründung in Brandenburg stattfindet. Das ist wichtig und wir schätzen es sehr. Die Neugründung der Jüdischen Theologie ist aber auch sehr wichtig für die deutsche Kultur. Schließlich hat das Judentum früher eine sehr wesentliche Rolle in der deutschen Geschichte gespielt – es ist Teil des deutschen Erbes.

Interview: Ildiko Röd

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