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Potsdam Jugendhort für Behinderte
Lokales Potsdam Jugendhort für Behinderte
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20:55 04.02.2016
Die Jugendlichen haben Spaß im Hort des Oberlinhauses.
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Babelsberg

Sophie winkt ihrer Mutter zu. „Kannst gehen, alles in Ordnung“, soll die Geste bedeuten. Sophie kann nicht sprechen. Die 17-Jährige ist geistig behindert, Epileptikerin, sitzt im Rollstuhl. Sophie legt den Arm um Virgini, auch sie ist 17 und geistig behindert. Die beiden Mädchen schauen den anderen Jugendlichen zu, die sich an der Tischtennisplatte ein heißes Match liefern. Ein gewöhnlicher Ferientag unter Jugendlichen, könnte man meinen. Doch dass die Schüler gemeinsam die schulfreie Zeit verbringen können, ist alles andere als selbstverständlich.

Für Jugendliche ab 14 Jahren gibt es laut Gesetz kein Hortangebot mehr. Aber was tun behinderte Jugendliche, die am Nachmittag oder in den Ferien nicht alleine zu Hause bleiben können? In der Landeshauptstadt finden sie seit Januar im Babelsberger Oberlinhaus und nun erstmals in den Ferien eine Betreuung. Eine Elterninitiative hatte lange dafür gekämpft.

Die Stadtverordneten votierten für den Hort

Potsdam nimmt damit landes- vielleicht sogar bundesweit eine Vorreiterrolle rein. „Da gibt es eine echte Versorgungslücke, die nicht dem Inklusionsansatz entspricht“, sagt Potsdams Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger (parteilos). Inklusion, die gleichberechtigte Teilhabe von Behinderten und Nichtbehinderten am Leben, haben sich Bund und Land durch Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention bereits 2009 zum Ziel gesetzt. Potsdam übernimmt die Kosten für den Hort nach einem Beschluss der Stadtverordneten als freiwillige Leistung. „Wir sind in die Bresche gesprungen“, so Müller-Preinesberger, die aber betont: Auf Dauer müsse sich der Gesetzgeber bewegen. 200 000 Euro pro Jahr sind für den Hort eingeplant. Die Eltern zahlen nur das Essensgeld. Für Jugendliche aus dem Umland, die Potsdamer Schulen besuchen und das Nachmittags- und Ferienangebot nutzen wollen, müsse der Landkreis aufkommen.

Sophies Mutter Ariane Andres arbeitet in Berlin, Fahrtzeit bis zum Arbeitsplatz eineinhalb Stunden. Jedes Mal in den Ferien Urlaub nehmen, eine private Betreuung engagieren – „nicht machbar“, sagt sie. Auch Ulrike Barth-Musil, die die Elterninitiative vor eineinhalb Jahren ins Leben rief, hätte Schwierigkeiten wenn es den neuen Hort nicht gäbe. Sie arbeitet als freiberufliche Illustratorin. „In den Ferien könnte ich dann weniger Aufträge annehmen“, erklärt sie. Aber das ist nicht alles: Ihr Sohn Konrad, gerade 15 geworden, wäre unzufrieden, wenn er den ganzen Tag nur zu Hause „bei Muttern“ sitzen müsste, ohne Freunde. Den Hort findet Konrad, der die Comenius-Schule auf dem Brauhausberg besucht, „total geil“ und dreht energisch am Knauf der Kickerstange: „Tor!“

„Das sind ganz normale Jugendliche“, sagt Teamleiterin Kerstin Schimmelpfennig.Fünf Pädagoginnen mit spezieller Qualifikation betreuen derzeit sieben Schüler. Insgesamt stehen 15 Plätze bereit. Musik, Bowling, Ausflüge in den Babelsberger Park – die Gruppe unternimmt viel. Zum Ferienabschluss steht eine Disco auf dem Hort-Programm. Das ganz normale Teenagerleben.

Landesweites Hortdilemma

Brandenburger Eltern hatten zuvor schon eine Gesetzesänderung bewirkt: Behinderte Kinder konnten ursprünglich nicht kostenlos den Schulhort besuchen, teils wurden sie dort gar nicht angenommen. Die MAZ hatte immer wieder über das Dilemma berichtet.

Das Land Brandenburg hatte daraufhin 2014 im neuen Kita-Gesetz verankert, dass behinderte Kinder ohne Zusatzkosten den Hort besuchen dürfen.

Problem: Horte betreuen laut Kita-Gesetz nur Kinder bis zwölf, maximal 14 Jahren. Behinderte brauchen aber auch danach Unterstützung.

Ungelöst ist auch in Potsdam bislang die Beförderung: Der Fahrdienst übernimmt nur den Transport zwischen Schule und Wohnung, nicht zum Hort.

Infos zum Hort unter www.oberlinhaus.de;  0331/7 63 33 75.

Von Marion Kaufmann

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