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Lustgarten-Jury empfiehlt Mercure-Abriss

Streit um Potsdamer Hotel-Hochhaus flammt wieder auf Lustgarten-Jury empfiehlt Mercure-Abriss

Am Hotel Mercure scheiden sich die Geister. Das Hochhaus gegenüber dem Potsdamer Stadtschloss ist Barock-Freunden ein Dorn im Auge, viele Bürger jedoch haben gute Erinnerungen an den Beton-Riesen. Jetzt hat eine von der Stadt eingesetzte Jury den Abriss des Hauses empfohlen. Kritiker sind sauer und unterstellen, die Bürgerbeteiligung sei nur ein Deckmäntelchen für die Abrisspläne gewesen.

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Entwurf für Lustgarten mit Mercure.

Quelle: Stadt

Stadtmitte. Kurz vor Mitternacht stand sie doch im Raum, die Potsdamer Gretchenfrage: „Sind sie für den Erhalt des Hotels oder dagegen?“ Mit einem Votum für einen Abriss des Mercure-Hotels hat das von der Stadt eingesetzte Gutachter-Gremium in der Nacht zu Mittwoch den Bürgerdialog zur Gestaltung der Stadtmitte beendet. Das Verfahren hat im September 2014 begonnen, ab März waren die Potsdamer eingeladen, sich zu den Entwürfen von sieben Planungsbüros für den Lustgarten zu äußern. Gut eine halbe Million Euro hat allein dieser Meinungsfindungs-Prozess gekostet.

Gleich zu Beginn hatte es Kritik an dem Verfahren gegeben, weil die beteiligten Architekten fast unisono ohne das Hotel geplant hatten – sie besserten nach dem Aufschrei der Kritiker nach. Bekanntlich sähen Oberbürgermeister und Baubeigeordneter das Hotelhochhaus gern aus der Potsdamer Skyline getilgt.

Neben dem Bauausschuss-Chef Ralf Jäkel (Linkspartei) sprach sich in der nicht öffentlichen Nachtsitzung am Dienstag auch der Geschäftsführer des Mercure-Hotels für einen langfristigen Fortbestand des Hauses aus. Der Chef der am Mercure ansässigen Weissen Flotte, Jan Lehmann, enthielt sich der Stimme. Für eine Beseitigung des Mercure sprachen sich unter anderem der Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) und seine Parteifreundin Saskia Hüneke aus, ebenso der Vertreter des Entwicklungsträgers Potsdam, eine Tochter der städtischen Immobilienholding Pro Potsdam. Alle an der Abstimmung beteiligten Architektur-Experten hoben die Hand gegen das 50 Jahre alte Hochhaus. Endergebnis: 7:2 gegen das Mercure.

Das Votum hat keine bindende Wirkung, besitzt vielmehr empfehlenden Charakter. Es soll den Stadtverordneten als Entscheidungsvorschlag dienen, wenn diese die Sanierungsziele für die Stadtmitte verändern sollten. Darin ist derzeit von einem Mercure-Abriss keine Rede. Wäre die Entfernung des Riegels in dem städtischen Masterplan verankert, könnte die Mercure-Geschäftsführung keine wertsteigernden Investitionen mehr tätigen – etwa Zimmergrößen verändern oder neue Fahrstühle einbauen.

Baudezernent Klipp wertete das Ergebnis als „sehr positiv“ und bezog dies auch auf die Jury-Auswahl zweier Architekten-Entwürfe für den Lustgarten. Die beschäftigen sich mit der Belebung des Platzes und der Umgestaltung vor allem der Randbereiche. Umgesetzt werden soll aber – anders als bei richtigen Architekturwettbewerben – keiner der Entwürfe direkt. Vielmehr soll den Stadtverordneten eine Art „Best of“ oder Collage aus den gelungensten Details als Vorschlag für eine Umgestaltung vorgelegt werden. Die komplette Jury-Empfehlung zu allen Bereichen der Anlage ist noch nicht veröffentlicht.

Heftige Kritik an der Abriss-Empfehlung fürs Mercure äußerte Linkspartei-Chef Hans-Jürgen Scharfenberg. Sein Fazit: „Das Verfahren ist Mittel zum Zweck – es ist nur erdacht worden, um doch einen Weg zu finden, das Hotel wegzukriegen.“ Mit echter Bürgerbeteiligung habe die Lustgarten-Werkstatt – nur eine echte und repräsentative Bürgerbefragung könne das Meinungsbild der Potsdamer abbilden. Scharfenberg hält die halbe Million Euro für ein paar Veranstaltungen und den roten Info-Container vor dem Mercure für „aus dem Fenster geworfen“. Er werde diese Ausgabe zum Thema der Landespolitik machen – schließlich seien die gut 520 000 Euro vom Land aus Mitteln der Städtebauförderung finanziert worden.

Über die Kosten eines Lustgarten-Umbaus war in dem Werkstatt-Prozess kaum gesprochen worden – weder über landschaftsarchitektonische Baumaßnahmen an dem erst vor 14 Jahren neu gestalteten Lustgartens, noch über etwaige Ankaufs- und Abrisskosten von geschätzten 10 bis 20 Millionen Euro für das Mercure. „Wer soll das bezahlen?“ fragt Scharfenberg. Die Stadtspitze habe künstlichen Handlungsdruck erzeugt. „Hat in der Stadt jemand gerufen, der Lustgarten sei ein Schandfleck? Ich habe niemanden gehört“, so Scharfenberg.

Weisse-Flotte-Chef Jan Lehmann kritisierte, die Architekturbüros hätten teilweise sein Flotten-Gebäude gar nicht eingeplant. „Dabei steht der Rohbau seit Januar. Waren die einmal am Ort oder haben die sich Potsdam über Google Maps angesehen?“ zürnt der Reeder. Sein Neubau habe eine garantierte Pachtzeit von 50 Jahren. Er wünsche sich „einen lebendigen Platz“ und für alle Betriebe eine feste zeitliche Perspektive. „Reden wir über ein halbes Jahr, 10 oder 20 Jahre?“

Von Ulrich Wangemann

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