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Potsdam Potsdamer Justiz zeigt sich kreativ
Lokales Potsdam Potsdamer Justiz zeigt sich kreativ
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19:12 09.10.2018
Bei der Staatsanwaltschaft hat es Nils Delius mit politischen Sachen zu tun, in der Freizeit erschafft er Skulpturen mit der Kettensäge. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

In den wenigen ruhigen Minuten, die ihm nach Feierabend und Familientrubel bleiben, verdrückt sich Staatsanwalt Nils Delius mit der Kettensäge in den Keller. Seit Jahren schon fasziniert ihn das starke, laute Werkzeug, das er selbst als „ungeheuer brutal und angsteinflößend“ beschreibt. Kaum brüllt der Motor auf, sieht Delius Dinge, die anderen verborgen sind: zarte Frauenhälse, sich reckende-streckende Arme, runde Schultern, weiche Knie... Streich um Streich setzt Delius dann die Säge an, formt den Klotz vor sich zu kurvigen, fließenden, sinnlichen Körpern. Was der 48-Jährige in aller Abgeschiedenheit aus Pappel-, Obstbaum- und anderem Holz erschafft, teilt er nun zum ersten Mal mit einer breiten Öffentlichkeit. „Justiz kreativ“ heißt die Schau, die der Staatsanwalt – nein, mit Mord und Totschlag hat er’s beruflich nicht zu tun, sondern mit politischen Sachen – mit seinen Skulpturen bereichert.

Das Highlight zum Jubiläum

Am Dienstag wurde im Justizzentrum an der Jägerallee Vernissage gefeiert. Die Schau ist ein Geschenk der Justizfamilie an sich selbst. Zum zehnten Geburtstag des Justizzentrums darf – ach was, muss – es etwas Besonderes sein, meint Hausherrin Ellen Chwolik-Lanfermann. Bestärkt vom „überwältigenden Erfolg“, den man Anfang September zum Tag des offenen Denkmals erlebte, brachte die Präsidentin des Landgerichts „Justiz kreativ“ auf den Weg: „Das besondere Highlight unseres Jubiläums.“

Entstanden ist das moderne Ensemble durch die Sanierung und behutsame Erweiterung einer historischen, höchst desolateren Kasernenanlage. „Das Justizzentrum ist ein gelungenes Beispiel für die Umgestaltung eines dem Verfall preisgegebenen Denkmals zu einem modernen, funktionierenden Dienstgebäude“, so Ellen Chwolik-Lanfermann. Für den leitenden Oberstaatsanwalt Heinrich Junker ist es „eine tolle Sache“ – und eine Wertschätzung der Justizmitarbeiter.

Der Mix der Werke ist kurzweilig und wechselvoll

Vierzehn dieser Mitarbeiter zeigen nun, was in ihnen schlummert. Die Künstler kommen aus sämtlichen Dienstzweigen: vom Amts- und vom Landgericht Potsdam, von der hiesigen Staatsanwaltschaft und sogar vom Amtsgericht Rathenow (Havelland). Unter ihnen sind Richter und Richterinnen, Wachtmeister, Sekretärinnen, ein Amtmann, eine Justizangestellte und eine Justizamtsrätin. Der Mix ihrer Werke ist kurzweilig und wechselvoll und erstreckt sich von Malerei über Textil- und Fotokunst bis hin zur Karikatur und Keramik.

„Kreativität ist eine Grundvoraussetzung für unseren Beruf“, sagt Simon Welten, Präsident des Amtsgerichts. „Kreativität ist unabdingbar – eine Kernkompetenz.“ Sicher, das Format sei etwas unkonventionell: „Das Interesse, sich zu beteiligen, zeigt aber, dass die Idee gut war.“

Zu sehen ist „Justiz kreativ“ bis zum 16. Januar 2019 Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von der Kaserne zum Justizpalast

Das Justizzentrum Potsdam wurde am 9. Oktober 2008 eröffnet. Der einstige Kasernenkomplex war seit 2003 für rund 49 Millionen Euro umgebaut worden. Der Campus beherbergt das Land- sowie Teile des Amtsgerichts und die Staatsanwaltschaft.

Zunächst als offenes Haus angelegt, soll der Haupteingang des Justizzentrums 2020 eine permanente Sicherheitsschleuse erhalten. Die Kostenpunkt: rund 500 000 Euro.

Die an der Jägerallee gelegene ehemalige Unteroffiziersschule steht unter Denkmalschutz. Von 1826 bis 1828 im Auftrag von König Friedrich Wilhelm III. nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel errichtet, wurde sie von 1865 bis 1867 sowie 1910 erweitert. nf

Von Nadine Fabian

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