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Potsdam Justizzentrum öffnet verschlossene Türen
Lokales Potsdam Justizzentrum öffnet verschlossene Türen
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18:18 28.08.2018
Klassizistisch schreiten: Das ansonsten nicht für Jedermann zugängliche Schinkel-Treppenhaus im Justizzentrum an der Jägerallee. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Hier hat man die Mülltrennung exerziert, lange bevor Potsdam auf den Grünen Punkt kam. In der Kasernenanlage des Lehr-Infanterie-Bataillons jenseits des Jägertors lernten Preußens Söhne nicht nur den Stechschritt, sondern auch das Recycling – nur dass das damals freilich noch nicht so hieß. Für das Ensemble, das heute als Justizzentrum dient, ist jedenfalls belegt, dass dort neben Zucht und Ordnung auch die Sauberkeit herrschte – die Kaserne war zudem eines der ersten Gebäude, das an die städtische Wasserversorgung und Kanalisation angeschlossen war. – Besonderheiten, von denen heute nur mehr wenige erhaltene Lagepläne künden und von denen Besucher beim Tag des offenen Denkmals mehr erfahren können.

Wo Schinkel draufsteht, steckt Hampel drin

Auf den ersten – und zweiten – Blick kaum zu erkennen ist auch, dass an dem schlanken Haus, das sich an der Jägerallee auf 165 Meter erstreckt, mehrere Baumeister am Werk waren. Der größte unter ihnen: Karl Friedrich Schinkel. Er war es, der die erste, lose Skizze für die von König Friedrich Wilhelm III. gewünschte Unteroffiziersschule aufs Papier warf. Die Entwürfe fertigte schließlich Baurat Johann Georg Carl Hampel. Schinkel, damals schon Stararchitekt, favorisierte für die Fassade die Nummer 3 wegen der „elegantesten Verhältnisse“ – und Hampel überwachte die Bauarbeiten. So entstand von 1826 bis 1828 die Schinkel-Kaserne, die genau genommen nur die (vom Jägertor kommend) erste Hälfte des heutigen Gebäudes ausmacht. Von 1865 bis 1867 sowie 1910 wurde stadtauswärts angebaut und auch in die hinteren Reihen hinein erweitert. So kamen unter anderem die Exerzierhalle und eine Büchsenmacherei hinzu, eine Schmiede, ein Pferdestall, Wirtschaftsgebäude.

Vor zehn Jahren hielten Gerichte und Staatsanwaltschaft offiziell und feierlich Einzug in den ehemaligen Kasernenkomplex an der Jägerallee. Jetzt beteiligt sich das Justizzentrum zum ersten Mal am Tag des offenen Denkmals.

Bis zum Abzug der Roten Armee 1993 hatte das Militär das Sagen auf dem Areal – danach standen die Gebäude zehn Jahre verlassen. „Es wird gemeinhin oft behauptet, dass die Sowjettruppen für den schlechten Zustand verantwortlich waren“, sagt Sabine Ambrosius von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt. „Das stimmt nicht: Die Truppen sind respektvoll mit dem Gebäude umgegangen – es war der Leerstand, der ihm zugesetzt hat.“

Als Anfang 2003 erneut Baumeister und Bauarbeiter anrückten, bot sich ihnen ein Bild des Verfalls. Fünfeinhalb Jahre und knapp 50 Millionen Euro später war der heruntergekommene Kasernenkomplex behutsam saniert – gerettet – und seine Nutzfläche nahezu verdoppelt. Im Oktober 2008 hielt die Justiz offiziell und feierlich Einzug.

Die einstige Waffenkammer beherbergt nun Asservate

Schöner streiten – das ist seither in der Jägerallee 10-12 Programm. Dort sind das Landgericht und die Staatsanwaltschaft sowie Teile des Amtsgerichts untergebracht. Die Exerzierhalle – es gibt in der Region nur eine weitere, die so gut erhalten ist – beherbergt archivierte Akten, die Waffenkammer Asservate, der Kohlenkeller dient als Lager. Dort, wo einst Schlachtrösser schnaubten, befindet sich nun der Saal des Verfassungsgerichts – der größte Verhandlungssaal weit und breit.

„Hier ist unendlich viel zu entdecken“, sagt die Landgerichtspräsidentin Ellen Chwolik-Lanfermann. Sie ist voller Vorfreude auf den Tag des offenen Denkmals, denn das Justizzentrum beteiligt sich zum ersten Mal daran. „Wir wollen zeigen, welche Mühe es gekostet hat, das Ensemble in den Zustand zu versetzen, der den modernen Anforderungen einer Justiztätigkeit gerecht wird“, sagt die Präsidentin. „Und wir wollen uns in die Stadt hinein öffnen. Leider haben noch immer viele Menschen eine Hemmschwelle, ein Gerichts zu betreten.“

Der für seine gelöste, geradezu beschwingte Atmosphäre bekannte Denkmaltag ist eine gute Gelegenheit, diese Hemmung abzulegen – und er ist eine einmalige, um hinter Türen zu schauen, die der Allgemeinheit ansonsten verschlossen bleiben. Etwa jene zum Verfassungsgericht. Oder die zum klassizistischen Schinkel-Treppenhaus. Wer dort einmal auf- und abschreiten möchte: Bitteschön!

Der Tag des offenen Denkmals 2018

Am 9. September findet bundesweit der Tag des offenen Denkmals statt. Er ist ein Höhepunkt des Europäischen Kulturerbejahres „Sharing Heritage“ und steht unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“.

In Potsdam soll der Tag den Blick auf die architektonische Vielfalt lenken: Welche europäischen Einflüsse lassen sich finden? Welche länderübergreifend tätigen Baumeister prägen die Stadt? Antworten geben Baustile, Stilelemente, Materialien, technische und künstlerische Fertigkeiten.

Zu besichtigen sind 51 Denkmale. Führungen, Gespräche, Musik und kulinarische Kleinigkeiten runden das Programm ab. Eröffnet wird der Tag um 10 Uhr mit einem Konzert in der Villa Francke, Gregor-Mendel-Straße 39.

Das Justizzentrum an der Jägerallee 10-12 öffnet vom 11 bis 16 Uhr. Die Führungen dort starten um 11.30, 13.30 und 15 Uhr sowie im Verfassungsgericht um 12.30 und 14.30 Uhr.

Das gesamte Programm ist zu finden unter www.potsdam.de/event/tag-des-offenen-denkmals

Von Nadine Fabian

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