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Potsdam Kaffeehausbilder mit kurviger Karriere in der „Guten Stube“
Lokales Potsdam Kaffeehausbilder mit kurviger Karriere in der „Guten Stube“
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00:33 19.05.2018
Kurator Thomas Kumlehn vom Potsdamer Kunstverein vor dem Bild „Café Rosa“ von Stephan Velten. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam/Innenstadt

Eine Kaffeehausszene wie hinter Glas. Eine Dame mit Hut in leichter Bekleidung sitzt lässig am Tisch. Das viele Blau und die Nixe im Hintergrund zaubern die Atmosphäre eines Aquariums. Ein Äffchen, Kröten und ein grünlich leidender Männerkopf ohne Rumpf machen die Verwirrung komplett. 1984 malte der Potsdamer Künstler Stephan Velten (Jahrgang 1954) sein „Café Rosa“. Die Kaffeehausserie sollte ihn noch über Jahre beschäftigen.

Ein Werk mit kurviger Karriere

Ein anderes Bild auf diesem Zyklus war 2014 in der DDR-Kunstschau „Stadt-Bild – Kunst-Raum“ des Potsdam-Museums zu sehen: Das 1987 entstandene „Spiegelstück (Café)“ zeigte in einem seltsam erdigen Raum gesichtslose Menschen, die mit versonnenem Seitenblick einem Paar weiter hinten beim Tanzen zusehen. Gezeigt wurde die Arbeit unter dem Kapitel „Rückzugsorte“. Cafés wie das „Heider“ am Nauener Tor waren in der DDR Heimstatt der Unangepassten, Paralleluniversen in einer sozialistisch verengten Welt. Ebenfalls 2014 präsentierte der Waschhaus-Kunstraum eine große Ausstellung zum 60. Geburtstag Stephan Veltens.

Stephan Velten 2014 im Waschhaus-Kunstraum. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Café Rosa“ durchlief eine kurvige Karriere. Gleich 1984 im Entstehungsjahr wurde es in der zentralen Ausstellung „Junge Künstler der DDR“ in Berlin gezeigt. 1987 votierte die Auswahljury einstimmig für die Teilnahme an der DDR-Kunstausstellung in Dresden, doch SED-Bezirkschef Günter Jahn intervenierte, ohne dass man genau wusste, warum. Velten erzählt lachend, dass Jahn später klein beigab, als er erfuhr, dass das Bild schon 1984 in Berlin zu sehen war.

„Café Rosa“ entstand bereits in großer Freiheit

Dresden platzte dennoch, weil „einer der großen Wale“ aus dem damaligen Künstler-Establishment Veltens Ausstellungsplatz für sich vereinnahmte.

Nun ist „Café Rosa“ das Herzstück einer Ausstellung „parallele“ in der „Guten Stube“ des Potsdamer Kunstvereins, die Arbeiten von Stephan Velten und Hubert Globisch (1914-2004) zueinander bringt. Globisch, dessen Nachlass vom Kunstverein aufbewahrt wird, war der Mentor für mehrere Künstlergenerationen in Potsdam. Velten hatte bei ihm von 1968 bis 1972 Unterricht. 1979 begegneten sie sich als Kollegen wieder, Velten mit abgeschlossenem Studium, Globisch als Pensionär mit Zeit für die Kunst.

Die Ausstellung in der Kabinettsausstellung lotet eine Wesensverwandtschaft aus. Menschenleeren Sehnsuchtsbildern von Gebirgslandschaften, Bauwagen, Straßen und Burgen in magischem Licht vom Älteren stehen die fantastisch beseelten Kaffeehaus- und Cocktailszenen des Jüngeren gegenüber. „In seinen Bildern ... entstand durch die Motivwahl ein bestimmtes Lebensgefühl, das indirekt, vielleicht sogar unbewusst das Empfinden einer Isolation oder einer gewissen Melancholie zu Ausdruck brachte“, schreibt Velten über den Mann, der ihn zur Kunst ermutigte.

Für den Bild-Erwerb durch das Museum werden Spenden gesammelt

Zum Kaffeehaus-Motiv fand Velten über Bilder, in denen Lokale wie die Theaterklause in der Zimmerstraße oder das „Café Bückdich“ in der Allee nach Sanssouci noch genauso erkennbar waren wie die Personen, die er malte. Das „Café Rosa“ hingegen entstand bereits in großer Freiheit. Einmal habe ihn jemand angesprochen, ob das Bild die „Seerose“ zeige, erzählt der Künstler. Doch er beteuert, dass er das Café an der Havelbucht zu der Zeit überhaupt noch nicht gekannt habe.

Der Potsdamer Kunstverein sammelt in der Ausstellung Spenden für den Erwerb des Bildes, das in die Sammlung des Potsdam-Museums kommen soll. Ein Spendenbarometer zeigt den Stand des Projekts an.

Info Galerie „Gute Stube“, Charlottenstraße 121, bis 28. Mai, geöffnet Sa/So 15-18 Uhr, Mo 10-14 Uhr. Am Mittwoch, 23. Mai, gibt es 19 Uhr ein Gespräch zur Ausstellung mit Stephan Velten und dem Kurator Thomas Kumlehn.

Von Volker Oelschläger

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