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Kaiser’s: Keine Spur von Ausverkauf in Potsdam

Supermarktkette in der Krise Kaiser’s: Keine Spur von Ausverkauf in Potsdam

Während im Westen die Zerschlagung der defizitären Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann begonnen hat, hegen die Mitarbeiter im Osten hoch Hoffnung. In den drei Potsdamer Kaiser’s-Filialen läuft das Geschäft weiter wie gehabt – ob Tage, Wochen oder Monate, vermag indes niemand zu sagen. Am allerwenigsten die Mitarbeiter.

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Der Markt in der Brandenburger Straße.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Bis Anfang November ist die Lasagne aus dem Kühlregal haltbar, der Streichkäse bis Dezember, die Salatsoße bis Mitte Januar. Wie lange aber halten sich noch die Kaiser’s-Filialen in der Landeshauptstadt?

Diese Frage treibt Kunden und Mitarbeiter um. Über diese Frage zerbricht sich auch Detlef (56) den Kopf. Bricht der Supermarkt in der Innenstadt die Zelte ab, kann Detlef seine Wolldecke gleich mit einpacken. „Wenn Kaiser’ geht...“. Detlef winkt ab. Seit zehn Jahren sitzt er an der Brandenburger Straße und bittet Einkäufer und Passanten um Kleingeld. Das Geschäft laufe für ihn nirgendwo besser, sagt er. „Für die Mitarbeiter würde es mir auch leid tun.“

Was wird aus den Kaiser’s-Filialen in Potsdam?

Am Montag hat die Zerschlagung der defizitären Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann begonnen. In Nordrhein-Westfalen stehen die ersten Filialen zum Verkauf. Was mit den Märkten in Brandenburg, also auch mit den Filialen in der Potsdamer Innenstadt, in Babelsberg und in der Waldstadt geschieht, könne man zum jetzigen Zeitpunkt „überhaupt noch nicht“ sagen, heißt es vom Pressestab der Unternehmensgruppe: „In den Filialen wird es noch Wochen, noch Monate so weitergehen, wie Sie es kennen.“

Kaiser’s-Fleischer im Havelland kämpfen um den Job>>

Wochen, Monate – reicht das für einen, der mitten im Berufsleben steht? Für einen wie Rocco Klausner (44) zum Beispiel? Die innere Unruhe, die Anspannung, die Angst vor der Zukunft – das alles kennt Rocco Klausner nur zu gut. Bevor er vor zwei Jahren zu Kaiser’s kam, war er bei Karstadt angestellt. Jahrelang machte der kriselnde Warenhauskonzern eine Filiale nach der anderen dicht. Die Hängepartie hat Rocco Klausner eines gelehrt: „Panik hilft keinem weiter.“ Ihm als Marktleiter schon gar nicht. „Wenn ich den Kopf in den Sand stecke, wie kann ich dann erwarten, dass meine Mannschaft engagiert weiter macht?“

Die Regale sind voll, wie immer

In Klausners Reich, dem Kaiser’s-Supermarkt in City, sieht es am Montag aus wie immer: Die Regale sind voll, in den Gängen drängen sich die Kunden, Stau an den Kassen. Rocco Klausner verteilt derweil den Brokkolinachschub in der Gemüseabteilung. „So lange wir normal beliefert werden, bleibt unser Angebot bestehen“, sagt er ruhig und bestimmt. Er sagt diesen Satz, seit die Nachrichten voll sind mit Kaiser’s-Meldungen, sehr oft. „Viele Kunden fragen nach. Einige rufen sogar an und wollen wissen, wie lange wir geöffnet haben. Ich sage dann: Heute bis 22 Uhr.“ Und was sagt er seinen Leuten? „Dass es weiter geht, dass der Markt bestehen bleibt. Wir geben uns alle Mühe, attraktiv zu bleiben – auch für einen möglichen Käufer.“

Mitarbeiter in Potsdam sind verunsichert

Auch in der Kaiser’s-Filiale in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Babelsberg läuft das Geschäft wie gehabt. Eine Mitarbeiterin befüllt am Mittag Regale und Auslagen. Keine Spur von Ausverkauf oder Rabattschlacht. „Wir haben doch ganz normal geöffnet, unsere Kunden wollen doch einkaufen“, sagt die Frau im rot-gelben Kittel, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Wie die Stimmung unter Verkäuferinnen und Kassiererinnen sei? „Naja, verunsichert sind wir, ist doch klar. Wir wissen genauso wenig wie Sie und erfahren was Neues nur aus dem Fernsehen oder der Zeitung. Und wenn man den ganzen Tag hier drin ist, bekommt man es noch später als die Kunden mit“, erzählt sie nüchtern und sortiert weiter Edamer ins Kühlregal.

Auch die nette, dunkelhaarige Verkäuferin im zum Kaiser’s zugehörigen „Backshop“ kommt ins Plaudern. „Es wäre schön, wenn man mal wüsste, wie’s weitergeht“, sagt sie. „Ich glaube, die halten uns bis zum 31. Dezember hin.“ Eine klare Ansage wäre besser, „dann könnte man sich wenigstens zum Januar oder Februar irgendwo bewerben“. Vielleicht kommt die Kaiser’s-Geschichte ja noch zu einem guten Ende? „Ente oder Trente“, sagt die Verkäuferin. „Etwas anderes gibt’s nicht.“

Von Nadine Fabian und Ricarda Nowak

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