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Potsdam Kaiserschnitt-Quote in Potsdam unter Bundesdurchschnitt
Lokales Potsdam Kaiserschnitt-Quote in Potsdam unter Bundesdurchschnitt
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09:40 07.11.2016
Fast jedes dritte Baby in Deutschland wird mittlerweile per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht, dabei halten Mediziner das nur in zehn Prozent der Fälle für notwendig. Quelle: Foto: dpa
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Potsdam

Fast jedes dritte Kind wird mit Hilfe des Skalpells entbunden, obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO nur in zehn Prozent der Fälle eine medizinische Notwendigkeit sieht. 2015 lag die Kaiserschnittrate in Deutschland bei 31,1 Prozent. Der Hebammenverband ist alarmiert und warnt vor dem oft unnötigen Schritt zum Schnitt. Die Potsdamer Krankenhäuser Ernst von Bergmann und das St. Josefs-Krankenhaus liegen mit einer Rate von 28,1 und 22 Prozent unter dem Bundesschnitt.

Ärzte in der Landeshauptstadt plädieren bei gesunden Müttern und Babys für eine natürliche Geburt. „Eine Kaiserschnittrate von über 30 Prozent ist wirklich bedenkenswert, denn jeder Kaiserschnitt ist eine Operation und sollte nur dann durchgeführt werden, wenn er medizinisch notwendig ist“, sagt Professorin Dorothea Fischer, Leitende Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Ernst von Bergmann. Dort hat sich die Kaiserschnittrate in den vergangenen Jahren immer teils deutlich unter dem Bundesdurchschnitt bewegt. In diesem Jahr liegt sie bislang bei 26,3 Prozent – und das, obwohl das Potsdamer Klinikum als Perinatalzentrum Level 1 im Land Brandenburg eingestuft ist und als solches sehr viele Risikogeburten, etwa bei Mehrlingsschwangerschaften, betreut, bei denen ein Kaiserschnitt medizinisch gesehen oftmals unumgänglich ist.

Frühgeburten, eine Plazenta, die sich vor den inneren Muttermund geschoben hat oder eine Querlage des Kindes können einen Schnitt notwendig machen, erklärt die Ärztin. Ziel des erfahrenen Teams aus Hebammen und Geburtsmedizinern sei aber, die Patientinnen spontan entbinden zu lassen. So würden im Klinikum Wendungen in Beckendlage durchgeführt sowie auch Zwillinge natürlich auf die Welt gebracht. „Das ist längst nicht mehr in der überwiegenden Zahl der Geburtskliniken der Fall, da es oft an Erfahrung und Wissen über die normale Geburt mangelt, aber auch eine steigende Angst vor Fehlern aufkommt“, meint Fischer. In Potsdam würden deshalb potenziell gefährliche Geburtssituationen an einer originalgetreuen Modellpuppe trainiert.

Der Kaiserschnitt werde mangels Wissen des Klinikpersonals und auch „aus Angst vor Fehlern und folgenden Geburtsschäden“, gewählt, beklagt auch Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hebammenverbandes. „In den Kreißsälen ist oft zu wenig Personal, um sich intensiv um jede Gebärende kümmern zu können“, sagt sie.

Hebammen warnen vor Folgeschäden fürs Kind

Heute würde schon bei den kleinsten Abweichung von Gynäkologen eingegriffen. Dabei sei ein Kaiserschnitt eine Operation und damit nicht ohne Gefahr für Mutter und Baby. Teils gebe es auch Folgewirkungen. Für Kaiserschnitt-Kinder bestehe beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Asthma, Diabetes und Allergien.

Ein Zunahme von Frauen, die einen Wunschkaiserschnitt nach Hollywood-Vorbild verlangen und zu einem bestimmten Termin entbinden wollen, kann das Klinikum nicht erkennen. Bei jeder Frau, die so einen Wunsch äußert, werde ein ausführliches Gespräch über Risiken und Konsequenzen geführt.

Anders die Erfahrung im Josefs-Krankenhaus. Die Nachfrage nach Wunsch-Kaiserschnitten steige leicht an. „Mit diesen Schwangeren ohne medizinische Indikation zum Kaiserschnitt wird lange gesprochen, oft auch mehrmals“, so Chefarzt Roberto Kruzeja. „Im Einzelfall stimmen wird dann einem Wunsch-Kaiserschnitt auch zu.“

Da im Josefs-Krankenhaus nur Schwangere ab der 36. vollendeten Schwangerschaftswoche und mit einem Schätzgewicht des Kindes von mehr als 2500 Gramm entbinden dürfen, sei die niedrige Kaiserschnittrate nicht mit den Häusern zu vergleichen, die auch Risikogeburten betreuten. „Einen Kaiserschnitt aus Personalmangel zu machen, wäre bei uns völlig abwegig“, betont der Chefarzt. Um manchen nicht notwendigen Kaiserschnitt zu vermeiden, müsse man als Arzt unter Umständen stundenlang im Kreißsaal die Herztonkurven der Kinder beobachten. „Nicht jeder Kollege hat diese Geduld“, vermutet Kurzeja. Gleichzeitig dürfe ein Kaiserschnitt auch nicht zu spät gemacht werden, damit das Baby keinen Sauerstoffmangel erleide. Eine schwierige Abwägung, für die es ein solides Grundwissen und viel Erfahrung brauche. Obwohl Kliniken bei den Krankenkassen für einen Kaiserschnitt in der Regel das Doppelte abrechnen können wie für eine Spontangeburt, spielten Kostenaspekte keine Rolle, versichert Kurzeja. „Es geht um gute Geburtshilfe“, sagt der Mediziner.

Von Marion Kaufmann

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