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Potsdam Kammerakademie Potsdam spielt Romantiker
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14:48 17.01.2016
Der Oboist Albrecht Mayer. Quelle: Kammerakademie Potsdam
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Potsdam

Das hat Peter Rainer als erster Geiger sicher noch nicht erlebt. Das enthusiastische Finale von Georges Bizets erster Sinfonie stand noch im Raum, da stürzte der Dirigent auch schon auf den Konzertmeister zu, nahm seine Hand und drückte einen Kuss drauf.

Der Bajuware Albrecht Mayer gilt als einer der besten Oboisten der Welt. Beim Sinfoniekonzert am Samstag trat der 50-Jährige im exquisiten Janker sowohl als Dirigent wie auch als Solo-Oboist in Erscheinung. Das Hausorchester des Nikolaisaals spielte vier romantische Kompositionen. Ein Gebiet also, auf dem der Kammerakademie derzeit kein anderer Klangkörper etwas vormacht.

Das Programm begann mit der Tschechischen Suite von Antonin Dvorak. Die Volksliedmotive scheinen hier so simpel und eingängig, dass es den 50 Musikern sicher nicht leicht fällt, die Konzentration zu halten. Es gelingt ihnen aber meisterlich schon im gedehnten ersten Satz. Auch der Schluss mit den kurz abgesetzten Akkorden ließ an Prägnanz nichts zu wünschen übrig.

Die folgenden 15 Minuten teilte sich der Solo-Oboist mit der Flötistin Silvia Careddu. Weich im Ansatz meisterten die beiden Solisten die schwirrenden Läufe und die mal dramatischen, mal lyrischen Passagen eines Doppelkonzerts von Ignaz Moscheles, einem Vertrauten Beethovena. Das Stück aus dem Revolutionsjahr 1830 hält viele Überraschungen bereit, etwa wenn die Streicher fanfarenhaft aufspielen.

Nach der Pause durfte dann Albrecht Mayer sein Virtuosentum entfalten. Die Variationen eines liedhaften Themas von Johann Nepomuk Hummel spielte der Star fast zu routiniert. Doch es ist auch sehenswert, wie der Oboist die Rhythmuswechsel leicht federnd aus seinem tiefsten Inneren schöpft, als hätte er sein musikalisches Gespür in den Knien sitzen.

Als Orchesterleiter kehrt Mayer aber nicht den großen Zampano heraus. Recht zurückhaltend dirigierte er noch die erste Sinfonie von Georges Bizet. Das Jugendwerk wurde erst 1935, 60 Jahre nach dem Tod des romantischen Opernkomponisten, uraufgeführt. Auch hier: Die Balance zwischen Bläsern und Streichern ist nie gefährdet. Das gefällig-pathetische Stück bietet witzige Stellen, viel Pathos und manchmal auch verblüffend simple Passagen. Die Kammerakademie bleibt stets engagiert und präzise.

Von Karim Saab

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