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Kampf um alte Obstplantagen

MAZ zu Hause in ... Paaren Kampf um alte Obstplantagen

Der Paarener Verein Apfel und Kultur bemüht sich um alte Obstplantagen und das Gemeindeleben in dem kleinen Ortsteil am Rande Potsdams. Paaren bildet seit 1961 ein Doppeldorf mit der Gemeinde Uetz. 2003 wurde Uetz-Paaren in die Landeshauptstadt eingemeindet. Die winzigen Ortsteile sind durch eine Bundesstraße getrennt. Doch das ist nicht das einzige Problem.

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Ingo Kunde (l.) und Gerd Neef vom Vorstand des Paarener Vereins Apfel und Kultur.

Quelle: Volker Oelschläger

Potsdam/Paaren. Mehr als fünf Tonnen der Sorten Golden Delicious, Red Delicious, Auralia und Grafensteiner ernteten die Mitglieder und Freunde des Paarener Vereins Apfel und Kultur im Herbst 2014 in der kleinen Plantage an der Bundesstraße 273 auf halber Strecke zwischen Autobahn und Paaren. An manchen Tagen waren zwischen 50 und 100 Leute mit Korb und Eimer zwischen den niedrigen Bäumen unterwegs.

Das Erntefest mit Kuchen, Grillfleisch und handgepresstem Apfelsaft war „ganz nett“, sagt der Vereinsvorsitzende Gerd Neef (41). Einen Wermutstropfen gab es aber doch: Städter auf Landpartie und Zugezogene blieben unter sich. Von den alt eingesessenen Paarenern habe sich niemand blicken lassen.

Gegründet wurde der Verein, der sich der Erhaltung, Pflege und Entwicklung alter Apfelbaumflächen im Paarener Umland verschrieben hat, im Oktober 2013. Die Vorgeschichte reicht bis in die frühen 1990er Jahre, als acht Familien aus Berlin, Potsdam und anderen Orten als Eigentümergemeinschaft das Gehöft der einstigen LPG an der Paarener Dorfstraße erwarben und für sich zur Wohnanlage ausbauten.

Ingo Kunde (53), Inhaber eines Garten- und Landschaftsbaubetriebs mit 12 Beschäftigten, war von Anfang an dabei. Der aus dem Vogtland stammende Sozialarbeiter Neef stieß mitsamt Familie im Jahre 2005 dazu.

Die Idee zur Übernahme und Bewahrung alter Apfelbaumplantagen entstand schon beizeiten. „Wir wollen nicht, das es hier nur noch Monokulturen mit Raps, Mais und Roggen gibt“, sagt Neef. Die Initialzündung ergab sich mit dem Kontakt zu einem in Herford (Nordrhein-Westfalen) lebenden Mann, dem einige dieser seit dem Mauerfall verwildernden Anlagen gehören. „Wir haben ihn angesprochen“, sagt Kunde, „er war begeistert. Ihm war daran gelegen, dass das nicht komplett verkommt.“

In Arbeitseinsätzen mit Schere und Säge und wurden über 20 Jahre gewucherte Hecken zwischen den Baumreihen abgetragen. Parallel dazu wurde organisiert. 2015 wurde der Verein „zur Förderung der Kulturlandschaft und des ökologischen Obstanbaus“ – so die Langbezeichnung – Mitglied im Deutschen Verband für Landschaftspflege.

22 Mitglieder hat der Verein aktuell. Deren Kraft reicht für die Bewirtschaftung des ersten Hektars. „Wir könnten noch mehr Flächen bewirtschaften“, sagt Neef, viereinhalb Hektar seien noch in der Reserve, „aber wir sind an der Grenze des Machbaren“. Der Verein setzt deshalb auf Wachstum. Kunde: „Die Tendenz geht dahin, mehr Menschen zu begeistern.“ Zur Ernte selbst ist dann ohne weitere finanzielle Beteiligung jeder eingeladen, der Interesse hat. Die Termine werden auf der Vereinsseite www.apfelundkultur.de veröffentlicht.

Ein anderes in der Vereinsatzung festgeschriebenes Anliegen ist die „Förderung der dörflichen Gemeinschaft, z.B. durch gemeinsame Veranstaltungen, Informationsaustausch, Pflege der Apfelbäume und Apfelwiesen“. Diese Passage zielt ganz klar auf die angestammten Paarener, doch ganz wie in Juli Zehs Romanbestseller „Unterleuten“ geht ein Riss durch das 170-Seelen-Dorf.

„Wir hätten es gern, dass sich auch die Alteingesessenen angesprochen fühlen“ sagt Neef, „das hat aber noch nicht so geklappt“. Ein Grund: „Es ist schwierig, sich im Alltag zu begegnen.“ Paaren habe weder Bäcker noch Metzger, für Familienfeiern miete man Räume in Marquardt oder Falkenrehde an. Und da blieben die alten Paarener dann ebenso unter sich wie die Neuen.

Idee für Radweg von Paaren nach Uetz

Das im Jahre 2003 eingemeindete, rund 440 Einwohner zählende Doppeldorf Uetz-Paaren gewinnt in der Kommunalpolitik an Präsenz.

Im aktuellen Bürgerhaushalt gelangte ein Vorschlag zur „Konzeptionierung von Gehwegen in und um Uetz-Paaren“ unter die Top 40 und steht damit ab 15. August erneut zur Abstimmung.

Kern des Vorschlags ist eine Verbindung des 1961 gebildeten Doppeldorfes mit einem Fußweg. Aktuell kommt man nur an der Bundesstraße 273 entlang von Paaren nach Uetz. Eine Idee im Ortsteil ist die Verbindung der Dörfer durch einen Fuß- und Radweg entlang der verlandeten Wublitz.

In der aktuell zur Entscheidung anstehenden Liste zum Stadt Umland-Wettbewerb findet sich eine Wegebepflanzung von Bäumen nach historischem Vorbild in Marquardt, Uetz und Paaren.

Am nächsten Stadt-Umland-Wettbewerb will sich der Paarener Verein Apfel und Kultur mit seinem Projekt „Streuobstwiese und Bürgerobstgärten“ bewerben.

Doch auch hier tut sich etwas. Der Gemeindekirchenrat stellte zur Maifeier ein Konzept für Sanierung und Umbau der Dorfkirche für eine Mehrzwecknutzung vor. Künftig könnte es dort einen Platz für das gemeinsame Dorfleben geben. „Man braucht neutrale Räume“, sagt Neef als Mitglied des Gemeindekirchenrates. Vor zwei Wochen sei der Antrag auf Förderung für das rund 180 000 Euro teure Projekt aus dem Leader-Programm der Havelland-Region gestellt worden.

Auch mit der Stadt wurden erste Kontakte zur Förderung des Vereinslebens aufgenommen, es gibt dort ein eigenes Budget dafür. Laut Neef wurde ein Antrag auf Förderung zur Anschaffung von vier Astscheren gestellt. Doch schon der Schriftverkehr erwies sich als aufwendig. „Es läuft darauf hinaus, dass ich für vier Astscheren ins Rathaus einbestellt wurde.“ Nächste Woche könnte eine Entscheidung fallen.

Von Volker Oelschläger

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