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Potsdam Kampf um einen Stadttaubenschlag
Lokales Potsdam Kampf um einen Stadttaubenschlag
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17:45 15.03.2018
Martina Junge, Emilia Beeck und Anke Drohla (v.l.) von der Arbeitsgemeinschaft Potsdamer Stadttauben. Quelle: Volker Oelschläger
Potsdam/Innenstadt

Stadttauben, verwilderte Haustiere in teilweise großen Schwärmen, sind in vielen Orten ein Politikum. Berlin hat eine Taubenbeauftragte. In Baden-Württemberg hat sich die Landestierschutzbeauftragte des Themas angenommen.

In mehr als 70 Städten bundesweit gibt es teils schon Dutzende Stadttaubenschläge: Bei dem sogenannten Augsburger Modell bekommen die Tiere Futter und Nistmöglichkeit, wobei die Eier durch Attrappen ersetzt werden. Ziel ist das Kleinhalten der Population. Denn wie vom Menschen angezüchtet, brüten auch verwilderte Tauben bis zu sieben Mal im Jahr.

Tauben vergiften im Park

An Potsdam zog die Diskussion bisher weitgehend vorbei. Gibt man im Internet auf der Seite www.Potsdam.de das Suchwort „Tauben“ ein, kommt als erstes ein Kochrezept: „Vorbereitete Tauben von außen und innen verhalten würzen, abgekühlte Pilzmasse in die Tauben füllen“, und gleich danach Georg Kreislers galliger Klassiker: „Schau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau. Gehn wir Tauben vergiften im Park!“

Die Potsdamer Grünen haben im vergangenen Jahr einen Antrag eingebracht, nach dem die Stadt prüfen sollte, „in welchen Stadtteilen die Errichtung städtischer Taubenschläge sinnvoll sein könnte, um einer weiteren Zunahme der als störend empfundenen Taubenpopulation Einhalt zu gebieten und gleichzeitig dem Tierschutz gerecht zu werden“.

Doch sie liefen damit ins Leere. Die Stadt habe bereits zwei Taubenschläge, erklärte die Verwaltung im Ordnungsausschuss. Es gebe „keine Beschwerden“ und auch „kein Taubenproblem“.

„Wenn die Brutsaison beginnt, ist wieder richtig was los“

Die Aktivistinnen der Arbeitsgemeinschaft (AG) Potsdamer Stadttauben sehen das anders. Anke Drohla (48), die 2015 mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnete Tierschützerin, berichtet von 50 verletzten Tauben, die sie allein im letzten Jahr in der Innenstadt geborgen und oft auf eigene Rechnung wieder aufgepäppelt habe: „Wenn die Brutsaison beginnt, ist wieder richtig was los“, sagt sie.

Einzelhändlerin Emilia Beeck (50) berichtet von mehreren größeren Schwärmen allein im Umfeld der Brandenburger Straße und des Französischen Viertels.

Diplom-Agraringenieurin Martina Junge (56) ärgert das in der Stadtordnung verankerte Fütterverbot. Auf ihre Anfrage hatte das Rathaus im September in der Einwohnefragestunde mitgeteilt, Tauben könnten sich in der Stadt „gut behaupten, weil sie hier ohnehin jede Menge Futter“ fänden: „Zusätzliches Füttern“ sei „nicht nötig“.

Wenn Tauben die Wahl haben

Tatsächlich ernährten sich die Tiere von Abfällen, widerspricht Junge. Doch Brot und Dönerreste seien nicht artgerecht. „Wenn Tauben die Wahl haben, picken sie selbstverständlich bevorzugt Getreidekörner und Sämereien“, sagt Almut Malone vom Berliner Avian Vogelschutz-Verein.

Amtstierarzt Guido Schielke als Veterinär-Bereichsleiter im Potsdamer Rathaus teilte auf MAZ-Anfrage mit, der Verwaltung sei „bekannt, dass in geringem Umfang Stadttauben vorhanden sind“. Die Situation werde „beobachtet“. Zur Frage weiterer Taubenschläge verweist er auf ein Gespräch mit der AG vom 9. November 2017. Dort sei „einvernehmlich festgestellt“ worden, dass „derzeit kein weiterer Taubenschlag benötigt“ werde.

Emilia Beeck als Teilnehmerin des Gesprächs widerspricht: „Das ist Dr. Schielkes persönliche Meinung.“ Martina Junge bekräftigt: „Ein betreuter Taubenschlag in der Innenstadt ist nach wie vor unser Ziel.“

Die Taubenschläge am Schlaatzweg und in der Babelsberger Bruno-H.-Bürgel-Straße seien keine Lösung für die Innenstadt: Zu weit entfernt, Tauben halten ihrem Revier die Treue. Völlig ausgelastet. Und auch nicht ganz nach der Philosophie der Tierschützer.

Hochzeitstauben sind in der Szene verpönt

Denn der ehrenamtliche Betreiber vermietet weiße Hochzeitstauben, um das Futter zu finanzieren. In der Szene ist das verpönt, denn verirrte und verloren gegangene Brief- und Hochzeitstauben sorgen für einen steten Zuwachs in den verwilderten Schwärmen.

In der Diskussion des Grünen-Antrags sagte die Verwaltung den Taubenschlägen im November Futtermittelspenden zu. Geplant sei eine monatliche finanzielle Pauschale, bekräftigt Schielke jetzt: „Die Abstimmungen laufen.“

Der Grünen-Stadtverordnete Andreas Walter hatte den Antrag zur Einrichtung von Stadttaubenschlägen im November zurück gezogen. „Durch Verwaltungshandeln erledigt“, heißt es dazu im Protokoll. Erledigt habe sich die Sache für ihn damit aber nicht, sagte er am Donnerstag zur MAZ.

In der laufenden Debatte zur Neufassung der Stadtordnung habe er zwei Anträge eingebracht: für Regelungen zu betreuten Stadttaubenschläge und zur Aufhebung des Fütterungsverbots.

„Permanente Aggressivität den Tauben und uns gegenüber“

Die Aktivistinnen der AG Potsdamer Stadttauben berichten von einer „permanenten Aggressivität von Potsdamern sowohl den Tauben als auch uns gegenüber“. Die Taube habe in Potsdam „den Stellenwert eines Aggressionsventils: Man tritt nach ihr, man bewirft sie, überfährt sie, vertreibt sie; man beschimpft uns, wenn wir versuchen, verletzten Tieren zu helfen“.

Letzte Woche attackierte ein Unbekannter Tauben an der Hegelallee/Ecke Friedrich-Ebert-Straße mit Blasrohrpfeilen. Vier Tiere mit schweren Verletzungen wurden entdeckt. Die Tierschutzvereine Peta, Animals Care und die AG Potsdamer Stadttauben haben 1600 Euro als Belohnung für Hinweise zum Täter ausgesetzt.

Nach mehr als einer Woche konnte am Donnerstag die zweite dieser Tauben eingefangen werden. Ein Pfeil hatte ihren Hals durchbohrt, ein zweiter steckte in der Brust. Anke Drohla brachte sie am Nachmittag in die Tierklinik nach Berlin.

Von Volker Oelschläger

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