Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Kanzlerin Merkel auf der Agentenbrücke
Lokales Potsdam Kanzlerin Merkel auf der Agentenbrücke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:15 28.11.2014
 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterhält sich am 28.11.2014 auf dem Filmset an der Glienicker Brücke in Potsdam (Brandenburg) mit Regisseur Steven Spielberg (l) und Hauptdarsteller TomHanks. Quelle: Bundesregierung/Bergmann/dpa
Potsdam

Die Brücke liegt im Nebel. Die Auffahrt ist von Stacheldraht umgeben. Am Bogen der Eisen-Stahl-Konstruktion hängt das Staatswappen der DDR. 25 Jahre nach dem Mauerfall ist die Glienicker Brücke wieder Sperrgebiet. Für seinen Agenten-Thriller "St. James Place" (Arbeitstitel) beschreibt Hollywood-Regisseur Steven Spielberg (67, "Schindlers Liste") am Originalschauplatz den Kalten Krieg zwischen den USA und Russland. Seit Freitag dreht Spielberg mit Oscar-Preisträger Tom Hanks (58) auf dem Unesco-Welterbe, das einst Ost und West trennte.

"Es fühlt sich bedrohlich an, an dem Setting zu sein, das wir museal aufbereiten", sagt Ina Grätz, Leiterin der Villa Schöningen am Fuß der Glienicker Brücke. Das Haus zeigt neben Kunstausstellungen die bewegte Geschichte der Grenzbrücke zwischen Berlin und Brandenburg, auf der während des Kalten Krieges mehrfach Agenten ausgetauscht wurden. "Wir, die hier arbeiten, kennen dieses Bild nicht mehr aus der Realität. Es nun so zu sehen, ist sehr spannend", meint Grätz.

Mit der Glienicker Brücke verbindet sich eine ganz besondere Geschichte. Im kalten Krieg trennte sie West Berlin und die DDR. Sie wurde seinerzeit mehrfach für den Austausch von Agenten genutzt. Für den Filmdreh von Steven Spielbergs Agenten-Thriller wurde die Glienicker Brücke wieder gesperrt.

Von der Villa Schöningen sind kleine Einblicke möglich

Die Filmarbeiten stellen den normalen Rhythmus des Hauses auf den Kopf. Fotografen, Kamerateams und Schaulustige hoffen, einen Schnappschuss ergattern zu können. Fehlanzeige - das obere Stockwerk ist abgesperrt. "Ich kann es nicht verantworten, dass sich Besucher an die Fenster drängen und möglicherweise etwas zu Schaden kommt", erklärt Grätz.

Die Schaulustigen harren bei frostigen Temperaturen vor dem Eingangsbereich der Villa aus. Von dort aus sind kleine Einblicke möglich. Ansonsten ist die gesamte Glienicker Brücke weiträumig abgesperrt und wird von aufmerksamen Sicherheitsleuten bewacht. Autogrammjägern macht der Sprecher des Filmstudios Babelsberg, Eike Wolf, wenig Hoffnung. Das Studio ist Koproduzent des Films.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wirft einen Blick hinter die Kulisse

Die 27-Jährige Franziska versucht es dennoch. Seit dem Vormittag beobachtet sie den Drehort. Sie sieht, wie die Schneemaschine künstliche Flocken spuckt, wie Mitarbeiter einen tschechischen Tatra und einen russischen Tschaika auf die Brücke fahren, wie mit Einbruch der Dämmerung erste Komparsen in Militärkleidung an ihre Plätze gehen. "Ich hoffe auf ein Foto mit Tom Hanks", sagt die Potsdamerin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eines. Die CDU-Politikerin gehört zu den Gästen, die Studio Babelsberg einen Blick hinter die Kulisse werfen lässt. Am Freitagabend hat die Kanzlerin die Film-Crew auf der Brücke besucht - und sich mit Regisseur Spielberg und Hauptdarsteller Hanks fotografieren lassen.

Der Thriller soll im Oktober 2015 in die US-Kinos kommen

Andere schauen nur vorbei, weil sie in der Nachbarschaft wohnen. Die Berlin-Touristen Andrea und Torsten sind mit S-Bahn und Fahrrad angereist, um sich das Spektakel anzusehen. "Das ist uns beim Besuch im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen empfohlen worden", schildert das Paar aus dem baden-württembergischen Rottweil.

In dem Stasi-Knast hat Spielberg mit seiner Mannschaft zuvor gedreht. Der 67-Jährige erzählt die Geschichte des US-Piloten Francis Gary Powers, der von den Sowjets abgeschossen, gefangen genommen und auf der Glienicker Brücke ausgetauscht wurde. Verhandlungsführer der USA war damals der Anwalt James B. Donovan, den Hanks spielt. Der Thriller soll am 16. Oktober 2015 in die US-Kinos kommen.

Die Brücke bleib noch bis Montag gesperrt

Bis Montag bleibt die Brücke über die Havel zwischen Potsdam und Berlin für Autos, Fahrräder und Fußgänger gesperrt. "Ich glaube, dass für die Einschränkungen ein gewisses Verständnis vorhanden ist", meint Stadtsprecher Stefan Schulz.

Seit Juni haben zwei Mitarbeiter sich ausschließlich um die nötigen Genehmigungen gekümmert, berichtet Koproduzent Henning Molfenter. Etwa 25 Behörden in Berlin und Brandenburg seien beteiligt gewesen. "So ein Schauplatz sieht im Original ganz anders aus, als wenn man mit digitalen Tricks arbeiten würde", betont er. Rund 400 Mitarbeiter sind laut Studiosprecher Wolf für die Produktion eingestellt. Es gibt etwa 800 Komparseneinsätze.

Mehr zum Thema
Potsdam Dreharbeiten für Spielbergs Agenten-Thriller in Potsdam - Dreharbeiten: Glienicker Brücke wird gesperrt

Jetzt wird es ernst. Die Dreharbeiten für Steven Spielbergs Agenten-Thriller sind in vollem Gange. Eine Schlüsselszene spielt an der ehemaligen Grenze auf der Glienicker Brücke. Um den Grenzübergang authentisch nachbauen zu können, muss die Brücke für vier Tage gesperrt werden.

19.11.2014
Potsdam Filmdreh an der Glienicker Brücke - Ex-Spion spricht über Agentenaustausch

Der gebürtige Oranienburger und frühere US-Spion Eberhard Fätkenheuer hat erlebt, was der Hollywood-Regisseur Steven Spielberg zurzeit an der Glienicker Brücke Potsdam verfilmt: Er nahm an einem Agentenaustausch teil. Im exklusiven MAZ-Interview berichtet der heute 70-Jährige von geheimen Operationen und der drastischen Strafe.

28.11.2014
Potsdam Dreharbeiten für Agenten-Thriller mit Tom Hanks - Steven Spielberg blockiert die Glienicker Brücke

Hollywood beehrt Potsdam, und das bekommen vor allem die Autofahrer zu spüren: Die Glienicker Brücke, wichtigste Verbindung nach Berlin, ist noch bis Montag gesperrt. Steven Spielberg dreht für seinen Kalter-Krieg-Thriller "St. James Place" mit Tom Hanks in der Hauptrolle.

28.11.2014
Kultur Ehemaliger US-Spion spricht über Agentenaustausch - Verbrannter Spion, gescheiterter Held

Seine Aufgabe war es, sowjetische Militärtransporte und NVA-Aktivitäten in der DDR zu beobachten. Der gebürtige Oranienburger und frühere US-Spion Eberhard Fätkenheuer (70) spricht im MAZ-Interview über seinen Agentenaustausch im Juni 1985.

01.12.2014
Potsdam Baurabeiten für neues Freizeitbad - Schließungstermine für Bad Am Brauhausberg

Am Brauhausberg wird am kommenden Freitag, 5. Dezember, der erste Spatenstich für das neue Freizeitbad gesetzt. Das alte Bad am Brauhausberg bleibt zwar weiter geöffnet. Aus technischen Gründen muss die Schwimmhalle jedoch an einigen Dezember-Tagen geschlossen bleiben.

29.11.2014
Potsdam Rekordandrang bei der Potsdamer Tafel - In Potsdam greift die Armut um sich

"Das ist entsetzlich": Die Potsdamer Tafel hat nach eigenen Angaben so viele Kunden wie noch nie. Bis Anfang November seien kostenlose Lebensmittel an 23.300 Erwachsene und 10.900 Kinder ausgegeben worden, sagte Tafel-Vorstand Johannes Wegner. Und die Zahl der Bedürftigen steigt weiter.

29.11.2014