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Potsdam Karibisches Flair in Fahrland
Lokales Potsdam Karibisches Flair in Fahrland
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14:31 13.07.2016
Wenn der Wind günstig steht, zieht es die Surfer nach Fahrland. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Fahrland

An diesem Nachmittag ist es ziemlich stürmisch. Noch am Abend zuvor gab der Deutsche Wetterdienst eine Unwetterwarnung heraus. Es bestand Sturmgefahr mit einer Stärke von acht Beaufort, einer Geschwindigkeit von 65 bis 70 Kilometer pro Stunde, etwa 30 Knoten. Fahrradfahren entpuppt sich dann schnell zur sportlichen Herausforderung. Doch kein Grund, gleich die Segel zu streichen. Wenn andere ihr Rad im Keller lassen, kommt die Zeit der Surfer. Für sie sei ein mäßiger bis stürmischer Wind ideal, sagt Matthias Koch. Der Softwareentwickler surft auf dem Fahrländer See und kehrt dem Wind lieber den Rücken zu.

Ein Kind der Küste

An diesem Nachmittag ist auch Matthias Koch am Wasser. Er hat sich einen halben Tag frei genommen. Nach der Arbeit, gegen 19 Uhr, lohnt es sich sonst nicht so sehr, erzählt er. Nicht immer konnte sich Matthias spontan entscheiden surfen zu gehen. Die letzten Jahre hat er fernab des Wassers gelebt: in München. Ursprünglich ein Kind des Nordens, ein Rostocker, verließ er letztes Jahr die bayrischen Landeshauptstadt, um wieder näher an seiner Heimat zu sein und „natürlich um mehr zu surfen!“ „Ich hätte auch nach Hamburg ziehen können, aber hier ist auch viel Wasser“, sagt der Softwareentwickler „und hier habe ich mehr Freunde“.

Surfer Matthias Koch, (36) Quelle: Privat

Als Matthias Koch noch in München lebte, ging er seinem Hobby nur relativ selten nach. Im Urlaub fuhr er an die Ostsee. „Sonst lohnte sich das ja nicht“. Jetzt ist er in nur gut zwei Stunden an der See „Da reicht auch ein Wochenende“, sagt er und lächelt zufrieden.

Fahrländer See ideal zum Surfen

Seit einem guten halben Jahr wohnt er in Berlin. „Ich fahre keine dreiviertel Stunde an den Fahrländer See, das ist prima“. Warum gerade dieser See? Freunde haben mir von dem See erzählt, entgegnet er und lacht. Sein Urteil: „Der See hat ideale Bedingungen“, sagt der Softwareentwickler„denn nicht jeder ist zum Surfen geeignet“. „Der Wind muss frei durchpusten können“, begründet er seine Wahl des Fahrländer Sees. An der Westseite des Sees stehen kaum Bäume, weshalb der Wind ungehindert über das Wasser hinwegblasen kann. Der große Wasser ist wegen seiner Uferbefriedung leicht zu übersehen. Doch wenn der Wind bläst und die Bäume sich neigen, erheben sich die Schirme und Segel der Surfer und Kitesurfer wie Möwen hoch über den See. Mit anderen Kitesurfern ist er trotz der großen Schirme noch nicht in die Quere gekommen, es gebe auch ein paar Regeln, an die sich alle halten. „Der Fahrländer See ist so groß, da ist Platz für alle“, so der Surfer.

Surfer und Kitesurfer auf dem Fahrländer See in Potsdams Norden. Quelle: Bernd Gartenschläger

Seit etwa drei Jahren schnallt sich Matthias Koch das lange Board unter die Füße und gleitet übers Wasser. Alles begann mit einem Urlaub an der Ostsee. Am Strand sahen er und seine Freunde einer jungen Frau dabei zu, die sich nur mit Mühe und Not auf einem Brett halten konnte. In den Augen seines Freundes eine blutige Anfängerin. Das kann ja nicht so schwer sein, dachten sich die Freunde und belegten ohne zu zögern selbst einen Kurs. „Das ist eine der schwierigsten Sportarten, die ich bisher kennen gelernt habe“, sagt der charismatische Surfer und atmet einmal tief durch. Wenn man natürlich jeden Tag Zeit hat zu fahren und der Wind auch dementsprechend steht, ist nach vier Wochen ein Level erreicht, wo man schnell hin und her fahren kann, sagt er. Doch wo gibt es schon diese Voraussetzungen, zumal schwacher Wind zum Lernen am besten ist und die Windstärke mit dem Lernprozess zunehmen sollte, erzählt er.

Aller Anfang ist schwer

Er flog zwei Wochen in die Karibik, an eine Surfschule. Von da an packte ihn das Surffieber und er fuhr jedes Jahr drei Wochen in die tropische Sonne. „Da surft man quasi unter Laborbedingung“, beschreibt Koch die karibischen Verhältnisse. Anfängliche Schwierigkeiten wie das Mädchen an der Ostsee hatte er aber auch. Man liege quasi ständig im Wasser, weiß er zu berichten. Es sei ungewohnt, dass der Untergrund wackelt, obwohl man sich selbst nicht bewegt. Mit ein wenig Übung platscht es dann nur noch bei Manövern, erzählt er. Und da landen auch die Profis immer mal wieder im Nass, schiebt er hinterher. Alle Wellenreiter üben an Land. So bekommen die Surfer ein Gefühl für den Bewegungsablauf, wissen wo die Füße am besten hingehören und wie man sich am besten aufrecht auf dem Brett hält. Es gibt sogar Trockenübungen aus dem Sail Chi, ähnlich dem Thai Chi, erzählt Matthias. Was man auf keinen Fall machen sollte, rät Matthias Koch, ist eine Windsurfing-Lizenz erwerben. Man brauche die gar nicht, so der Surfer. Darüber hinaus brauche man als „trockener Anfänger“ keine Scheu haben, auch nicht vor den Profis. „Damals hat mir der heute amtierende Weltmeister im Freestyle Tipps gegeben!“

Matthias Koch beim Surfen in der Karibik. Quelle: Privat

Die Surfergemeinde ist gelassen. Koch versucht auch diese relaxte Lebenseinstellung und die Freiheit, die er auf dem Brett verspürt, auf sein alltägliches Leben zu übertragen. Das gelinge ihm auch ganz gut, sagt er. Einmal möchte er an den Stränden Hawaiis Surfen. Das ist sein Traum, wenn er ein wenig besser fährt. Und bis es soweit ist, kann er auf dem Fahrländer See für die Fahrt in der Südsee üben.

Von Lisa Neumann

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