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Potsdam Die fünf Lieblingsköpfe des Karikaturisten
Lokales Potsdam Die fünf Lieblingsköpfe des Karikaturisten
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00:34 14.06.2015
Horst Krause sagt Tschüss. Quelle: Hafemeister
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Potsdam

MAZ: Welcher Potsdamer ist am leichtesten zu zeichnen?

Jörg Hafemeister: Der alte Fritz. Aber als Karikaturist würde ich Hans-Jürgen Scharfenberg vermissen. Er bietet sowohl äußerlich als auch inhaltlich einiges an.

Wer sind die anderen vier Deiner „Top Five“ in der Stadt?

Hafemeister: Ich zeichne Oberbürgermeister Jann Jakobs sehr gern. Der guckt immer so unbeteiligt, wirkt oft ein bisschen erschrocken – als würden die Dinge über ihm zusammenschlagen. Letztendlich hat man oft dann doch das Gefühl, dass er die Fäden in der Hand hat. Wen ich als Zeichner auch schätze, ist Saskia Hüneke von Bündnis90/Grüne. Die ist im Gegensatz zu vielen anderen eher unaufgeregt. Aus dieser Haltung heraus lassen sich gut Positionen darstellen – wenn einer etwas kleiner ist, von unten schaut und ein bisschen staunt. Mike Schubert (SPD) zeichnet sich gut. Er hat einen quadratischen Schädel. Die Brille und das breite Grinsen machen sich auch gut. Auch Peter Schüler (Grüne) ist dankbar zu zeichnen. Aber der Alte Fritz bleibt mein Favorit.

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Regelmäßig zeichnet Jörg Hafemeister (53) Karikaturen für die Märkische Allgemeine Zeitung. Nun bekommt der Meister des genauen Blicks und des präzisen Strichs eine eigene Ausstellung – im Kultusministerium. Wir zeigen einige seiner Karikaturen.

Wegen des Huts?

Hafemeister: Genau. Und er hat eine markante Nase, sieht immer ein bisschen schlecht gelaunt aus und klammert letztendlich diese Stadt – auch wenn er vor 300 Jahren gelebt hat.

Welche Rolle spielen Frisuren – Stichwort Scharfenberg/Hüneke?

Hafemeister: Wenn einer eine Glatze hat, ist er – anders als viele Menschen glauben – gar nicht leichter zu zeichnen. Es fehlt sozusagen das Kaschiermaterial.

An wem bist Du verzweifelt?

Hafemeister: Der Baubeigeordnete Matthias Klipp ist eine schwere Nummer. Warum? Ich weiß es nicht. Dabei ist er jemand, der gern mal in die Luft geht – das bietet einem Zeichner ja etwas an.

Wer ist von allen Menschen auf der Welt der Traum für Karikaturisten – Hitler?

Hafemeister: Also, der zeichnet sich tatsächlich super. Aber es gehört zur Arbeit eines Karikaturisten, verantwortungsvoll mit den Dingen umzugehen, sich nicht einfach um des lieben Witzes Willen an etwas zu vergreifen.

Du hast Hitler mehrfach eingebaut – etwa in Garnisonkirchen-Zeichnungen, Stichwort „Tag von Potsdam“.

Hafemeister: Ja, aber nicht weil ich die Auffassung vertrete, dass man die Kirche und das Dritte Reich eng zusammennehmen muss, sondern eher, weil ich mich gegen den Missbrauch des Missbrauchs wehre. Natürlich spielt der Tag von Potsdam in der Geschichte der Garnisonkirche. Aber der Rückgriff auf dieses Ereignis greift viel zu kurz, um ein Für oder Wider abzuhandeln. Die Figur Hitler habe ich aufgegriffen, weil sie Aufmerksamkeit erzeugt und dann aber doch die Diskussion selbst ins Abseits stellt. Wenn sich Hitler im meinem Cartoon darüber aufregt, dass die Garnisonkirche als Versöhnungszentrum aufgebaut wird, freuen sich Wiederaufbau-Gegner „Ah, Tag von Potsdam!“!Aber Adolf, der sich über den Wiederaufbau als Versöhnungszentrum aufregt? Da bleibt dann doch eine Irritation.

Ist Potsdam für den Karikaturisten eine dankbare Stadt?

Hafemeister: Potsdam ist ja manchmal ganz schön doof, weil es so zerstritten ist – für einen Karikaturisten ist das aber ganz wunderbar. Und es gibt auch viele Symbole, die Stadt hat einen hohen Wiedererkennungswert genau wie die Konflikte: Lustgarten, Mercure, Garnisonkirche etc. Und die Debatte ist ja irgendwie auch schräg: Was ist eigentlich konservativ? Sind das die Preußen-Fans oder sind das die Bewahrer der 60er-, 70er- Jahre?

Ist das Kunst, was Du machst?

Hafemeister: Keine Ahnung. Die Ausstellung heißt ja bewusst: „Das ist doch keine Kunst!“ Letztendlich entsteht Kunst im Auge des Betrachters. Es gibt auch im Kabarett gute und schlechte Texte.

Im echten Leben bist du Kunsthandwerker – Grafiker bei Möbel Höffner.

Hafemeister: Ich zeichne viel für Höffner, aber ich bin auch für Text und Konzeption mitverantwortlich. Ich denke mir zum Beispiel Slogans aus und schreibe Funk-Spots. Es geht immer darum, neue Ideen zu entwickeln. Und ich illustriere viel: Von der kleinen Weihnachtskarte bis zu 300 Meter langen Stadtansicht. Das macht mir alles viel Spaß, aber das ist natürlich keine Kunst – bei soviel Abwechslung!

Die Ausstellung eröffnet am Mittwoch, 17. Juni, um 16.30 Uhr im Kultusministerium in der Dortustraße.

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Von Ulrich Wangemann

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