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Kehlmann, Krimis, Kinderbücher

Literaturfestival LIT:potsdam Kehlmann, Krimis, Kinderbücher

Das Literaturfestival LIT:potsdam hat auch dieses Mal wieder erstklassige Autoren nach Potsdam gelockt und setzte am Wochenende viele hochwertige Impulse bei den Lesungen und Gesprächen.

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Ein Büchermarkt vor dem Hans-Otto-Theater rundete das Festival ab.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Podiumsgespräche auf hohem Niveau prägten die Veranstaltungen des Literaturfestivals „LIT:Potsdam, das am Sonntagabend in der Schinkelhalle mit einem dritten öffentlichen Auftritt von Daniel Kehlmann zu Ende ging. Nach seiner furiosen Auftakt-Lesung am Freitag aus dem Bestseller „Die Vermessung der Welt“ diskutierte Kehlmann am Samstag im ausverkauften Kinosaal des Filmmuseums mit Regisseur Volker Schlöndorff über die Verfilmbarkeit von Romanstoffen.

Schlöndorff deutete an, dass er selbst vergeblich versucht habe, Kehlmanns Roman „Ich und Kaminski“ fürs Kino zu bearbeiten. Die Verfilmung durch den Kollegen Wolfgang Becker, der mit Drehbuchautor Thomas Wendrich ebenfalls in der Veranstaltung saß, habe ihn dann aber völlig überzeugt. Während Kritik und Publikum den Film „Ich und Kaminski“ 2015 nur verhalten aufgenommen haben, äußerte sich Vorlagengeber Kehlmann ohne Abstriche beglückt über die Umsetzung. „Ich bin dankbar und froh, dass meine Hauptfigur durch den Schauspieler Daniel Brühl ein Gesicht bekommen hat, obwohl ich damit das Eigentum an der Figur verloren habe.“

Um das Risiko des Autors hervorzuheben, räumte Schlöndorff ein, dass jede zweite seiner vielen Literaturverfilmjungen misslungen sei. Bei der Begegnungen mit Autoren wie Heinrich Böll, Günter Grass, Max Frisch oder Arthur Miller und deren Werken sei ihm klar geworden, dass die Szenen am stärksten und filmtauglichsten sind, die auf persönlichem Erleben beruhen.

Zur Krimi-Nacht am Samstagabend fanden nur 35 Gäste den Weg in die Reithalle. Um so intimer wirkten die Auskünfte von Friedrich Ani . „Ich bin Schriftsteller, weil ich gern allein in einem Zimmer bin“, meinte er und haderte damit, dass seine ersten Fassungen sich stets durch „Chaos, krude Dialoge und einen Mangel an Dramaturgie“ auszeichnen. „Ja, warum schreibst du denn nicht gleich alles richtig auf?“, fragte ihn die zum Scherzen aufgelegte Kollegin Elisabeth Hermann („Das Kindermädchen“) . Ani berief sich auf Peter Handke, mit dem er nicht nur die Frisur und nach dem Wechsel zum Suhrkamp-Verlag auch den Lektor teilt, sondern auch die Leidensbereitschaft beim Schreiben. „Oft flüchte ich mich ins Seriengucken.“ Nachdem Ani den Vermissten-Fahnder Tabor Süden in 20 Büchern populär gemacht hat, scheint seine neue, recht einsame Ermittler-Figur auch autobiografische Züge aufzuweisen.

Eine gesellschaftspolitisch brisante Debatte führten am Sonntagvormittag vor halbleeren Rängen im Hans-Otto-Theater der Bundesrichter Thomas Fischer und der Kriegshistoriker Herfried Münkler . Fischer kritisierte dabei einen Satz von Angela Merkel (CDU), die als Bundeskanzlerin gesagt hat: „Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“

Die Festival LIT:Potsdam setzte zum vierten Mal hochwertige Impulse. Es lockt nicht nur erstklassige Autoren nach Potsdam. Gestandene Moderatoren wie Jörg Thadeusz , Uwe Madel oder Denis Scheck garantieren, dass hier vieles genauer zur Sprache kommt als anderswo. Radio und Fernsehen sollten das Potenzial für sich entdecken.

Es ist nur bedauerlich, dass das Festival keine Buchpremieren einplant. Im Rahmen von LIT:Potsdam hätte zum Beispiel André Kubiczeks lesenswerter Potsdam-Roman „Skizze eines Sommers“ erstmals vorgestellt werden können.

Von Karim Saab

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