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Potsdam Kein Fahrstuhl zum Bahnsteig
Lokales Potsdam Kein Fahrstuhl zum Bahnsteig
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00:23 13.09.2018
Kein Fahrstuhl: Rollstuhlfahrer wie Elmar Klemp haben Probleme am Hauptbahnhof. Quelle: Rainer Schüler
Mitte

Der Neubau des Fahrstuhls an Gleis 1 und 3 im Hauptbahnhof ist kein Grund zur Freude für Elmar Klemp (55). Der Büro-Sachbearbeiter aus dem Umweltministerium ist nämlich Rollstuhlfahrer und braucht den Lift nach unten zum Bahnsteig, um drei Mal die Woche um 15.38 Uhr den RE1 nach Wusterwitz im Landkreis Potsdam-Mittelmark zu erreichen. Trotz des Neubaus war das kein Problem, weil die Bahn sich sehr flexibel zeigte: Sie ließ auf Klemps Wunsch hin den Zug einfach vom Nachbarbahnsteig fahren, denn der war frei zu dieser Zeit und hat noch einen Fahrstuhl. Klemp hatte seine Bedarfe angemeldet bis Dezember und erfuhr rechtzeitig von der Weichenstellung. Er kam problemlos in den Zug, der ihn ja morgens von Wusterwitz aus bis Gleis 2 und 4 bringt und nun auch nachmittags nach Hause fuhr.

Der Regionalexpress 1 um 15.38 Uhr ab Hauptbahnhof ist für Rolli-Fahrer unerreichbar. Quelle: Rainer Schüler

„Gleiswechsel sind aber nicht der Regelfall“, sagt Bahn-Sprecher Gisbert Gahler, „und hängen immer von der Strecken- und Bahnhofsauslastung ab.“ Das Anliegen der mobilitätseingeschränkten Reisenden sei verständlich, jedoch dürften andere Reisende nicht darunter leiden. Ein Gleiswechsel für einen Reisenden verärgere möglicherweise hundert andere Reisende, die dann kurzfristig - auch mit Gepäck - den Bahnsteig wechseln.

Wenn Kunden trotz aller angebotenen Auswahlmöglichkeiten auf ihre Fahrt bestehen, machen sie dies laut Gahler „auf eigene Verantwortung.“ In der Vergangenheit seien „hin und wieder auf Grund guten Willens einiger Mitarbeiter der DB Information Gleiswechsel beantragt und dann auch durchgeführt worden. Das sorgte aber aufgrund der Kurzfristigkeit für mehr Unmut als Zufriedenheit“ und werde deshalb nicht mehr gemacht.

Und so muss Klemp wohl oder übel wieder erst nach Wannsee fahren, um von dort heimzukehren nach Wusterwitz. Er wird das bis zum 26. Oktober tun müssen, eine Woche länger als bislang bekannt. Man muss nach dem Austausch des Fahrstuhls noch einen Verfügbarkeitstest machen. Gahler zufolge ist der neue Aufzug „von einem anderen Hersteller“ und „soll zuverlässiger sein.“ Zu Beginn des kommenden Jahres ist der Austausch weiterer Aufzüge geplant.

Pannen mit Treppen und Fahrstühlen

Mit den Rolltreppen und Fahrstühlen im Potsdamer Hauptbahnhof gab es mehrfach Probleme.

Im Oktober/November 2011 war der Lift zum S-Bahnsteig kaputt. Als man endlich das Ersatzteil beschafft hatte, angeblich aus China, stellte sich beim Einbau des Teils heraus, dass noch etwas Anderes kaputt war und Ersatz beschafft werden musste.

Im Oktober 2013 hatte es Elmar Klemp schon mal erwischt, als er unten am Bahnsteig ankam und der Lift außer Betrieb war. Er setzte die Vorderräder seines Rollstuhls auf die Rolltreppe, klammerte sich an die Gummi-Handläufe, ließ sich hoch ziehen.

Im Frühjahr 2014 fiel der Fahrstuhl zu den S-Bahngleisen zwei Mal für längere Zeit aus und dann wieder im Juli.

Im Januar 2016 musste die Landesregierung wegen der Pannen Auskunft auf eine CDU-Anfrage geben und erklärte, sie habe da keinen Einfluss auf die Bahn.

Mobilitätsbeschränkte Menschen können über die benachbarten Bahnhöfe Potsdam-Charlottenhof und Berlin-Wannsee fahren, die mit Aufzügen ausgestattet sind. Weitere Möglichkeiten können über die Mobilitätszentrale der Bahn in Schwerin abgefragt werden. Kunden werden dort informiert, dass nur eine Möglichkeit mit Umstieg in Berlin-Wannsee und Weiterfahrt mit der S-Bahn möglich ist, oder als weitere Möglichkeiten ein Umweg über Potsdam Charlottenhof, Potsdam Park Sanssouci oder Werder (Havel) möglich wären. . Die Bahn räumte ein, die Information zum Aufzugstausch „nicht konsequent abgebildet“ zu haben, „weshalb es zu Fehlinformationen der Fahrgäste sowie Kunden kam.“ Dies sei inzwischen behoben. Für Elmar Klemp ist damit aber gar nichts behoben: „Ich werde gezwungen, erst zu einem anderen Bahnhof zu fahren, um meinen Zug zu bekommen“ sagt er: „Ich habe ein Recht darauf, wie jeder andere auch, meinen Zug da zu bekommen, wo er abfährt.“

Kein Fahrstuhl mehr zum Bahnsteig und zurück. Quelle: Rainer Schüler

Der Potsdamer Hauptbahnhof müsse „als wichtiger Verkehrsknotenpunkt für alle Kunden weiterhin nutzbar“ sein, verlangte am Montag auch der städtische Behindertenbeauftragte Christoph Richter. Die Züge auf Gleise umzulegen, bei denen der Aufzug weiterhin funktioniert, halte er für den „richtigen Schritt, damit auch rollstuhlfahrende Personen, Personen mit Rollator und Familien mit Kinderwagen den Potsdamer Hauptbahnhof barrierefrei und sicher erreichen und verlassen können.“ Er sei „sicher“, schrieb Richter der MAZ, „dass eine frühzeitige Bekanntmachung des Gleichswechsels mit dem Hinweis, dass damit auch der genannte Personenkreis weiterhin den Hauptbahnhof nutzen kann, auch bei vielen Kunden auf Verständnis trifft“ und somit eine geringere Zahl von Beschwerden auftreten. „Hier muss die Deutsche Bahn nachbessern“, erklärte Richter, „und eine aktive Informations- und Öffentlichkeitsarbeit leisten."

Von Rainer Schüler

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