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Kein Friede auf dem Kriegsspielplatz

Potsdam Krampnitz Kein Friede auf dem Kriegsspielplatz

Die Entwicklungssatzung der Stadt für 1700 Wohnungen auf rund 150 Hektar auf der ehemaligen Kaserne hat vor Gericht weitgehend standgehalten. Doch einen Startschuss für die dringend benötigten Wohnungen ist noch nicht in Sicht. Das hat weniger rechtliche als vielmehr persönliche Gründe. Über einen stiefmütterlich behandelten Ort.

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So idyllisch und friedlich, so naturnah und lebenswert könnte Krampnitz nach dem Willen der Planungsbüros aussehen.

Quelle: MAZARCHIV

Krampnitz.
Wer annahm, nach der Billigung der Entwicklungssatzung für Krampnitz durch das Oberwaltungsgericht Berlin-Brandenburg am letzten Montag – MAZ berichtete – stünde die Umsetzung nun quasi in den Startlöchern, muss seinen Optimismus noch dämpfen. Kramp­nitz ist als Kampfplatz konzipiert gewesen, und es scheint ein solcher zu bleiben – trotz der sehr günstigen Prognosen in den vorbereitenden Untersuchungen für eine Entwicklungsmaßnahme, trotz der Erfahrung der städtischen Immobilienholding Pro Potsdam mit dem Bornstedter Feld, das mittlerweile als Deutschlands erfolgreichste Entwicklungsmaßnahme gilt, trotz des höchstrichterlichen Beschlusses, der keinerlei Revision zulässt. Weder die Stadt noch die Pro Potsdam wollten gestern bestätigen, dass nun der Startschuss für eine Entwicklung falle – man warte noch den Ausgang weiterer Prozesse ab, etwa jener zwischen dem Land und der TG Potsdam, die sich dereinst als Erwerber der Flächen präsentierte, dann aber als nicht solvent erwies und Teile von Krampnitz’ wieder zurückgab. Die gesamte Angelegenheit war höchst dubios und von Filz überzogen, weshalb sich mehr als drei Jahre lang ein parlamentarischer Sonderausschuss im Landtag mit Krampnitz befasste.

Nun gilt der Gewinn der Prozesse als recht sicher, aber vorwagen möchte sich in Krampnitz offiziell niemand, für den unwahrscheinlichen Fall, dass das Land die Flächen doch nicht zugesprochen bekomme und sie infolgedessen auch nicht an die Stadt weitergegeben werden könnte. Pro Potsdam und Stadt erklärten zwar einmütig, sie freuten sich über den rechtlichen Sieg, der ein Meilenstein für die Entwicklung sei, aber von einem konkreten Auftakttermin sei man noch weit entfernt, vielmehr würde die Entwicklung weiterhin gründlich vorbereitet. Das wiederum wird sie, seit 2014 der Beschluss zur Entwicklungsmaßnahme fiel, dem schärfsten Schwert des Baurechts, das auch Enteignungen und vorzeitige Besitzeinweisungen möglich macht. Gewönne die TG Potsdam, heißt das im Klartext, würde Krampnitz lediglich teurer, aber nicht unmöglich.

Hitlers elitäre Reitschule

Der 1937 begonnene Ausbau des Militärstandortes Spandau/Gatow/Döberitz war am 1. September 1939 fertig und trug den Namen „Heeres Reit- und Fahrschule und Kavallerieschule Kramp­nitz“.

Zur Eröffnung besaß die Wehrmacht noch rund 600 000 Pferde, doch schon kurze Zeit später wurde dort auch an Motorrädern, Autos und Fahrrädern (!) ausgebildet, später an Schützen- und Spähpanzern.

Nicht zuletzt deshalb gilt Krampnitz auch als „Keimzelle der Panzeraufklärung“ in Deutschland. Hier fand der Übergang vom Pferd zum Auto statt.

Nach dem Krieg zog dort die russische Armee mit einer Panzerdivision ein. Sie gab das Gelände Ende 1991 zurück.

Zur Erinnerung: Geplant sind dort auf rund 150 Hektar Fläche etwa 1700 Wohnungen für das explodierende Potsdam, in Wassernähe und mit leidlicher Verkehrsanbindung – ein Tramast gehört zur Planung dazu. 680 Millionen Euro würde das zunächst kosten, aber über Verkäufe, Mieten und Steuereinnahmen rentiert sich diese Maßnahme nach Jahren deutlich, das Bornstedter Feld hat’s bewiesen.

Der Grund, warum Krampnitz immer noch ein wenig stiefmütterlich behandelt wird, obwohl sich offiziell ein jeder dazu bekennt, liegt tiefer – in persönlichen Befindlichkeiten und Verfilzungen, gerade in der SPD, die bei der Krampnitz-Affäre viele unschöne Details ans Licht der Öffentlichkeit kommen sah. „Wir sollten es machen, aber es hat keine Eile, vielleicht vergessen wir es auch noch“, sei das inoffizielle Motto, heißt es aus der mittleren Führungsebene des Bauamtes. Auch Quellen in der Pro Potsdam berichten Ähnliches. Seit Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) abgewählt wurde und der Krampnitz-Beauftragte der Stadt kurz darauf die Verwaltung verlassen musste, fehle der Druck von Seiten der Verwaltung, sagte ein hochrangiger Verwaltungsmitarbeiter der MAZ. Ihm zufolge sei es auch der mangelnde Wille der Stadt, der dazu geführt habe, dass der Aasberg beziehungsweise die „schöne Aussicht“ vom Gericht wegen ihrer Lage im Landschaftsschutzgebiet (LSG) am Montag aus dem Entwicklungsgebiet herausgelöst worden. Unter dem Druck der Stadt habe man das Umweltministerium so weit gebracht, dass es bereit war, den Geltungsbereich des LSG einzuschränken und die „schöne Aussicht“ damit dem Zugriff des Gerichtes zu entziehen. Die Anlieger, darunter Bauer Ernst Ruden, der elf Hektar von Krampnitz besitzt, freut es indes: Die Winterunterkunft seiner Rinder ist nun nicht mehr von Enteignung bedroht.

Wo am ersten Tag des Zweiten Weltkriegs eine Heeresreitschule eingeweiht wurde, wird so schnell also Friede nicht einkehren.

Von Jan Bosschaart

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