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Kein Rad ist noch sicher im Kirchsteigfeld

Kriminalität in Potsdam Kein Rad ist noch sicher im Kirchsteigfeld

Im Kirchsteigfeld haben sich die Vermieter Mühe gegeben mit der Fahrradsicherung: Man kann sein Velo in einen abschließbaren „Käfig“ sperren; viele schließen das Rad darin aber trotzdem noch mal an. Hat alles keinen Zweck, wie mehrere Bewohner der Eleonore-Prohaska-Straße leidvoll erfahren mussten.

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Diebstahlsopfer Michael Hoschek, Torsten Auerbach, Cornelia Melbert (v.l.) im Fahrradkäfig.

Quelle: Foto: Rainer Schüler

Kirchsteigfeld. Cornelia Melbert (55) ist stocksauer. „Das sind doch alles keine Zufälle mehr!“ Drei Fahrräder hat man ihr geklaut in nur einem Jahr, das letzte am 21. September, angeschlossen in einem abgeschlossenen Käfig: „Da denkt man doch, das ist sicher genug.“ Ist es aber nicht. Denn Melberts Fahrrad ist seit jenem Montag nur eines von sechs geklauten Velos im Bike-Port der Eleonora-Prochaska-Straße 6 des Kirchsteigfelds. Alle waren angeschlossen, aber in keinem Fall gibt es Einbruchs- oder Aufbruchspuren. Das Schloss des Abstellraums ist unversehrt; zerstörte Fahrradschlösser haben die Täter nicht zurückgelassen, Metallspäne vom Aufkneifen oder Aufsägen gibt es nicht. Spurenaufkommen? Null! Schlechte Karten für die Polizei, düstere Aussichten für die Bürger.

Einer der Beklauten indes hätte das alles vielleicht verhindern können: Michael Hoschek geht abends immer raus mit seinem Hund, einem Boxer, ein respektables Tier. So auch am 20. September, als das Rad von Nachbarin Carina Lypp verschwand. Als er am Fahrradkäfig im Carport vorbei kam, stand die Tür dort offen und drin ein junger Mann, den er in der Gegend schon ein paar Mal gesehen hatte: tadellos gekleidet, akkurat gestutzter Bart, graues Kapuzen-Sweatshirt, südländisches Aussehen, geschätzte 20 Jahre alt und etwa 1,75 Meter groß. Hoschek stutzte. „Was machste da?“ „Ich warte auf einen Kumpel.“ „Wohnt der hier im Haus?“ Der junge Mann verneinte. „Mach Dich weg hier“, herrschte Hoschek ihn an, ein Fehler, glaubt er heute: „Ich hätte den einfach im Käfig einschließen sollen“, sagt er: „Der Anfangsverdacht hätte dazu gereicht. Dann hätten wir geprüft, ob der Bursche einen Schlüssel hat zum Fahrradraum.“ Doch die Diebstahlsserie fing erst am selben Abend an, Hoschek wusste das noch nicht und ließ den Burschen ziehen, der es nicht besonders eilig hatte, das Handy demonstrativ am Ohr. „Vielleicht war der Kumpel dran“, meint Hoschek, „vielleicht nicht. Vielleicht war das der Täter, vielleicht nur ein Komplize.“ Keiner bei der Polizei hat ihn um Angaben für ein Phantombild gebeten. An Aufklärung glaubt in dem Mietshaus keiner. „Die Verwaltung muss was tun“, fordert Cornelia Melbert. „Doch die sagen nur, wir sollen Anzeige erstatten, damit die Polizei Statistik führen kann.“

Kann ich mein Fahrrad wirklich sichern?

Ein Fahrrad ist niemals sicher, und jedes Schloss ist knackbar. Die Frage ist nur, wie lange der Täter dafür braucht und wie auffällig der Diebstahl ist.

 

Am sichersten ist das Velo, wenn man drauf sitzt, es am Bett anschließt oder an die Zimmerdecke hängt, empfiehlt jemand in einem Internetforum. Zu lesen ist auch der Tipp, ein gutes Rad kindisch oder gammelig aussehen zu lassen, damit ein Dieb es übersieht.

Aber auch ohne dies kann man einiges tun für die Sicherheit des Bikes. Stabile Bügelschlösser, sogenannte U-Locks, sind am effektivsten, wenn sie gehärtete Bügel haben und mehrfach gesicherte Schlösser. Das Sicherheitslevel sollte möglichst hoch sein, am besten 15. Das entspricht einem Abus Granit X-Plus, dem besten Schloss am Markt.

Die unregelmäßig geformten Achsenmuttern von Pitlock oder Pinhead sichern die Räder und den Sattel.

Kaum ein Dieb möchte länger als drei Minuten für den Klau brauchen, erst recht, wenn der Tatort im Licht liegt. Das Rad sollte an einem Mast oder Ständer angeschlossen sein.

Beim Vermieter alt + kelber wähnt man den Täter im Kreis der Mieterschaft. Die hat Schlüssel, die zur Wohnung passen, zur Haustür, zum Müllraum, zum Fahrradkäfig eben auch. Die Schlösser in der Wohnungstür sind die sichersten, die für Bike-Port und Mülltonne die schwächsten.

Einige Mieter sind nachlässig, ziehen den Knauf der Käfigtür nicht zu hinter sich und schließen erst recht nicht ab. Doch es sind auch Fahrräder verschwunden, die zwei Schlösser hatten; eins davon am einbetonierten Ständer. Die Bewohner scheuen die Kosten für hochklassige Schlösser.

Die Verwaltung hat dem Vernehmen nach versprochen, das Schloss im Bike-Port auszutauschen und Schlüssel nur an jene Mieter auszugeben, die auch Fahrräder dort abstellen. Das grenzt den Kreis der Zutrittsfähigen erheblich ein, zu dem auch Post- und Zeitungsboten gehören, Reinigungskräfte und diverse Handwerker. Hilfreich wäre in Hoscheks Augen auch, die Käfige blickdicht zu machen, damit Diebe sich keine Beute aussuchen können. Sie sehen dann vor allem nicht, wie sicher ein Fahrrad abgeschlossen ist.

Von Rainer Schüler

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