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Keine Anklage nach Gully-Sturz in Potsdam

Familie entsetzt über Entwicklung Keine Anklage nach Gully-Sturz in Potsdam

Mitte Juni war am Potsdamer Hauptbahnhof eine 83-jährige, gehbehinderte Frau in einen ungesicherten Gullyschacht gestürzt und gestorben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft nach langen Ermittlungen ihr Verfahren gegen einen der beiden Kanalarbeiter, die eine Rohrinspektion durchführen sollten, wegen „geringer Schuld“ eingestellt. Die Familie ist darüber entsetzt.

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Kurz nach dem Unglück an der Unfallstelle: Der Gully war offenbar noch nicht abgesichert, als die von rechts gekommene Frau an der Straße mit ihrem Rollator vor einem Auto zurückwich und in den Schacht stürzte.

Quelle: Stähle

Potsdam . Nach dem tödlichen Sturz einer 83-jährigen, gehbehinderten Frau Mitte Juni n einen Gully-Schacht in Potsdam hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren jetzt wegen geringer Schuld eingestellt. Wenn der verantwortliche Kanalarbeiter eine Geldauflage zahle, sei das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung vom Tisch, sagte ein Justizsprecher am Mittwoch. Eine „Verkettung unglücklicher Umstände“ habe zu dem tragischen Unfall geführt. Das sei vergleichbar einem Wildunfall, bei dem ein Autofahrer eine Vollbremsung versucht oder das Auto verreißt und damit einen tödlichen Unfall verursacht. „Hier hatte ein kleiner Fehler eine dramatische Folge“, sagte Christoph Lange als Sprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber der MAZ.

Sie wollte einem Auto ausweichen

Die 83-jährige Frau wollte nach Polizeiangaben am späten Vormittag des 18. Juni zu ihrem Hausarzt nur wenige Hundert Meter neben der Wohnung in der Nähe des Potsdamer Hauptbahnhofs. Sie muss das zu dieser Zeit noch ungesicherte, offene Gullyloch ohne Probleme passiert haben, blieb an der Straße dicht dahinter mit ihrem Rollator stehen und trat wegen eines vorbei fahrenden Autos zurück. Dabei geriet sie ins Straucheln und stürzte knapp fünf Meter tief in den offenen Schacht. Dort sollte eine Kamera zur Kanalsondierung abgelassen werden. Das Einsatzfahrzeug der Stadtwerke fuhr rückwärts, als auch die Frau rückwärts ging. Dass sie abgestürzt war fiel nicht sofort auf, und als es auffiel, soll einer der beiden Kanalarbeiter, gegen den später ermittelt wurde, versucht haben, sie zu retten. Ein alarmierter Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen.

Familie entsetzt über die Entscheidung

Wie Lange sagte, orientiert sich die Geldbuße an den Verdienstmöglichkeiten des verantwortlichen Kanalarbeiters. Die Stadtwerke haben inzwischen ihre Einsatzfahrzeuge mit mobilen Gittern ausgerüstet, die um einen solchen Schacht so aufgebaut werden, dass niemand sie umstoßen und in den Schacht fallen kann.

„Die Stadtwerke haben offenbar aus der Sache gelernt“, sagte am Mittwoch Sieglinde Sipos, Tochter der verunglückten Anneliese Wolf. Sie sei entsetzt über die Entscheidung der Staatsanwaltschaft: „Wir haben uns sowas schon gedacht. Unser Anwalt machte da so Andeutungen.“ Stadtwerkechef Wilfried Böhme habe unmittelbar nach dem Unglück das Gespräch mit ihrem Vater Gerhard Wolf gesucht, aber über den Hergang des Unfalls nicht reden wollen. Deshalb schlug die Familie das Angebot aus. Eine schriftliche Entschuldigung bekam sie nie.

Ein Bild aus glücklichen Tagen

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Anneliese und Gerhard Wolf.

Quelle: Privat

Anneliese und Gerhard Wolf waren bis dahin 64 Jahre verheiratet. Sie haben einen Sohn und zwei Töchter. Gerhard Wolf lebt inzwischen in einem Pflegeheim.

Von Rainer Schüler

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