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Stern-Center: Kehrtwende überrascht viele

Handel in Potsdam Stern-Center: Kehrtwende überrascht viele

Die Nachricht, dass das Stern-Center nicht erweitert wird, hat in Potsdam für Verwunderung gesorgt. Experten und Politiker sind überrascht von den neuesten Entwicklungen. Einige freuen sich, weil von der geplatzten Expansion die Läden in der Innenstadt profitieren könnten. Andere befürchten, dass viele Kunden in die Nachbarstadt Berlin zum Shoppen fahren.

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Auf dem „wilden“ Holperparkplatz links sollte der Decathlon-Neubau stehen. Auch nach rechts waren Erweiterungen geplant.

Quelle: Foto: Lutz Hannemann

Am Stern.
Der Verzicht des Stern-Center-Managements auf die geplante Erweiterung schlägt Wellen in der Stadt. Einzelhandelspräsidentin Karin Genrich sagte, sie sei „überrascht von der Kehrtwende“. Die Entscheidung tue „der Innenstadt gut“. Genrich zitiert Markterhebungen, wonach der deutsche Einzelhandel mindestens 20 Prozent der Kaufkraft an Internetanbieter verloren hat – das spüre auch das Stern-Center. In der Innenstadt blieben Kunden weg. Center-Manager Christian Frauenstein aber sieht keinen negativen Einfluss des Online-Handels auf den Kundenstrom: „Es gab keinen Rückgang der Kunden“, versichert er. „Gäbe es den, wäre es unlogisch, zehn bis 15 Millionen Euro zu investieren.“ Man müsse dringend die Aufenthaltsqualität der Ladenstraße und das Lichtkonzept verändern. Für die Sparvariante einer Innenerweiterung statt der Außenneubauten und der Nutzbarmachung eines Teils des Parkdecks hätte man zuviel Versorgungstechnik verlagern müssen: „Das hätte sich nicht gerechnet.“ Was am Branchen- und Ladenmix zu verändern ist, sei noch unklar.

Warum aber rüsten die Berliner Einkaufsmeilen – nicht zuletzt die boomende Schlossstraße im nahen Berlin-Steglitz – trotzdem weiter auf, während das größte Potsdamer Center sich auf innere Werte besinnen will?

Expertin will Potsdam als Shopping-City etablieren

Genrich, die Einzelhandelspräsidentin für Berlin und Brandenburg, sieht den Tourismus als unschätzbaren Verbündeten der Berliner Malls – ein Potenzial, das in Potsdam ungenügend genutzt werde. „Berlin ist als Einkaufsstadt angenommen, während viele Potsdam-Touristen in Sanssouci abgeladen werden, dann eine halbe, dreiviertel Stunde zum Einkaufen hetzen und sagen: Gleich geht mein Bus!“ Die Besucher ließen zu wenig Geld in der Stadt. Deshalb sei es zwingend notwendig, dass Potsdam sich stärker als Einkaufsstadt vermarktet: „Wir brauchen eine andere Außendarstellung. Wir können nur mehr Kunden gewinnen, wenn wir mit Individualität, Schönheit, Kleinteiligkeit, Schönheit punkten.“ Im Stern-Center seien viele Geschäfte, die es so auch in jeder anderen größeren Stadt in Deutschland gebe.

Handelsverbandschef: Attraktivität zeigt sich durch Quantität

Eine „echte Überraschung nennt Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg die Rücknahme der Expansionspläne am Stern. Zuletzt habe das Management die Erweiterung noch entschlossen vorangetrieben: „Die Vorbereitungen waren getroffen.“

Niels Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin Brandenburg, bleibt vorsichtig. Potsdam habe sehr lange Zeit „restriktiv“ auf die Entwicklung des Stern-Centers reagiert und sich auf die Innenstadt konzentriert. „Ich weiß nicht, ob sich solch eine Linie dauerhaft durchsetzen lässt“, sagt der Handelsverbands-Chef. Die Attraktivität eines Standortes zeige sich nicht nur in der Qualität, sondern manchmal auch in der Quantität. Das Stern-Center habe sich zu einem „guten Einkaufszentrum in hervorragender Lage mit einer hervorragenden Verkehrsanbindung entwickelt“. Auf die Zentren in Berlin und Umland könne man durchaus auch mit einer Qualitätsoffensive reagieren: „Potsdam hat interne Probleme bisher immer auf die Reihe bekommen.“ Alice Paul-Lunow, Sprecherin der AG Holländisches Viertel, steht Erweiterungsplänen des Centers kritisch gegenüber. Es gelte, die inhabergeführten Läden in der Stadt zu schützen, sagt sie: „Viele Touristen besuchen Potsdam nicht nur wegen Sanssouci. Sie wollen auch bummeln und shoppen. Darum sollte man alle Reserven auf die City konzentrieren: „Wenn sich Potsdam so weiter entwickelt, wie geplant, gibt es diese Konkurrenz in zehn bis 15 Jahren vielleicht nicht mehr.“

Von Ulrich Wangemann

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