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Potsdam Kicker ohne Plätze
Lokales Potsdam Kicker ohne Plätze
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01:15 15.06.2018
Dieser Platz soll weg: USV-Vorsitzender Berno Bahro auf dem Rugby-Sportplatz am Uni-Campus hinterm dem Neuen Palais. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Mit dem Sportentwicklungsplan 2013 war Berno Bahro noch voller Hoffnung. „Das war ein spannender Ansatz – es wurde genau geguckt, was die Bevölkerung, der Vereins- und der Schulsport brauchten.“ Und dennoch wurde schon damals deutlich: Es fehlen in Potsdam Flächen für Sport. Obwohl neue Hallen dazugekommen sind, ist der Vorsitzende des Universitätssportvereins Potsdam (USV) überzeugt, dass sich die Gesamtsituation nicht verbessert hat: „Man kann der Stadtverwaltung bescheinigen, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht – aber dem enormen Wachstum von Potsdam nicht standhält.“

Mehr Mitglieder, keine Fläche

Auch der USV hat sich vergrößert. In den letzten vier Jahren ist der Verein von 1000 auf 1400 Mitglieder gewachsen. „Und wir könnten noch mehr aufnehmen“, sagt Bahro. „Das Problem ist, dass wir keine Hallenzeiten haben, um Kurse anzubieten.“ Besonders hart treffe den Verein die Verlegung der Sportstätten hinter dem Neuen Palais. Die Flächen an der Lindenallee werden wieder parkartig gestaltet, so dass Tennisplätze, sowie die Rugby- und Baseballfläche und das Fußballfeld mit Leichtathletikbahn bis spätestens 2022 weichen müssen. „Dafür muss Ersatz geschaffen werden“, fordert der Vereinschef. Weil allein Leichtathletik und Fußball zum Hochschulsport gehören, müssen Rugby, Tennis und Baseball nun umziehen – zum Teil ans andere Ende der Stadt. „Das Problem dabei ist bekannt: Es fehlen Flächen“, sagt Bahro. Der Verein sei gesprächsbereit, möchte sich engagieren. So würden sie sich alleine um neue Tennisplätze kümmern.

In Golm konnten sie eine Fläche für sechs neue Tennisplätze pachten. Im nächsten Jahr soll der Bau dafür fertig sein. Die Kosten: 600 000 Euro. 150 000 Euro haben sie als Fördermittel vom Land bekommen, den Rest müsse der USV allein aufbringen. „Dieser Eigenanteil ist unzumutbar“, sagt Bahro. „Man kann sich nicht darauf verlassen, dass Vereine Flächen suchen und sich hochgradig verschulden.“ Besser läuft es für die Verlegung von Rugby und Baseball. Diese Sportarten bekommen jetzt – fern des Campus – in Neu Fahrland einen wettkampftauglichen Platz mit neu errichteten Sanitäranlagen. In ein bis zwei Jahren sollen dafür die Planungen starten. „Die Stadt ist uns sehr entgegengekommen und versucht das Optimale rauszuholen“, berichtet Bahro.

Nach oben bauen

Die Probleme des USV gehören zu den brennendsten im Potsdamer Sportbereich, bestätigt auch Anne Pichler, Geschäftsführerin des Stadtsportbunds. Grundsätzlich hapert es in der Landeshauptstadt an geeigneten Außenflächen. Vor allem im dicht bebauten Babelsberg und in Zentrum Ost, sowie im Potsdamer Norden ist der Bedarf extrem groß. Um das Dilemma zu lösen, möchte die Stadt neue Sportanlagen künftig mit der Entwicklung von Schulstandorten verbinden. Darüber hinaus prüfe man im gesamten Stadtgebiet einzelne Standorte, so Torsten Gessner, Leiter des Bereichs Sport bei der Stadt.

Bei der Erschließung neuer Wohngebiete wie in Krampnitz müssten Sportflächen gleich planerisch mitbedacht werden, fordert Pichler. Ihr Vorschlag, um der Misere Herr zu werden: „Die Flächen werden nicht mehr. Langfristig müsste man also nach oben gehen.“ Damit ist gemeint, zum Beispiel auf den Dächern von Einkaufszentren Bolzplätze zu bauen. Keineswegs eine absurde Idee. So soll in München ein solches Projekt derzeit auf dem Dach eines Flüchtlingshauses realisiert werden. „Es gibt doch auch Pools auf dem Dach, warum nicht auch Sportplätze“, so Pichler.

Fußball stehe an erster Stelle auf der Beliebtheitsskala der Potsdamer, weiß Pichler. „Dazu kommt, dass sich immer neue Sportarten wie American Football etablieren und mit dem Fußball konkurrieren.“

Die meisten Vereine würden derzeit an ihre Kapazitäten-Grenze stoßen. „Viele Menschen wollen mitmachen, kommen aber nicht mehr rein“, sagt Pichler. Besonders betroffen sind der SV Babelsberg 03, FSV Babelsberg 74 und die Potsdamer Kickers 94.

Vereinsleben findet nicht statt

Die Kickers starteten 1994 mit einer Mannschaft. Heute zählt der Verein rund 420 Mitglieder. Ein Teil der Fußballer trainiert am Luftschiffhafen und in Neu Fahrland, ein anderer Teil an der Karl-Foerster-Grundschule in Bornstedt. „Durch die Angliederung an die Schule geht es uns im Verhältnis zu anderen Vereinen noch gut“, sagt Vereinschef Wolfgang Schaffernicht und ergänzt sogleich: „Obwohl es nicht zufriedenstellend ist.“ Vor zwei Jahren wurde auf dem Bolzplatz die Kunstrasendecke erneuert. „Zum Schluss haben wir wie auf Beton gespielt – da hatten selbst die Zehnjährigen Kreuzschmerzen“, so der 66-Jährige. Für Wettkämpfe sei der Platz aber immer noch ungeeignet, weil er viel zu klein sei. „Tja, wir können ja nicht woanders hin“, sagt er resigniert. Das sei auch für das Vereinsleben der Kickers abseits von Training und Wettkampf belastend, erzählt er. In der Karl-Foerster-Schule gibt es zwar einen kleinen Klubraum, aber die Trainer würden – überspitzt gesagt – mit den Bällen im Auto campieren. „Die Möglichkeiten, die wir in der Stadt haben, sind nicht besonders gut. Wir richten uns aber danach ein“, sagt Schaffernicht. Was ihn heute milde stimmt, ist die Hoffnung auf das nächste Jahr. Bis Ende 2019 soll der Verein am Lerchensteig einen Platz zum Tore schießen bekommen. „Es ist Licht am Ende des Tunnels“, sagt auch Anne Pichler.

Von Anne Knappe

Das Potsdamer Theater „Poetenpack“ übt derzeit für ihr neues Stück „Das Spiel von Liebe und Zufall“ ein. Am 5.Juli ist die Premiere am Neuen Palais. Die Proben können im Potsdamer Seesportclub noch bis September laufen – danach muss das Theater Ersatz finden.

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