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Kikwajuni: Ein Viertel, von der DDR gebaut

Städtepartnerschaft Potsdam-Sansibar Kikwajuni: Ein Viertel, von der DDR gebaut

Es war damals ein Vorzeigeprojekt der DDR-Aufbauhilfe: das Viertel Kikwajuni in Sansibar-Stadt. Doch heute wirkt das einstige Prestigeprojekt heruntergekommen, wie die Potsdamer Delegation beim Spaziergang durch das Viertel erleben muss. Die Gartenstadt Drewitz will sich nun für Kikwajuni stark machen.

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Kikwajuni, einst Vorzeigeprojekt der DDR-Aufbauhilfe, wirkt heute heruntergekommen.

Quelle: Ildiko Röd

Sansibar. „Abreißen und neu bauen - das würde man es wenigstens in Potsdam machen.“ So kategorisch fiel das Urteil von Pro-Potsdam-Architekt Thomas Nolte aus, als die Delegation aus Potsdam das Viertel Kikwajuni (Kleiner Tamarindenbaum) am Rande der Altstadt besuchte.

Vorzeigeprojekt der DDR-Aufbauhilfe

Gedenktafel in Kikwajuni, die an die Entstehung des Viertels erinnert

Gedenktafel in Kikwajuni, die an die Entstehung des Viertels erinnert.

Quelle: Ildiko Röd

Ein Abriss käme für Nolte aber schon alleine wegen der Entstehungsgeschichte der Siedlung nicht infrage: „Sie hat auch einen kulturellen Wert.“ Mitte der 60er Jahre waren die 14 dreistöckigen Wohnblöcke ein Vorzeigeprojekt der DDR-Aufbauhilfe gewesen. Früher gab es einen Supermarkt im Quartier, Straßenbeleuchtung und einen Spielplatz.

Thomas Nolte beim Rundgang durch Kikwajuni

Thomas Nolte beim Rundgang durch Kikwajuni.

Quelle: Ildiko Röd

Jetzt sieht die Siedlung von Ferne aus wie ein Mini-Plattenbaugebiet, das in einen Tornado geraten ist, der alles durcheinander gewirbelt hat. Überall liegt Müll herum. Eine organisiere Müllabfuhr scheint - wenn überhaupt - nur sporadisch vorbeizukommen. Die jährlichen Regenzeiten mit Regengüssen, die das Wasser binnen Sekunden knietief stehen lassen, haben an den Wänden dunkle Spuren hinterlassen.

Auch das Innenleben der Häuser birgt Überraschungen beim kleinen Rundgang der Delegation: „Ich bin an einem Küchenfenster vorbei und habe drinnen ein Huhn gehört, das gackerte - anscheinend hatte es gerade ein Ei gelegt“, erzählte Nolte.

Einblicke in einen Alltag, in dem die Menschen meist von der Hand in den Mund leben müssen. Der offizielle monatliche Mindestlohn liegt bei 120 Euro monatlich, aber es geht auch noch deutlich drunter: Auf 60 bis 70 Euro kommen Gärtner oder Wachdienstmitarbeiter - und die sind noch die Privilegierten in einem Heer von Menschen, die sich zum Beispiel als Straßenverkäufer durchschlagen müssen oder von ihren Familien mit durchgefüttert werden.

Kikwajuni

Kikwajuni.

Quelle: Ildiko Röd

„Gardencity Drewitz goes Kikwajuni Zanzibar“

Seit ein paar Jahren pflegt die Gartenstadt Drewitz Kontakte zu Kikwajuni. Das Projekt „Gardencity Drewitz goes Kikwajuni Zanzibar“ ist in die Klimapartnerschaft der Landeshauptstadt mit der neuen Partnerstadt eingebettet. Zwei sansibarische Studenten waren ein halbes Jahr in Drewitz, um die Umgestaltungsprozesse zur Gartenstadt zu untersuchen.

Während des Besuchs der Delegation kam es nun zur feierlichen Besiegelung der Zusammenarbeit. Kati Anton von der Bürgervertretung Drewitz und ein Ältester der hiesigen Bürgervertretung - ein alter Mann mit einem weißen Käppi und langem traditionellem Gewand – unterschrieben im Beisein von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) einen „Letter of Intent“ mit Zielen der Zusammenarbeit.

Einwohnerin von Kikwajuni

Einwohnerin von Kikwajuni.

Quelle: Ildiko Röd

Zur Unterzeichnung waren auch viele Leute aus dem Wohnviertel ins Jugendzentrum gekommen. Mit feierlichen Gesichtern nahmen sie auf den Stühlen Platz, dann standen Einheimische und Gäste der Reihe nach auf, um sich vorzustellen. Das Ganze hatte etwas Schönes und Berührendes. „Ich lebe seit meiner Geburt hier“, erzählte eine 50-jährige Frau in einem der typischen farbenprächtigen Gewänder. Zu sechst wohnen sie jetzt in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Ob sie je übers Wegziehen nachgedacht hat? „Nein, nein“, sagt sie aus tiefster Überzeugung. Und es verwundert nicht. Schließlich wurden die Wohnungen einst den Erstbewohnern von der Regierung geschenkt, heute leben oft schon deren Kinder mit ihren Familien hier.

Dass es sich um Privateigentum handelt, ist aus Sicht von Thomas Nolte allerdings eher ein Problem für eine mögliche Sanierung. „Hier müssten ganz viele Interessen unter einen Hut gebracht werden“ Was jedoch noch schwerer wiegt: „ Können sich diese Wohnungseigentümer überhaupt eine Sanierung leisten?“ Wohl kaum. Aber eine Art Sofort-Notfallhilfe wäre durchaus machbar. Wenigstens der Putz sollte erneuert werden, damit das Wasser nicht weiter ins Haus läuft. Aber gibt es überhaupt ausreichend qualifizierte Handwerker? Auch die Rohre müssten nach über 50 Jahren endlich erneuert werden. Etliche sind defekt. Viele Hausbewohner holen ihr Wasser von anderswo.

Kikwajuni hat ein Müllproblem

Kikwajuni hat ein Müllproblem.

Quelle: Ildiko Röd

Wie kann Potsdam konkret helfen?

Und dennoch: im Vergleich zu anderen Wohnvierteln steht Kikwajuni anscheinend gar nicht so schlecht da. Wie Potsdam konkret helfen kann? „Die Grünanlagen wären schon mal ein Anfang - man müsste die Bewohner dafür sensibilisieren, selbst den Müll aufzusammeln“, sagte Thomas Nolte nach dem Rundgang nachdenklich. Dass der Müll dann auch tatsächlich auf eine Deponie kommt, müsste wiederum der Stadtverwaltung nahe gebracht werden. Eines ist klar: Es wird wohl ein langer Weg mit vielen kleinen Schritten.

Mehr unter MAZ-online.de/sansibar

Von Ildiko Röd

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