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Potsdam Etwas weniger Kindeswohlgefährdungen in Potsdam
Lokales Potsdam Etwas weniger Kindeswohlgefährdungen in Potsdam
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00:22 28.03.2019
Mädchen sind in 56 Prozent der Fälle die Opfer. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Potsdam

Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in der Stadt hat im vergangenen Jahr abgenommen. Das geht aus dem aktuellen Kinderschutzbericht des Jugendamts hervor. Demnach wurden 2018 insgesamt 281 Verdachtsfälle gemeldet, von denen sich 54 als akute Kindeswohlgefährdungen herausstellten. 2017 waren noch 374 Fälle gemeldet worden, damals hatten sich 62 Fälle bestätigt.

Zehn Kinder wurden 2018 zu ihrem Schutz aus ihren Familien genommen – doppelt so viele wie 2017.

In knapp der Hälfte der bestätigten Fälle sind die Leidtragenden im Grundschulalter, ein Viertel der sind Kleinkinder unter drei Jahren. Vor allem Vernachlässigung haben die Sozialarbeiter des Jugendamts festgestellt, aber auch körperliche und seelische Misshandlungen und sechs Fälle von sexueller Gewalt an Kindern. Bei einem Verdachtsfall kommen die meisten Meldungen von Nachbarn und Bekannten oder von der Polizei. Aber auch Ärzte, Erzieher und Eltern wenden sich ans Amt.

Jugendamt mit zahlreichen Partnern

Nadine Kronemann ist die Kinderschutzkoordinatorin der Landeshauptstadt, sie hat den Bericht erstellt. Die Zahl der Verdachtsfälle findet sie nicht sehr aussagekräftig: „Grundsätzlich spricht es für eine hohe Sensibilität, wenn viele Fällen uns herangetragen werden“, sagt sie. Es sei aber auch ein gutes Zeichen, wenn weniger Fälle an das Amt gemeldet würden. „Das zeigt, dass das Fachpersonal, also zum Beispiel Lehrer und Erzieher, an vielen Stellen regulierend eingreifen und helfen kann“, sagt Nadine Kronemann. Das Jugendamt arbeitet mit Kooperationspartnern zusammen.

Jede Anzeige wird überprüft

Mädchen sind etwas häufiger betroffen als Jungen: Im vergangenen Jahr waren 56 Prozent der jungen Opfer weiblich, 44 Prozent waren männlich.

Für das Jugendamt gibt es viele Informanten. So stammen sechs Prozent der Anzeigen von Ärzten, 13 Prozent aus Kitas und Schulen. Acht Prozent der Anzeigen waren anonym.

Jeder einzelnen Meldung wird nachgegangen. Nach einer Risikobewertung wird das weitere Vorgehen beschlossen.

„Die Schulen für den Kinderschutzauftrag zu sensibilisieren und die Sozialarbeit an Schulen immer mehr zu etablieren, ist enorm wichtig“, sagt Nadine Kronemann. Denn anders als im Kitaalter gebe es hier die Pflicht zum Besuch der Bildungseinrichtung: „Im Grundschulalter werden Kinder intensiv gesehen.“ Die ständige Betreuung durch Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter mache das System undurchlässig.

„Wenn es Entwicklungsdefizite gibt, können die in der Grundschule nicht mehr versteckt werden. Bei einem Vierjährigen denkt man oft noch, es sei einfach das Alter, aber bei einem Achtjährigen eben nicht mehr“, sagt sie. Das sei auch der Grund für die Vielzahl an entdeckten Fällen in dieser Altersstufe. „Dann werden auch die meisten Diagnosen gestellt.“ Allerdings, sagt Nadine Kronemann, sei es dann leider auch oft schon zu spät. „Wenn Eltern ihre Kinder sechs Jahre lang emotional vernachlässigen, kann das kaum noch aufgeholt werden.“

29 Sozialarbeiter in drei Regionalteams unterwegs

Umso wichtiger ist der Kinderschutzkoordinatorin der sensible Umgang bei Verdachtsfällen. Auch Kita-Erzieherinnen und Tageseltern hält das Jugendamt an, Eltern im Zweifel anzusprechen. Genauso empfiehlt Nadine Kronemann auch Nachbarn und Bekannten zu handeln. „Wenn man merkt, dass in der Wohnung nebenan immer wieder Remmidemmi ist, dass geschrien wird, dann sollte man die Eltern mal ruhig und ohne Vorwürfe fragen, ob sie vielleicht Hilfe brauchen.“

Die Hilfsangebote hält dann das Jugendamt bereit. 29 Sozialarbeiter kümmern sich in drei Regionalteams um die Familien. Bei einem konkreten Verdacht werden die Eltern meist zu einem Gespräch eingeladen – je nach Fall kann die Reaktion des Amts aber auch anders aussehen. „Das kommt wirklich auf viele Faktoren an“, sagt Nadine Kronemann.

Niemand muss Angst haben, dass das Kind einfach weggenommen wird

Niemand müsse aber Angst haben, dass das eigene Kind einfach weggenommen wird. „Es geht uns um Beratung, um Hilfe für die Familien und natürlich in erster Linie immer um die Kinder.“ Die so genannte Inobhutnahme ist der stärkstmögliche Eingriff, daneben stehen Möglichkeiten zur Erziehungshilfe, Umgangsberatung und die Anrufung des Familiengerichts.

Und auch, wenn keine akute Kindeswohlgefährdung vorliegt, heißt es oft nicht, dass die Arbeit des Jugendamts beendet ist: In 101 der gemeldeten Fälle hat sich der Verdacht nicht bestätigt, doch Amt und Familie bleiben dennoch in engem Kontakt. „Hilfebedarf“ heißt das in der Amtssprache. Bei Schulkindern kann das zum Beispiel heißen, dass sie nach dem Unterricht eine Tagesgruppe besuchen, in der sie intensiv sozialpädagogisch betreut werden.

Von Saskia Kirf

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