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Potsdam Kindeswohlgefährdung: Mehr Verdachtsfälle
Lokales Potsdam Kindeswohlgefährdung: Mehr Verdachtsfälle
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06:15 13.11.2017
Quelle: dpa
Potsdam

309 Meldungen zum Verdacht auf Kindeswohlgefährdung haben das Jugendamt der Landeshauptstadt Potsdam in diesem Jahr bereits erreicht. In 81 Fällen musste die Behörde laut Stadtsprecherin Friederike Herold einschreiten und im Einvernehmen mit der Familie ambulante Unterstützung oder stationäre Hilfen zur Erziehung – etwa die Unterbringung in einer Krisenwohnung oder im Kinderheim – einleiten. Fünf Mal wurden laut Herold Kinder und Jugendliche in Obhut – also gegen den Willen der Eltern aus der Familie – genommen. Zumeist hatten Bekannte, Nachbarn und die Polizei Alarm geschlagen. Vernachlässigung ist der häufigste Grund, Kinder aus der Familie zu nehmen.

Potsdam liegt im mittleren Bereich

Im Vergleich zu den übrigen kreisfreien Städten in Brandenburg befindet sich Potsdam laut Herold zwar im mittleren Bereich der Meldungseingänge. Dennoch sind innerhalb der verstrichenen zehn Monate bereits mehr Risiko-Meldungen eingegangen als in den vergangenen zwei Jahren. Zum Vergleich: 2016 prüfte das Jugendamt 293 Verdachtsfälle, 266 im Jahr 2015.

„Es besteht kein Grund zur Sorge, jedoch sind wir alle im Sinne der staatlichen Gemeinschaft und als Privatperson dazu aufgefordert wachsam zu sein und zu bleiben“, sagt Nadine Kronemann, Potsdams Kinderschutzkoordinatorin. „In den letzten 10 bis 15 Jahren ist die Sensibilität für das Thema Kinderschutz in der Bevölkerung und im Arbeitskontext derer, die mit Kindern und Jugendlichen beruflich in Kontakt stehen, stetig gestiegen.“ Dies sei ein Grund der zunehmenden Verdachtsmeldungen, auch rechtliche Veränderungen spielen eine Rolle.

Viel Geld zum Schutz von Kindern und Jugendlichen

Das Jugendamt geht jeder Meldung nach. Sozialarbeiter nehmen laut Stadtsprecherin unverzüglich eine erste Risikoabschätzung vor. Wähnen sie eine akute Gefährdung, werden sie sofort aktiv, nehmen das Kind in Augenschein und leiten Schutzmaßnahmen ein. 2017 wendet Potsdam laut Stadtsprecherin 30,3 Millionen Euro für die Hilfen zur Erziehung auf und 700 000 Euro für die Förderung der Erziehung in der Familie. 300 000 Euro fließen in die Jugendsozialarbeit und in den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz sowie 4,2 Millionen Euro in die Hilfen für junge Volljährige und Inobhutnahmen.

Kindeswohlgefährdung erkennen

Misshandlung und Vernachlässigung gehen laut der Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg sehr häufig einher mit Stress in den Familien, mit Armut, sozialer Isolation oder psychischer Erkrankung.

Viele Risikofamilien sind den Behörden zwar bekannt, dennoch können sie die verantwortungsvolle Aufgabe des Kinderschutzes nicht allein bewältigen. Wenn einem Kind oder Jugendlichen Schaden droht oder zugefügt wird, sind daher alle aufgefordert hinzuschauen und einzuschreiten.

Nicht jeder blaue Fleck ist ein Anzeichen für Misshandlung. Wer sich an seine eigene Kindheit erinnert weiß, wo „normale“ blaue Flecken entstehen: an den Schienbeinen, an den Knien, an den Außenseiten von Armen und Beinen. An anderen Stellen sind blaue Flecken auffällig.

Wiederkehrende äußere Verletzungen sind aber nur ein Anzeichen für eine mögliche Gefährdung. Oft reagieren Kinder und Jugendliche, die häufiger geschlagen werden und wenig Liebe erfahren, auch mit Verhaltensauffälligkeiten wie Schulschwänzen oder Ladendiebstahl. Manche trauen sich nicht mehr nach Hause und streunen umher. Kleinere Kinder zeigen oft Distanzlosigkeit gegenüber Fremden.

Weitere Anzeichen sind häufig direkt in der Wohn- und Lebenssituation der Kinder zu erkennen: Den Kindern fehlt es zuhause am Notwendigsten. Sie besitzen zum Beispiel keine jahreszeitgemäße Kleidung. Auch ein sehr rauer Umgangston in der Familie kann ein Indiz sein. In Familien, in denen Kinder Gewalt ausgesetzt sind, herrscht diese oft auch zwischen den Eltern, die häufig in ihrer Kindheit selbst Gewalt erleben mussten.

Von Nadine Fabian

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