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Kinosessel unterm Hammer

Potsdamer Filmcafé Melodie geschlossen Kinosessel unterm Hammer

Das war’s für das Filmcafé Melodie in der Potsdamer Innenstadt: weil der Vermieter lieber dem Einzelhandel ein Heim bieten möchte, muss das „Melodie“ schließen. Am letzten Geschäftstag kamen Belegschaft und Gäste zusammen, doch es wurde nicht nur getrauert. Auktionator Frank Ehlert brachte die Einrichtung unters Volk, so manches Schnäppchen erfreute seinen Käufer.

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Christiane Niewald und das Thalia Kino bieten dem roten Sofa ein neues Zuhause.

Quelle: Köster

Potsdam. Eine seltene Gelegenheit bot sich am Freitag im Filmcafé Melodie. Inhaber André Hobusch muss das ebenso beliebte wie geschichtsträchtige Café schließen, der neue Eigentümer will das Gebäude in bester Innenstadtlage anderweitig nutzen. Zum Abschluss kam am Freitag jeder einzelne Einrichtungsgegenstand unter den Hammer. Die Liste der aufgerufenen Objekte umfasst über 100 Inventarnummern, darunter Kronleuchter, Tische, Kühlschränke, ein altes Klavier, das beliebte rote Sofa und diverse Kinodevotionalien.

Unter den Interessenten: Gäste, Gastronomen, Gewerbetreibende

„Ich sage, die gehen für 500 Euro weg.“ Prüfend lässt Enrico Schulze den Blick über fünf rote Kinosessel schweifen. Schulze möchte eigentlich gar nichts kaufen, „aber ein bisschen Bargeld habe ich schon eingesteckt“, verrät er. Tibor Szabo und Antje Missal sind wirklich wegen der Kinosessel in die Friedrich-Ebert-Straße gekommen. Sie hoffen auf ein Schnäppchen, ihr selbst gesetztes Budget liegt bei 180 Euro – „allerdings brauchen wir nicht unbedingt alle fünf, vielleicht können wir uns ja mit jemandem zusammentun“, hofft Antje Missal. Tabea Röber hingegen hat ein Auge auf die Tische im Innenhof geworfen. Mit ihren 17 Jahren darf sie noch nicht selbst mitbieten, daher hat die Schülerin ihre Mutter als Verstärkung mitgebracht. Die Gymnasiastin schaut mit Wehmut auf die nummerierten Klebezettel, die an den Tischen angebracht sind und auf die Auktionsnummern hinweisen. „Ich möchte versuchen, meine Mutter zu überreden, einen der Tische zu kaufen“, sagt sie, „denn meine Freunde und ich waren fast jeden Tag hier. Ich bin wirklich traurig, dass dieser Treffpunkt weg fällt.“ Unter den rund 80 Auktionsinteressenten tummeln sich auch diverse Gastronomen und Geschäftsleute.

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Das Café schließt, die Einrichtung bekommt ein neues Zuhause. Die MAZ war bei der Versteigerung im Filmcafé Melodie dabei und zeigt die schönsten Devotionalien und ihre glücklichen neuen Besitzer.

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„Ich brauche einen großen Kühlschrank mit Glastür“, sagt Michael Britzke vom Braukontor in Potsdam-West. „Natürlich ist es seltsam, hier die Einrichtung so zu begutachten, aber auf diese Weise kommt den Kollegen vom Melodie wenigstens noch etwas Geld zu.“ Zunächst jedoch ersteigert er einen Klavierhocker, „den habe ich auch schon lange gebraucht“, versichert er. Das Startgebot hatte bei einem Euro gelegen, den Zuschlag bekam Britzke bei 14 Euro. Weniger Preissteigerung mussten Bernd Ruppin und sein Sohn Arwed Meier hinnehmen, sie sind die neuen glücklichen Besitzer zweier Topfpflanzen und einer Dick-und-Doof-Statue. „Auf die haben wir sofort ein Auge geworfen“, freut sich Bernd Ruppin, „und bei 60 Euro kann man nun wirklich nicht meckern.“

„Die Preise hat größtenteils der Inhaber festgelegt“, erklärt Auktionator Frank Ehlert, „natürlich werden wir nicht bei jedem Artikel das aufgerufene Mindestgebot erzielen, aber da kann man dann nachverhandeln.“Pünktlich um 12 Uhr mittags beginnt Ehlert die Versteigerung im Filmcafé. Dessen Chef André Hobusch ist indes Im Hof in Verhandlungen verwickelt, jemand interessiert sich für die Lüftungsanlange. Gastronom Hobusch sieht die Auktion als Abschluss des Projekts „Melodie“ an: „Die Einnahmen sind ein Schmerzensgeld, ich bin traurig, dass wir schließen müssen.“ Die Pläne des Eigentümers, anstelle des Cafés weiteren Einzelhandel in der Friedrich-Ebert-Straße anzusiedeln, sieht er sehr kritisch, Hobusch hofft dabei, „dass das schöne Haus nicht vollends kaputtsaniert wird.“

Versteigerung: So macht man es richtig

Um an einer Auktion teilnehmen zu können, muss zunächst einen gültigen Personalausweis oder Reisepass vorlegen und die Geschäftsbedingungen des Auktionator schriftlich anerkennen. Das passiert vor Ort bei der Anmeldung..

Vor der Auktion sollte man einen Blick in die Liste werfen, in der die zur Versteigerung stehenden Gegenstände verzeichnet sind. So verpasst man die interessanten Dinge garantiert nicht und kann sich einen Überblick über die aufgerufenen Preise verschaffen.

Das höchste Gebot bekommt den Zuschlag, klar. Aber Achtung! Zusätzlich fallen noch 15 Prozent Gebühren und 19 Prozent Mehrwertsteuer an.

Bei Auktionen ist es üblich, auch größere Beträge bar zu zahlen und die ersteigerten Artikel sofort mitzunehmen. Aber natürlich wird auch ein ausgemachter Abholtermin oder – besonders bei hohen Beträgen – die Bitte um eine Rechnung akzeptiert.

Das Sofa bleibt im Filmbusiness

„Ich bin wirklich gespannt, was das Sofa bringt“, sagt Sabine Steinke, „eigentlich wollte ich mir das hier nicht antun, aber dann war ich doch neugierig“. Steinke arbeitete im „Melodie“ an der Bar, schon oft hätten Gäste Interesse am bequemen Plüschsofa bekundet, sagt sie. Ein Blick in die Auktionsliste verrät einen Startpreis von 200 Euro, beim Aufruf hebt sich jedoch keine der Bieterkarten. Auktionator Ehlert ist überrascht: „Will wirklich niemand dieses schicke Teil zu Hause haben?“, fragt er verblüfft. Für 175 Euro geht das ausgefallene Sitzmöbel schließlich an Christiane Niewald – und wird den Potsdamer Filmbegeisterten damit erhalten bleiben, denn Christiane Niewald ist die Programmplanerin des Babelsberger Thalia Kinos. Dort soll das Sofa für Filmgespräche vor Publikum genutzt werden. Auch, wenn die Geschichte des „Melodie“ vorbei ist, für die Möbel ist die letzte Klappe noch lange nicht geschlossen.

Von Saskia Popp

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