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Potsdam „Kirchengebäude sind ewige Baustellen“
Lokales Potsdam „Kirchengebäude sind ewige Baustellen“
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00:27 01.07.2015
Propst Klaus-Günter Müller bei einer Messe in der Kirche St. Peter und Paul. Quelle: Joachim Liebe
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Potsdam

Matthias Mieke, Pfarrer der großen Stadtkirche St. Nikolai, und Klaus-Günter Müller, Propst der katholischen Gemeinden St. Peter und Paul sowie St. Antonius, über die Spenden der Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPKE) und die Sanierung ihrer Gotteshäuser.

MAZ:Die Stiftung Preußisches Kulturerbe hat an die St. Nikolaikirche in diesem Jahr in Höhe von 690.000 Euro überwiesen. Wofür wurde das Geld verwendet? Wofür wird die erwähnte Spende verwendet?

Matthias Mieke:Die 690.000 Euro dieses Jahres sind mit 560.000 Euro zum großen Teil für das Tympanon und mit 130.000 Euro als Finanzierungssicherheit für die schon beauftragte neue große St. Nikolaiorgel bestimmt. Der Auftrag an die Orgelfirma wurde im vergangenen Jahr ausgelöst. Wir sind hier mitten in der Bauphase. Mitte 2017 wird die Große Nikolaiorgel erklingen. Für das Tympanonrelief haben wir ein verlässliches Angebot, nachdem wir das Geld bekommen haben, eingeholt und sind gegenwärtig mitten in der Abstimmung mit Denkmalbehörden und dem kirchlichen Bauamt.

Die SPKE der St. Antoniuskirche in Babelsberg eine Spende in Höhe von 90.000 Euro für die Restaurierung der Außenfiguren zukommen ließ. Wie ist der Stand der Arbeiten?

Klaus-Günter Müller:Der Vertrag ist rechtswirksam geschlossen. Die Arbeiten, die etwa ein Jahr dauern werden, wurden begonnen.

Wie verhält sich die Gemeinde von St. Nikolai zum Rat der Landeskirche, bei der SPKE künftig kein Fördergeld mehr zu beantragen?

Mieke:Als Kirchengemeinde können wir dem Rat der Landeskirche folgen. Wir trennen weiterhin, wie auch bisher, zwischen einzelnen Personen und der Stiftung. Die Ziele der SPKE, wie sie in der Präambel der Satzung und im Stiftungszweck verschriftlicht wurden, sind begrüßenswert. Die Zusammenarbeit mit der Stiftung hat an keiner Stelle zu Einschränkungen oder Relativierungen des freien Umgangs miteinander oder des christlichen Bekenntnisses geführt und war immer vom freiheitlich-demokratischen Umgang miteinander geprägt. Wir sind der SPKE sehr dankbar. Die Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde und SPKE hat sehr geholfen, Kriegsschäden zu beseitigen – zu keinem Zeitpunkt und in keiner Weise ging es darum, Kriegsschuld zu vertiefen.

Werden Ihre Gemeinden für die Restaurierung der St. Antonius-Kirche und der St. Peter und Paul-Kirche weiterhin Spendenmittel bei der SPKE beantragen?

Müller:Die Entscheidung der Bistumsleitung lautet, dass in Zukunft keine Annahme von Geldern von der Stiftung Preußisches Kulturerbe kirchenaufsichtlich genehmigt werden. An diese Entscheidung habe ich mich natürlich zu halten.

Wie hoch ist der weitere Sanierungsbedarf der Nikolaikirche? Für welche Objekte bzw. Projekte werden dringend Spenden benötigt?

Mieke:Für die Bauunterhaltung werde immer Spenden benötigt. Die Gemeinde finanziert weiterhin einen Kredit zur Abtragung der Schulden für die Sanierung der Außenhülle St. Nikolai in Höhe von gegenwärtig mehr als 2 Millionen Euro. Die im Bau befindliche Große Orgel ist davon unabhängig fast ausfinanziert. Anderenfalls hätte wir gar nicht mit dem Bau beginnen können und dürfen.

Wie hoch ist  der weitere Sanierungsbedarf der St. Antonius-Kirche und der  St. Peter und Paul-Kirche? Für welche Objekte bzw. Projekte werden dringend Spenden benötigt?

Müller:Kirchengebäude sind „ewige Baustellen“, weil immer der „Zahn der Zeit“ daran nagt. Für Kunstwerke ist allein die Kirchengemeinde finanziell zuständig, während es zum Beispiel beim Dach Zuschüsse vom Berliner Ordinariat gibt, um größeren Schaden abzuwenden. Die Außenfiguren der St. Antoniuskirche sind nach 80 Jahren bedingt dadurch, dass sie damals aus dem sehr modernen Material „Beton“ gefertigt wurden, wo man noch glaubte, dass er ungemein widerstandsfähig sei, stark verwittert. Gegenwärtig können sie noch gerettet werden. Zu einem späteren Zeitpunkt würde das nicht mehr möglich sein.

Für Sanierungsprojekte der Nikolaikirche wurden von der SPKE bisher insgesamt 1,81 Millionen Euro überwiesen. Wie hoch war im gleichen Zeitraum der Eingang aus anderen Spenden- beziehungsweise öffentlichen Mitteln für nötige Sanierungsprojekte?

Mieke:Die Sanierung der Nikolaikirche an Außenhülle, Dach und Fassade hat rund 8 Millionen Euro gekostet. Davon waren 7,5 Millionen Euro förderfähige Baumaßnahmen, die zu 40 Prozent im Rahmen der Städtebauförderung gefördert wurden. Die restlichen 60 Prozent hatte die seinerzeit aus etwa 2200 Kirchengliedern bestehende Gemeinde als Eigenmittel aufzubringen. Davon sind 850.000 Euro als BKM-Mittel beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien eingeworben worden, 900.000 Euro kamen von der Landeskirche und 150.000 Euro vom Kirchenkreis. Zu den förderfähigen Maßnahmen gehörte auch die Restaurierung der Engel. Einen Turmengel haben wir mit 40.000 Euro durch die SPKE finanziert bekommen, einen weiteren durch den Förderverein und durch Einzelspenden. Hinzu kamen rund 500.000 Euro nicht förderfähige Baumaßnahmen. Dazu gehörten neben den Glocken auch die Palmetten. Die Glocken mit 145.000 Euro und der obere Palmettenkranz mit 150.000 Euro sind durch die Stiftung finanziert worden, für den unteren, großen Palmettenkranz sind 98 Einzelspender mit je 1500 Euro gefunden worden. Als Gemeinde zahlen wir voraussichtlich noch die nächsten 50 Jahre eine große Tilgungsrate für die als Baurettungsmaßnahme absolut notwendige Sanierung des Kirchengebäudes.

Für Sanierungsprojekte der St. Peter und Paul-Kirche wurden von der SPKE bisher insgesamt 134 050 Euro, für Sanierungsprojekte der St. Antonius-Kirche insgesamt 90 000 Euro überwiesen. Welche Mittel haben Sie alternativ dazu zur Verfügung?

Müller:Wie schon gesagt, ist die Kirchengemeinde für die Kunst und die Innenausstattung der Kirche allein finanziell zuständig. Das geht dann nur über Spenden, die von den Gottesdienstbesuchern dafür gespendet werden, die die Besucher aus aller Welt für diesen Zweck in den Opferstock stecken und eben über Großspenden von Einzelnen wie der Stiftung Preußisches Kulturerbe. Für die Restaurierung der „Portikusfiguren“ der Kirche gab es einen Zuschuss von der Denkmalschutzbehörde der Stadt Potsdam wegen der Bedeutung als „Blickfang“ von der Brandenburger Straße her.

Herr Mieke, möchten Sie sich zur öffentlichen Kritik an Max Klaar und der SPKE äußern?

Müller:Zu öffentlicher Kritik zur Person Max Klaar werden wir uns nicht äußern und auch einzelne Äußerungen nicht bewerten. Die Gemeinde hat stets Wert darauf gelegt, mit der Stiftung zusammenzuarbeiten. Wir sind außerordentlich dankbar für die großzügige Förderung, die die SPKE unserer Nikolaikirche hat zukommen lassen, um damit ein hervorragendes Denkmal preußischer Baukunst zu retten und das kirchliche Leben unserer lebendigen Innenstadtgemeinde zu fördern. Es tut den Bewohnern und Touristen unserer Stadt Potsdam gut, dass das Glockenspiel am Kanal immer wieder „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren“ erklingen lässt, und es tut unserer Stadt gut, dass die Glocken von St. Peter und Paul und St. Nikolai in harmonisch aufeinander abgestimmter Weise rufen. Die Engel, die für die Stadt beten und sie segnen und das zukünftig errichtete Motiv der Bergpredigt im Tympanon, verbunden mit den über dem Portikus geschriebenen Seligpreisungen der Bergpredigt sind weithin sichtbare Zeichen des christlichen Glaubens, die es zu sehen und zu bedenken lohnt.

Herr Müller, was sagen Sie dazu?

Müller:Bei den Spenden, die wir, andere Kirchengemeinden und Fördervereine erhielten, handelt es sich nicht um Privatgeld von Herrn Max Klaar, sondern um Gelder der Stiftung Preußisches Kulturerbe, die vom Stiftungsvorstand, der aus mehr Personen besteht, nach der Satzung dieser Stiftung zugewendet wurden zur Bewahrung eines künstlerischen Erbes. Ohne diese Mittel wären viele Kunstwerke und Kirchen weiter verfallen. Zerstörungen, die noch vom Zweiten Weltkrieg herrühren, hätten nicht durch Wiederaufbau, Sanierung und original getreuen Kopien, die Kulturleistung ihrer Schöpfer für den heutigen Betrachter wieder erstehen lassen. Die Kritiker an der politischen Einstellung von Max Klaar sollten hier unterscheiden, zumal sie ja keine finanziellen Hilfen für diese Projekte anbieten und angeboten haben.

Von Volker Oelschläger

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