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Potsdam Klares Votum für die Stammbahn
Lokales Potsdam Klares Votum für die Stammbahn
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00:27 21.03.2018
Bisher verkehren die S-Bahnen von Potsdam nach Berlin über die Trasse der Stadtbahn. Die Stammbahn könnte Entlastung schaffen. Quelle: dpa-Zentralbild
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Bei der Deutschen Bahn sind die Überlegungen zur Wiederinbetriebnahme der Stammbahn zwischen Potsdam und Berlin weiter gediehen, als viele Beobachter vermutet hatten: Der DB-Konzernbeauftragte für Berlin, Alexander Kaczmarek, sagte am Sonnabend beim Mobilitätsforum in Kleinmachnow, dass die Stammbahn bereits eine Rolle beim sogenannten Deutschland-Takt der Bahn AG spiele. Mit dem langfristig geplanten Taktfahrplan strebt die DB bundesweit kurze Anschlüsse beim Umsteigen an. Wenn alle Beteiligten gut drauf seien, könne die Stammbahn innerhalb von zehn Jahren in Betrieb genommen werden, sagte Kaczmarek, der für die Teilnahme am Mobilitätsforum sogar seinen Urlaub verschoben hatte.

Wassertaxi für den Teltowkanal

Veranstalter des Forums war die AG Regionale Mobilität TKS/Berlin Südwest. Kommunalpolitiker und Verkehrsexperten aus Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf (TKS), sowie Berlin, Potsdam und Großbeeren diskutierten, wie durch ein besseres Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs das steigende Verkehrsaufkommen im Südwesten Berlins und dem Umland bewältigt werden kann, ohne die Straßen noch weiter zu verstopfen. Zudem ging es um den Fahrradverkehr. Für den Teltowkanal wurde auch ein Wassertaxi ins Gespräch gebracht.

Kaczmarek begründete ausführlich, warum die Wiederinbetriebnahme der ersten preußischen Eisenbahn wichtig sei: Nicht nur wegen der stark wachsenden Einwohnerzahl in Berlin und dem unmittelbaren Umland – auch weiter weg, dort, wo die Immobilienpreise bisher niedrig seien, würden künftig mehr Menschen wohnen. Das Straßennetz sei „am Ende“ und die Berliner Stadtbahn bereits seit einigen Jahren als „überlasteter Fahrweg“ eingestuft. Mit der Stammbahn von Potsdam über Griebnitzsee, Kleinmachnow/Düppel, Zehlendorf, Steglitz, Schöneberg zum Hauptbahnhof kämen nicht nur viele Fahrgäste schneller in die Berliner City, die Strecke wäre auch eine Ausweichmöglichkeit, wenn’s auf der Stadtbahn klemmt. „Mit der Stammbahn hätte man Spielraum im Berliner Netz“, sagte Kaczmarek. Wie Studien zu den Fahrgastzahlen zeigen, besteht schon jetzt mindestens ab Werder (Havel) erheblicher Bedarf an zusätzlichen Bahnangeboten.

Rege Diskussion beim Mobilitätsforum

Peter Weis, Lokale Agenda Regionale Mobilität TKS/Berlin, überraschte mit einem Vorschlag, den noch niemand auf der Prioritätenliste hatte: der Verlängerung der U-Bahnlinie 3 von Krumme Lanke nach Kleinmachnow/Düppel. Dort könne sie mit er Stammbahn verknüpft werden.

Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) dazu: Dann gleich bis hinein Kleinmachnow! Er sei aber sicher, dass niemand im Saal das erleben werde, so Grubert.

Torsten von Einem, Radverkehrsbeauftragter in Potsdam, warb für die 2015 eingerichtete Radstation im Hauptbahnhof. Von den mehr als 550 Plätzen sei nur die Hälfte belegt. Jahreskarten kosten 79 bis 99 Euro, ein 24-Stunden-Ticket einen Euro.

Der Potsdamer Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bernd Rubelt, verwies auf die immer größer werdenden Pendlerströme in der Landeshauptstadt. „Wir haben begrenzte Stadträume. Das wird in einer historisch gewachsen Stadt auch nicht besser werden. Wir brauchen zügige Lösungen.“ Im Fokus stehe jetzt die Busspur nach Geltow.

Wohlfahrt von Alm von der Berliner Verkehrsverwaltung sagte zu den Planungsprozessen: „Es gibt immer Bürgerinnen und Bürger, die für die geplanten Maßnahmen sind – nur nicht vor ihrer Haustür.“ Anwaltskanzleien würden per Brief Kunden suchen, die bereit seien, sich zu wehren. „Es wird für und gegen alles geklagt“, sagte von Alm.

Michael Weber von der BVG bedauerte, dass der Bus X10 aus Richtung Zoologischer Garten häufig mit Verspätung in Teltow ankomme. Er stehe oft schon am Ku‘damm im Stau, spätestens aber vor dem Kreisverkehr in der Zehlendorfer Straße in Teltow. In umgekehrter Richtung seien die Busse pünktlicher. Die Zahl der Fahrgäste in den grenzüberschreitenden BVG-Bussen nach TKS sei in den vergangenen zehn Jahren aber auf 160 Prozent gestiegen.

Thorsten Müller, Regiobus Potsdam-Mittelmark GmbH, sagte das Busangebot in TKS schon sehr gut, es gebe aber auch noch Defizite. So sei das Angebot Richtung Potsdam zu gering, zwischen Waldschänke und Kleinmachnow seien dagegen viele Plätze in den Bussen leer. „Sehr gering“ sei die Nachfrage nach Dreilinden.

Keine Frage ist für den Konzernbeauftragten, dass für den Wiederaufbau der Strecke ein Planfeststellungsverfahren nötig ist, schon weil sie elektrisch betrieben werden soll. Allen Zweiflern versicherte Kaczmarek: „Vor Güterzügen muss niemand Angst haben.“ Güterzüge kämen gut über den Berliner Außenring. Und durch den Nord-Süd-Tunnel am Hauptbahnhof dürften sie ohnehin nicht. Er hoffe auf breite politische Unterstützung des Projekts, sagte Kaczmarek. Aus der Landeshauptstadt hat er sie: Der Potsdamer Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bernd Rubelt (parteilos), erklärte: „Wir werden immer darauf drängen, die Stammbahn voranzubringen.“

Schutzgemeinschaft Stammbahn bleibt skeptisch

Die Schutzgemeinschaft Stammbahn e.V. nutzte die Gelegenheit, auf dem Forum eine „kritische Analyse“ zum Thema zu präsentieren. Darin wird die Stammbahn abgelehnt. Sprecher Peer Hartwig sagte, TKS werde mit ihr gar nicht erschlossen, sondern nur an der nördlichen Grenze tangiert. Hartwig wies zudem darauf hin, dass sechs aufwendige Brücken gebaut werden müssten. Kaczmarek machte dagegen deutlich: Der Bau von sechs Brücken sei für die Bahn eine vergleichsweise kleine Herausforderung. Der aufwendigste Bau für die Stammbahn sei schon vorhanden, nämlich das Einfädelungsbauwerk am Potsdamer Platz. Es sei vorsorglich bereits Anfang der 1990er-Jahre errichtet worden. Da es bis heute nicht genutzt werde, habe Berlin eine Menge Geld an den Bund zurückzahlen müssen.

Die Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf, Cerstin Richter-Kotowski (CDU) sagte zur Stammbahn: „Wir sind da etwas verhalten.“ Die Trasse liege teilweise dicht an der Wohnbebauung, es seien noch viele Gespräche nötig. Für eine „gute Idee“ hält Richter-Kotowski den Ringschluss der S-Bahn von Teltow über Stahnsdorf nach Wannsee.

Aus dem Zehlendorfer Rathaus waren immerhin drei der fünf Bezirksamts-Mitglieder nach Kleinmachnow gekommen. Dabei können, wie Richter-Kotowski erläuterte, Bezirkspolitiker nur „informelle“ Gespräche mit den Umlandkommunen führen. Konkrete Verabredungen seien nur auf Landesebene möglich. Ausnahmen seien die „softeren Themen“, zum Beispiel der Tourismus. Ein solches Thema stellte der ADFC auf dem Forum zur Debatte: Schnellradwege zwischen Berlin und Potsdam auf beiden Seiten des Teltowkanals.

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