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Potsdam Klassentreffen nach 60 Jahren
Lokales Potsdam Klassentreffen nach 60 Jahren
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20:30 07.09.2016
Die Bürgel-Schüler auf der Abschlussfahrt vor 60 Jahren. Quelle: privat, Bernd Gartenschläger
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Babelsberg

Hier kommt die Generation, die den Lehrer noch auf dem Plumpsklo einsperrte! Die sich die Klassenfahrt mit Stoppeln, Flaschensammeln und Komparsenrollen verdiente. Die Kältefrei bekam, weil es keine Kohlen gab. 60 Jahre ist es her, dass Klaus-Peter Staedke und Barbara Reichert die 10. Klasse an der Bürgel-Schule in Babelsberg abgeschlossen haben. Jetzt sitzen sie in Klaus-Peter Staedkess Garten in der Beethovenstraße und warten auf die anderen, die einst mit ihnen die Schulbank gedrückt haben. „60 Jahre. Das ist ein Hammer“, sagt Klaus-Peter Staedke. „Es ist schön, das wir so locker miteinander umgehen können.“ – „Wir wissen umeinander“, sagt Barbara Reichert. „Das ist eine Menge wert.

Die Bürgel-Schüler heute mit Klaus-Peter Staedke (4.v.l.) und Barbara Reichert (r.). Quelle: Bernd Gartenschläger

Elf von 26 haben sich zu dem Treffen verabredet. „Einige sind schon gegangen, einige sind zu weit weg“, so Barbara Reichert. Kontakt habe man aber zu allen, „die noch da sind“. Nach dem Abschluss 1956 war die Bürgel-Bande jedenfalls erst einmal auseinander gegangen. Einige lernten, einige machten Abitur, sechs promovierten später. Man verliebte und trennte sich, heiratete, bekam Kinder und baute Häuser, zog um, wechselte den Beruf. Nach 25 Jahren traf man sich 1981 zum ersten Mal wieder. Auch die vier, die im Westen ihr Glück gesucht hatten, waren dabei. „Danach kam eine ganze Weile nichts“, so Klaus-Peter Staedke.

Erst zur Goldenen Konfirmation 2004 sahen sich viele wieder „und waren so angetan, dass man sich so gut miteinander unterhalten kann“, dass man beschloss, sich öfter zu treffen. Alle anderthalb Jahre sitzen sie nun beisammen und schwelgen in Erinnerungen – aber nicht nur! „An die Toten kann man denken, wenn man Zeit hat. Um die Lebenden muss man sich kümmern“, so Staedke. Deshalb planen sie, demnächst für ein, zwei Tage wegzufahren. Nach Wustrau etwa, wo man das Brandenburg-Preußen-Museum besuchen könnte. Oder nach Ralswiek zu den Störtebecker-Festspielen. „Kultur muss sein“, sagt Staedke, Barbara Reichert nickt. Auf das, was sie an der Bürgel-Schule gelernt haben, sind sie stolz. Die Bildung an der Polytechnischen Oberschule – eine der ersten in Potsdam übrigens – sei umfassender, gründlicher, irgendwie besser gewesen als die, die die Enkelkinder genossen haben. „Das soll nicht überheblich klingen“, sagt Staedke. Straff organisierte Lehrinhalte, im ganzen Land einheitliche Lehrpläne und Schulbücher, Unterricht im Klassenverband, weitläufiger Fachunterricht – und bei allem nah am Leben.

Ideologisch indoktriniert fühlte sich die Bürgel-Bande nicht. „Die Pionierorganisation und die FDJ spielten bei uns keine Rolle“, so Staedke. „Keiner hatte ein Blauhemd. Und der Chor sang lieber ,Mein Vater war ein Wandersmann’ als ,Bau auf, bau auf’. Wir brauchten uns nicht anzupassen – vielleicht haben wir das auch nicht mit uns machen lassen. Das halten wir bis heute so.“

Die Bürgel-Schule

1907 wurde die Schule als Nowaweser Gemeindeschule 1 eröffnet. Durch eine Bombe im Krieg schwer beschädigt, fand der Unterricht erst 1950 wieder in allen Räumen statt. Den Namen „Bruno H. Bürgel“ gab’s 1948.

Aus der Grundschule entwickelte sich eine der ersten polytechnischen Oberschulen Potsdams. Seit 1991 ist die Schule wieder Grundschule.

Von Nadine Fabian

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