Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 8 ° heiter

Navigation:
Klassentreffen nach 60 Jahren

Potsdamer Bürgel-Schule Klassentreffen nach 60 Jahren

Die Bruno-H.-Bürgel-Schule in Babelsberg war eine der ersten, die Mitte der 1950er Jahre zur Polytechnischen Oberschule entwickelt wurde. Nun trafen sich die wieder, die 1956 dort ihren Zehnte-Klasse-Abschluss gemacht haben. Nach 60 Jahren schwelgen sie aber nicht nur in Erinnerungen, sondern genießen vor allem Jetzt und Hier.

Potsdam, Karl-Liebknecht-Schule 29 52.3905689 13.0644729
Potsdam, Karl-Liebknecht-Schule 29 Mehr Infos
Nächster Artikel
Was unterscheidet Ober- und einfache Bürgermeister?

Die Bürgel-Schüler auf der Abschlussfahrt vor 60 Jahren.

Quelle: privat, Bernd Gartenschläger

Babelsberg. Hier kommt die Generation, die den Lehrer noch auf dem Plumpsklo einsperrte! Die sich die Klassenfahrt mit Stoppeln, Flaschensammeln und Komparsenrollen verdiente. Die Kältefrei bekam, weil es keine Kohlen gab. 60 Jahre ist es her, dass Klaus-Peter Staedke und Barbara Reichert die 10. Klasse an der Bürgel-Schule in Babelsberg abgeschlossen haben. Jetzt sitzen sie in Klaus-Peter Staedkess Garten in der Beethovenstraße und warten auf die anderen, die einst mit ihnen die Schulbank gedrückt haben. „60 Jahre. Das ist ein Hammer“, sagt Klaus-Peter Staedke. „Es ist schön, das wir so locker miteinander umgehen können.“ – „Wir wissen umeinander“, sagt Barbara Reichert. „Das ist eine Menge wert.

Die Bürgel-Schüler heute mit Klaus-Peter Staedke (4vl) und Barbara Reichert (r)

Die Bürgel-Schüler heute mit Klaus-Peter Staedke (4.v.l.) und Barbara Reichert (r.).

Quelle: Bernd Gartenschläger

Elf von 26 haben sich zu dem Treffen verabredet. „Einige sind schon gegangen, einige sind zu weit weg“, so Barbara Reichert. Kontakt habe man aber zu allen, „die noch da sind“. Nach dem Abschluss 1956 war die Bürgel-Bande jedenfalls erst einmal auseinander gegangen. Einige lernten, einige machten Abitur, sechs promovierten später. Man verliebte und trennte sich, heiratete, bekam Kinder und baute Häuser, zog um, wechselte den Beruf. Nach 25 Jahren traf man sich 1981 zum ersten Mal wieder. Auch die vier, die im Westen ihr Glück gesucht hatten, waren dabei. „Danach kam eine ganze Weile nichts“, so Klaus-Peter Staedke.

Erst zur Goldenen Konfirmation 2004 sahen sich viele wieder „und waren so angetan, dass man sich so gut miteinander unterhalten kann“, dass man beschloss, sich öfter zu treffen. Alle anderthalb Jahre sitzen sie nun beisammen und schwelgen in Erinnerungen – aber nicht nur! „An die Toten kann man denken, wenn man Zeit hat. Um die Lebenden muss man sich kümmern“, so Staedke. Deshalb planen sie, demnächst für ein, zwei Tage wegzufahren. Nach Wustrau etwa, wo man das Brandenburg-Preußen-Museum besuchen könnte. Oder nach Ralswiek zu den Störtebecker-Festspielen. „Kultur muss sein“, sagt Staedke, Barbara Reichert nickt. Auf das, was sie an der Bürgel-Schule gelernt haben, sind sie stolz. Die Bildung an der Polytechnischen Oberschule – eine der ersten in Potsdam übrigens – sei umfassender, gründlicher, irgendwie besser gewesen als die, die die Enkelkinder genossen haben. „Das soll nicht überheblich klingen“, sagt Staedke. Straff organisierte Lehrinhalte, im ganzen Land einheitliche Lehrpläne und Schulbücher, Unterricht im Klassenverband, weitläufiger Fachunterricht – und bei allem nah am Leben.

Ideologisch indoktriniert fühlte sich die Bürgel-Bande nicht. „Die Pionierorganisation und die FDJ spielten bei uns keine Rolle“, so Staedke. „Keiner hatte ein Blauhemd. Und der Chor sang lieber ,Mein Vater war ein Wandersmann’ als ,Bau auf, bau auf’. Wir brauchten uns nicht anzupassen – vielleicht haben wir das auch nicht mit uns machen lassen. Das halten wir bis heute so.“

Die Bürgel-Schule

1907 wurde die Schule als Nowaweser Gemeindeschule 1 eröffnet. Durch eine Bombe im Krieg schwer beschädigt, fand der Unterricht erst 1950 wieder in allen Räumen statt. Den Namen „Bruno H. Bürgel“ gab’s 1948.

Aus der Grundschule entwickelte sich eine der ersten polytechnischen Oberschulen Potsdams. Seit 1991 ist die Schule wieder Grundschule.

 

Von Nadine Fabian

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg