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Potsdam "Das Soziale liegt in unseren Genen"
Lokales Potsdam "Das Soziale liegt in unseren Genen"
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18:34 27.07.2014
Pfarrer Gottfried Wiarda bei der festlichen Glockenweihe auf dem Friedhof in Klein Glienicke. Quelle: B. Gartenschläger
Klein Glienicke

Allein das Wissen, das ist schon Besitztum genug. Wie sein Ur-ur-Großvater in schwierigen Zeiten gehandelt hat, was seinen Charakter ausmachte, woher er seinen Mut nahm und sein Durchsetzungsvermögen, das beeindruckt Heino von Türk am meisten. Fünf Generationen liegen zwischen ihm und Wilhelm von Türk (1774-1846), ein bedeutender Sozialreformer und Ehrenbürger Potsdams. Der studierte Jurist konnte hier als Königlich-Preußischer Schulrat all die Veränderungen durchsetzen, die er bei seinem Vorbild und Lehrer Johann Pestalozzi gelernt hatte. Als "Preußischer Pestalozzi" wird er deshalb gerne betitelt. Im Januar jährte sich sein Geburtstag zum 240. Mal.

Aus diesem Anlass sind am Sonnabend 50 Nachfahren aus Deutschland und der Schweiz nach Potsdam gekommen, um ihres prominenten Familienangehörigen zu gedenken. Von Türk hinterlässt bis heute seine Spuren in der Stadt. Er hat in der Berliner Straße ein Civil-Waisenhaus gegründet, direkt neben dem Friedhof in Klein Glienicke baute er eine weitere Waisenversorgungsanstalt auf. Seit 2001 trägt eine Förderschule im Stadtteil Schlaatz seinen Namen.

50 Nachfahren kamen in Potsdam zusammen

Als sich Heino von Türk näher mit seinem bekannten Vorfahren beschäftigt hat, ist dem 76-Jährigen eine Begebenheit besonders in Erinnerung geblieben. Für Preußenkönigin Elisabeth sollte ein großer Empfang vorbereitet werden. Wilhelm von Türk empfand dies aber als ungeheure Geldverschwendung. Er setzte sich dafür ein, dass dieses Geld sozial Benachteiligten zu Gute kommt. Kurzerhand konnte er dafür sorgen, dass stattdessen die Elisabeth-Stiftung gegründet wird.

Ein Gemeinschaftwerk

  • 163 Kilogramm wiegt die Glocke. Sie hat einen Durchmesser von 66 Zentimetern.
  • Hergestellt wurde sie Ende Juni in der Kunstgießerei Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz).
  • Die Kosten in Höhe von mehreren Tausend Euro haben unter anderem der Bürgerverein Klein-Glienicke, der Freundeskreis der Kapelle und Alter Friedhof und die Initiative Historische Uferregion Griebnitzsee übernommen.
  • Zu lesen ist auf der Außenseite der neuen Glocke „Der Friede Gottes ist höher als alle Vernunft“

Viele der Nachkommen haben heute den Leitspruch Wilhelm von Türks auch zu ihrem gemacht: Lasset uns Gutes tun und nicht müde werden. Auch bei Bernd Stoyke hängt diese Aussage in seinem Wohnzimmer in Detmold (Nordrhein-Westfalen). Der 77-Jährige hat sich zahlreichen Postkarten gewidmet, die kürzlich in exzellenter Qualität aus dem Nachlass wieder aufgetaucht sind. Die altdeutsche Schrift hat er dazu in eine heute leserliche Form übersetzt. Das, worüber die Enkel Wilhelm von Türks sich in den Jahren 1896 bis 1906 austauschen, überrascht. "Es sind häufig banale Fakten. Die Postkarte war das Äquivalent zu unseren heutigen SMS", sagt er. Auf einer Karte bittet Minette von Türk ihre Mutter, ihr den Bleistift nachzuschicken, den sie auf ihrem Schreibtisch vergessen hat. Auf einer anderen wird der Wunsch nach Konfekt für zwei Mark geäußert, das für 1,60 Mark sei nicht gut genug. Oder die Wäscherei meldet, dass die Gardienen nicht fertig werden. Auffällig dabei: Die Adresse besteht lediglich aus dem Namen und der Angabe "Türkshof". Damit war den Postboten klar, wohin die Karte gebracht werden musste: zu einem großen Anwesen am Ufer des Griebnitzsees.

In diesem Hof hat auch noch der Vater von Heino von Türk gewohnt. Vor dem Krieg wurde das Haus auf dem Grundstück in der heutigen Karl-Marx-Straße in Babelsberg abgerissen. "Bei mir zu Hause hängt aber noch ein Gemälde mit einer Außenansicht", sagt Heino von Türk, der in Onex bei Genf wohnt.

Neue Glocke für Klein Glienicke

Das Gutmenschliche, das sich-Kümmern ist durchaus einige Generationen später noch zu finden. "Ich lebe sein Wirken in gewisser Weise weiter", sagt Martina Eibich, die als rechtliche Betreuerin arbeitet und aus Schleswig-Holstein nach Potsdam gekommen ist. "Natürlich muss ich längst nicht mehr gegen hohe Hürden kämpfen, aber das Soziale liegt durchaus in unseren Genen", sagt sie.

Initiiert hat das Treffen der Potsdamer Gerhard Petzholtz. Er ist Urgroßneffe des königlichen Hofbaumeisters Ernst Petzholtz. Außerdem ist er Urenkel von Louis Petzholtz, der die Kapelle in Klein Glienicke aufbaute und eine Nachfahrin des Reformers Wilhelm von Türk heiratete. Seit 1996 gab es nun die sechste Zusammenkunft der Großfamilie. Dieses Mal wurde nicht nur der 240. Geburtstag des Vorfahren gefeiert, sondern auch ein großer Schritt zur Wiederherstellung des Friedhofs Klein Glienicke getan. Die Glocke, die dort einige Jahre während des Zweiten Weltkriegs in dem Glockenstuhl hing, musste nach dem Krieg in die Kapelle umziehen. Die dortigen Glocken waren für Rüstungszwecke eingeschmolzen worden. Nun kann es zu Beerdigungen und besonderen Anlässen der Gemeinde wieder ein Geläut geben. "Wir haben bewusst die Weihe auf den Termin des Familientreffens gelegt", sagt Jutta Lütten-Gödecke vom Freundeskreis Alter Friedhof. "Die Angehörigen sind dem Friedhof bis heute sehr verbunden."

Von Lisa Rogge

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