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Potsdam Klein, modern und abgelegen
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20:28 07.11.2017
Das neue Flüchtlingsheim in einem alten Bürogebäude der Schiffbauversuchsanstalt wird vom Berliner Sozialunternehmen Living Quarter betrieben. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Marquardt

Am nördlichen Stadtrand von Potsdam wird eine neue Flüchtlingsunterkunft eröffnet. Am Dienstag wurde die Einrichtung mit 64 Plätzen der Presse und der Anwohnerschaft vorgestellt. Die Nutzungsgenehmigung werde in dieser oder der kommenden Woche erwartet, sagte Frank Thomann als Fachbereichsleiter Soziales der Stadtverwaltung. Die Unterkunft habe 64 Plätze, doch würden nicht alle auf einmal belegt.

Ohnehin hat die Stadt bereits ihr Soll an Flüchtlingsübernahmen aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt erfüllt. 1370 Flüchtlinge sind inzwischen untergebracht; darunter sind 450, die in diesem Jahr gekommen sind.

Sozialdezernent Mike Schubert (M.links) und Fachbereichsleiter Frank Thomann (M.rechts) ließen sich von Heimleiterin Angela Murray (l.) die Einrichtung zeigen. Quelle: Rainer Schüler

Für Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) ist das neue Heim in Nachbarschaft und einst auch genutzt von der Schiffbauversuchsanstalt eine gute Möglichkeit, den Belegungsdruck aus anderen Heimen herauszunehmen. Vor allem vom Containerstandort Pirschheide werden Flüchtlinge nach Marquardt umquartiert, und es werden vor allem kleine Familien sein, die die früheren Büros an der Bundesstraße 273 beziehen. „Die Pirschheide haben wir drei Jahre lang unter Voll-Last gefahren“, sagte Schubert: „Es wird Zeit, dass es sich dort entspannt. Zum Glück sind wir raus aus der Spontanphase von 2015, als wir alle Unterkünfte genommen haben, die wir kriegen konnten.“

Anfangs gebe es oft Schwierigkeiten, zwischen Anwohnern und Flüchtlingen zu vermitteln, sagte Schubert, doch habe die Schließung einiger Einrichtungen auch gezeigt, dass mit der Zeit ein gutes Miteinander entstanden ist und die Bürger fragen, warum gerade das Heim in ihrer Nachbarschaft dicht macht. Für das neue Heim sind keine Vorbehalte aus der Nachbarschaft laut geworden. Am Rande der gestrigen Präsentation berichteten einige Marquardter allerdings von Befürchtungen der Kleingartenpächter, Flüchtlinge könnten in den Wintermonaten in Lauben einbrechen. Kritisiert wurde hinter vorgehaltener Hand, das Heim liege zu weit entfernt vom städtischen Leben.

Sogar einen kleinen Spielplatz hat man angelegt. Ein Gerüstturm fungiert als zweiter Fluchtweg für den Fall eines Brandes. Quelle: Rainer Schüler

Das neue Heim ist, wie auch das im Industriegebiet Rehbrücke, preiswert von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) angemietet worden, die laut Thomann den „weitaus überwiegenden“ Teil der Investition getragen hat, über deren Höhe nichts gesagt wurde. „Hier waren im Grunde nur noch die Außenmauern intakt“, beschrieb Thomann den Zustand des seit Jahren verlassenen Bürogebäudes. Man musste die Heizung und die Sanitäranlagen komplett erneuern, moderne Fenster und Türen einbauen, Küchen- und Waschräume einrichten. Alle technischen Geräte und das komplette Mobiliar sind neu angeschafft worden.

Edelstahl dominiert die Gemeinschaftsküchen; er hält viel länger als Arbeitsplatten aus Holzersatzmaterialien. Quelle: Rainer Schüler

Schubert freute sich, dass die Arbeitsplatten in den Küchen aus Edelstahl statt aus beschichteten Spanplatten sind, weil sie so viel länger halten. Auch schalten sich die Herdplatten nach einer gewissen Zeit ab, damit im Falle des Vergessens nicht das Essen anbrennt und entflammt. In den Gemeinschaftsräumen gibt es Internet- und Fernsehanschlüsse.

Betreiber der Einrichtung ist Living Quarter aus Berlin, ein erst 2015 von Studenten gegründetes Unternehmen, das Unterkünfte für Personengruppen betreut, die eine besondere soziale Aufmerksamkeit und Zuwendung benötigen. Verwaltet werden sowohl Gemeinschaftsunterkünfte als auch Verbundwohnungen. Auch in den Kita-Bereich will Living Quarter sich ausdehnen. Das Marquardter Heim wird von Angela Murray geführt, die zuvor für die größte Flüchtlingsunterkunft von Berlin im ehemaligen Flughafen Tempelhof verantwortlich war und sich nun auf eine Arbeit in viel kleinerem Rahmen freut. Sie hat mit Ahmad Zaarour einen syrischen Flüchtling als Dolmetscher im Team; er ist seit reichlich zweieinhalb Jahren in Deutschland. Wenn das Team sein Tagwerk beendet, kommt für die Nachtstunden ein Wachschutzunternehmen.

Angela Murray und ihr Team in einem Flüchtlingszimmer. Links und rechts die beiden Geschäftsführer von Living Quarter, Dennis Abraham und Sebastian Schwarzer. Quelle: Bernd Gartenschläger

Von Rainer Schüler

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