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Kleingärtner fürchten um ihr Idyll

Eigentümer will Pacht um das Siebzehnfache erhöhen Kleingärtner fürchten um ihr Idyll

„Klein Sanssouci“ hat große Probleme: Der Potsdamer Kleingartenverein mit der 55-jährigen Geschichte fürchtet, dass es ihm an den Kragen geht – an die Existenz. Grund: Der Eigentümer dreht an der Preisschraube. Die Hobby-Gärtner sollen in Zukunft das Siebzehnfache ihrer bisherigen Pacht zahlen.

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Kleingärtner Heiner Franz in seiner Gartenlaube in der Kolonie „Klein Sanssouci“.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Die Sorgen rauben den 33 Kleingärtnern auf den insgesamt 19 Parzellen mittlerweile anscheinend sogar den Schlaf: Bereits um halb fünf Uhr morgens schickte gestern der "Klein Sanssouci"-Vorsitzende Heiner Franz eine Presseerklärung raus, in der er Alarm schlug: Mittels massiver Pachterhöhungen würde der neue Eigentümer aus Darmstadt versuchen, "aktiv den Kleingartenverein zu zerschlagen".

Der Eigentümer erwarb "Klein Sanssouci" 2005 bei einer Zwangsversteigerung. Der damalige Preis: 40.000 Euro. Nun soll die Pachtschraube angezogen werden ‒ um das Siebzehnfache! Statt wie bisher zehn Cent pro Quadratmeter sollen die Pächter künftig 1,70 Euro für den Quadratmeter zahlen. Außerdem sollen die Gartenverträge vom Verpächter mehr oder weniger jederzeit kündbar sein: "Bei Nichtunterzeichnung droht eine Räumung der Parzellen", empört sich der Vereinsvorsitzende über den Eigentümer, der über seinen Anwalt den Pächtern die Hiobsbotschaft schriftlich zugehen ließ. Franz: "Das bedeutet die Zerstörung des Lebenswerks vieler Kleingärtner."

Seit 55 Jahren Idylle am Rande desWeltkulturerbes

  • Der Kleingartenverein „Klein Sanssouci“ wurde 1959 gegründet und besteht somit bereits seit 55 Jahren.
  • Der Verein widmet sich nach eigenen Angaben der „ökologisch orientierten Nutzung der Kleingärten in Wohnortnähe“.
  • Mitglieder in „Klein Sanssouci“ sind sowohl junge Familien, als auch Rentner – eine Mischung aller Generationen.
  • Gelegen ist der Kleingartenverein mit seinen 19 Parzellen und 33 Mitgliedern auf einer Fläche von rund 6800 Quadratmetern in der Brandenburger Vorstadt an der Schnittstelle zwischen städtischer Bebauung und dem Weltkulturerbe Sanssouci – in Sichtweise des dortigen Teehäuschens.
  • 2003 wurde der Bebauungsplan Nr. 84 von den Stadtverordneten beschlossen, der für das Flurstück die Nutzung als „Dauerkleingärten“ ausweist. Der Eigentümer scheiterte mit einer Klage, dies zu ändern.

Seit das Anwaltsschreiben Ende März ins Haus flatterte, herrscht bei den Mitgliedern blankes Entsetzen. Besonders die "Veteranen", von denen manche schon seit den 1970er Jahren ihre Parzellen beackern, hat es arg getroffen: "Da sitzen Omas bei mir und haben Herzflattern – wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen." Für Nervosität sorgt bei den Gärtnern von "Klein Sanssouci" außerdem die Tatsache, dass sie nicht in der Rechtsnachfolge des "Verbands der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter" (VKSK) aus DDR-Zeiten stehen. "Der Eigentümer kann uns runterräumen, wenn wir seine Pachtverträge mit 1,70 Euro nicht bezahlen, weil wir in einem vertragslosen Zustand sind", befürchtet Franz, der das Vorgehen des Eigentümers allerdings für rechtswidrig hält, weil nach B-Plan die ortsübliche Pacht für Dauerkleingärten bei zehn Cent pro Quadratmeter liege.

Die Kleingärtner-Problematik war am Dienstag auch Thema im Bauausschuss, allerdings drehte es sich um einen anderen Schauplatz: um die Babelsberger Kleingartenanlage "Glienicker Winkel". Der Versuch der Verwaltung, ungefähr 20 Prozent der Kleingartenanlage am Karl-Liebknecht-Stadion künftig in Bauland umzuwandeln, wurde von einer breiten Koalition aus SPD, Linken, Bündnisgrünen und "Die Andere" abgeschmettert.

Von Ildiko Röd

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