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So kämpfen Potsdams Gärtner gegen die Trockenheit

Dürre in den Kleingärten So kämpfen Potsdams Gärtner gegen die Trockenheit

Seit zwei Wochen hat es in Potsdam nicht nennenswert geregnet. Was den Normalbürger kaum anficht, bringt die Kleingärtner aber in Nöte. Derzeit muss täglich früh und abends gewässert werden und das möglichst sparsam, denn Reservebehälter wie Wannen und Fässer sind fast überall schon leer.

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Helmut Hartz am Hinzenberg sprengt trotz Havelnähe mit Trinkwasser.

Quelle: R. Schüler

Potsdam-West / Mitte. „Ohne Wasser, merkt Euch das, wär’ unsre Welt ein leeres Fass!“ wusste bereits um 1800 der italienische Komponist Luigi Cherubini und ließ seinen Wasserträger in der gleichnamigen Oper diese Zeilen singen. Damals trug man das Wasser noch mit Eimern an einem Joch über den Schultern. Mehr als 20 Liter auf ein Mal aber waren da nicht drin, und die Wasserquelle musste nahe sein.

Das trifft auf die meisten Potsdamer Kleingärten nicht zu; sie liegen fern der Havel. In den vier Gartensparten von Potsdam-West etwa versorgt man sich aus Brunnen oder dem Trinkwassernetz. Die Vorratsbehälter sind meistens schon seit Tagen leer, erst recht, wenn sie offen stehen wie bei Lothar Lerwe und Elvira Bubner in der Sparte Am Kaiserbahnhof.

Bei Lothar Lerwe in der Sparte am Kaiserbahnhof ist die Wasserwanne längst leer

Bei Lothar Lerwe in der Sparte am Kaiserbahnhof ist die Wasserwanne längst leer. Er muss jetzt mit Trinkwasser gießen.

Quelle: Rainer Schüler

Gähnend leer ist die alte Badewanne; die beiden Laubenpieper müssen den Wasserhahn aufdrehen; das kostet. „Wir haben ja noch Glück im Unglück, dass bei uns keine Abwassergebühr anfällt“, sagt Lerwe: „So ist das Wasser viel billiger als im normalen Haushalt.“ Derzeit müsse man eigentlich täglich in den Garten kommen, sagt Elvira Bubner, am besten früh und abends: „Das schafft ja kaum einer.“ Die Erdbeeren sind der erste Verlust der Saison: So traurig kümmern die Pflanzen trotz Wässerns in der Sonne, dass sie jetzt rausgerissen werden. Sie haben es nicht mal bis zum Fruchtansatz geschafft.

Das sieht bei Jutta Rupprich direkt gegenüber auf der anderen Wegeseite zwar besser aus, aber nur auf den ersten Blick. Mehr als kleine rote Murmeln wird es auch hier nicht geben. „Die schmecken zwar schon nach Erdbeere“, sagt die Gärtnerin, „aber die Wurzeln sind schwarz statt hell. Die Früchte werden nicht mehr größer.“

Jutta Rupprich hat einen Brunnen und hinterm Häuschen drei Regenwassertonnen mit abgestandenem Wasser zum Beispiel für die Erdbeeren

Jutta Rupprich hat einen Brunnen und hinterm Häuschen drei Regenwassertonnen mit abgestandenem Wasser zum Beispiel für die Erdbeeren.

Quelle: Rainer Schüler

Jutta Rupprich hat einen gebohrten Brunnen, der 550 Quadratmeter versorgt und die meisten Pflanzen feucht genug hält zum Überleben. Außerdem hat sie hinter’m Haus gleich drei Regenwassertonnen stehen: „Das macht eigentlich jeder hier“, sagt sie. „Ich habe zudem nette Nachbarn. Wenn ich wegen der Arbeit mal nicht herkommen kann, greift der nette Herr von nebenan mal zum Schlauch und wässert meinen Garten.“ Jeder Zweite in der Sparte hat ihrer Schätzung nach einen Brunnen, sie sogar schon den zweiten. „Der erste ist einfach versiegt; ich musste einen neuen bohren lassen.“ Bei den Erdbeeren indes hilft das Brunnenwasser wenig, denn „die darf man nicht von oben sprengen. Man muss sie von unten gießen, mit abgestandenem Wasser, dazu die Regentonnen.“

Bei Karl-Heinz Diekhoff in der Sparte Krähenbusch sieht gerade alles frisch gewässert aus. Doch wie überall trügt der Schein auch hier. Diekhoff piekt den Finger in die Erde, scharrt ein paar Zentimeter tief: „Alles Sand!“ sagt er: „Alles trocken! Die Erde hält fast keine Feuchtigkeit.“

Karl-Heinz Diekhoff  im Krähenbusch kratzt in der Erde

Karl-Heinz Diekhoff im Krähenbusch kratzt in der Erde: Ein paar Zentimeter tief ist trotz des Wässerns nur noch trockener Sand.

Quelle: Rainer Schüler

Mittags zu sprengen, sei „sinnlos. Das verdunstet schneller, als in die Erde dringt.“ Morgens ab sechs kämen einige Kleingärtner zum Wässern und abends, „wenn die Sonne wieder weg ist.“ Einige haben auch Schaltuhren, die ihre Pumpe zu optimalen Zeiten anspringen lassen; das spart die An- und Abfahrt für Leute, die noch arbeiten gehen. Am wenigsten Sorgen macht Diekhoff sich um die Bäume. „Die Kirsche und der Apfelbaum schaffen das. Die Wurzeln gehen tief genug. Da unten ist Kies, und der hält Wasser.“ Tricks wie Perlschläuche am Boden oder Sickerrohre in Meterhöhe, wie sie in Gewächshäusern üblich sind, nutzt in Potsdam-West keiner. Auch am Hinzenberg nicht, wo die Sparte direkt an der Havel liegt. Zum Greifen nah ist der Fluss und doch viel zu weit weg, um gegen die Dürre zu helfen. „Das hat einer mal probiert und einen Ansaugschlauch in den Fluss gehängt“, erzählt Helmut Hartz, der 83 ist und seit 58 Jahren Laubenpieper: Ruck zuck war das Wasserstraßenamt hier und hat das Anzapfen der Havel strikt verboten.“ So müssen die Hinzenberger auf das öffentliche Wassernetz vertrauen, nur weniger haben hier einen Brunnen. Hartz will gar keinen. „Ich hatte mal einen, aber der hat so eisenhaltiges Wasser gefördert, dass meine Rosen braune Blätter bekamen. Hier ist alles aus Abraum aufgeschüttet worden.“ Außerdem ist das Brunnenwasser „so eiskalt, dass die meisten Pflanzen gar nicht vertragen.“ Also dreht Hartz den normalen Wasserhahn auf und sprengt seinen dichtgrünen Garten mit Wasser aus der Leitung; das ist immer warm genug.

Von Rainer Schüler

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