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Potsdam Kleinod im Potsdamer Musikerviertel
Lokales Potsdam Kleinod im Potsdamer Musikerviertel
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21:15 10.08.2017
Eigentümerin Ruth Gramann (r.) und Restauratorin Verena Simons im Garten vorm Landhaus Cramer. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Auf den ersten Blick wirkt das verwinkelte Landhaus Cramer im Musikerviertel eher unscheinbar. Die Schönheit und insbesondere architektonischen Details werden erst bei genauerem Hinsehen und vor allem im Inneren des Gebäudes sichtbar. Dazu ist am Tag des offenen Denkmals Gelegenheit. Am 10. September laden Ruth Gramann (47) und ihr Ehemann Martin Milner (51) in ihr Haus und den angrenzenden Garten mit der markanten Pergola ein. Um 15 Uhr gibt Milner, ein Musiker, der als Komponist für verschiedene Theater und Festivals tätig war, zudem ein Konzert mit eigenen Liedern.

Die gebürtigen Briten, sie stammt aus dem Seebad Brighton, er aus Liverpool, haben das Haus im Tschaikowskiweg 1 erst im November des vergangenen Jahres erworben. Vorher wohnte das Ehepaar in Caputh. „Wir haben hier viele Bekannte. Und wir haben sehr lange gesucht, ehe wir dieses Haus gefunden haben“, erzählt Ruth Gramann. Sie und ihr Ehemann arbeiten als Musiklehrer an der Berlin Brandenburg International School in Kleinmachnow. Auch deshalb wollten sie nach Babelsberg. „Denn nun können wir mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren“, so Martin Milner.

Dass das Denkmalamt ein Auge auf dem Haus hatte, erfuhren die neuen Besitzer erst unmittelbar vor dem Kauf. Doch das bestärkte sie eher in ihrem Vorhaben, das Gebäude zu erwerben. „Wir haben uns gefreut“, erzählt Ruth Gramann. „Durch die Zusammenarbeit mit den Denkmalschützern lernen wir das Haus noch besser kennen. Ich finde es spannend, Dinge zu entdecken.“

Das Haus ist nach einem Architekten benannt

Benannt ist das Haus nach seinem Architekten Carl Cramer (1888–1947), erbaut wurde es wahrscheinlich in den Jahren 1919/20. Damals wurde das Viertel als Kolonie Bergstücken in der Nähe des Bahnhofs Neubabelsberg (heute Bahnhof Griebnitzsee) entwickelt. Das ursprünglich vier Mal so große Grundstück wurde 1919 erworben. Die Erstbesitzer des Landhauses sind heute nicht bekannt. Nachweisbar ist, dass Haus und Garten im Jahr 1929 für 54 000 Mark zum Verkauf standen und 1936 in den Besitz von Oberst Carl von Klitzing übergingen. Er soll dort bis 1948 gelebt haben.

Deckenmalerei im Obergeschoss des Hauses. Quelle: Jens Trommer

Angeblich nutzte Cramer den Bau zuvor als Verkaufsstelle für japanische Waren mit einem größeren Verkaufsraum im Erdgeschoss und winzigen Zimmern im Obergeschoss. „Das könnte auch die Grundrissstruktur und die liebenswerten Details in der Ausführung erklären“, sagt Sabine Ambrosius von der Unteren Denkmalschutzbehörde. So sollen die Innentüren mit schwarzer Lackfarbe bemalt und goldenen Leisten verziert worden sein.

Zu DDR-Zeiten befand sich das Haus im Grenzgebiet

Viele Dinge des Hauses, das sich zu DDR-Zeiten plötzlich im Grenzgebiet befand und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Berliner Mauer ein Schattendasein fristete, sind noch im Originalzustand erhalten, so Doppelfenster, Türen, Beschläge oder die gusseisernen Heizkörper. Es gibt sogar einen alten Waffenschrank. Besonders eindrucksvoll sind gut erhaltene Deckenmalereien im Obergeschoss, die unter alten Tapeten zum Vorschein kamen. „Wir versuchen, der Familie mit Fördermitteln zu helfen, diese freizulegen“, sagt Sabine Ambrosius.

Eingang in das Landhaus Cramer. Quelle: Bernd Gartenschläger

Fachmännische Unterstützung bei der Restaurierung erhalten die neuen Eigentümer auch von ihrer „alten Freundin“ Verena Simons, die zugleich die Potsdamer Firma Gramann & Schwieger vertritt. So werden Farben analysiert und zugeordnet und historische Materialien wie Leimfarbe und Kreide sowie althergebrachte Techniken genutzt, die Anfang der 1920er-Jahre gebräuchlich waren. „Wir freuen uns, dass das Haus lebt“, sagt Ruth Gramann. Davon können sich die Potsdamer alsbald überzeugen.

Potsdams Orte zum Tag des offenen Denkmals

Vom 8. bis 10. September findet der Potsdamer Dreiklang aus Potsdamer Jazztagen, der Kunst-Genuss-Tour und dem Tag des offenen Denkmals statt.

Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, dem 10. September, steht bundesweit unter dem Motto „Macht und Pracht“.

In Potsdam können 59 Denkmale besichtigt werden, darunter das Leibniz-Institut für Astrophysik, das Jagdschloss am Stern, der Alte Friedhof und die Kleine Kapelle Klein-Glienicke, die Hofgärtnerei im Park Babelsberg, die Nowaweser Weberstube, der Backofen Babelsberg, der optische Telegraf auf dem Telegrafenberg, das Große Waisenhaus, die Große Stadtschule, die Arnim’sche Villa, der Winzerberg, das Museum Alexandrowka, die Gedenkstätte Leistikowstraße, der Musikpavillon am Regattahaus, der Park der Villa Jacobs und diverse Kirchen.

Schwerpunkt ist die Villenkolonie Neubabelsberg, wo 22 Villen und Landhäuser besichtigt werden können.

Im Angebot sind auch thematische Führungen, etwa zu den Bahnhöfen am Park Sanssouci.

Infos unter:
www.potsdamer-dreiklang.de nf

Von Jens Trommer

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