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Potsdam Klimaanlage zum 40. Geburtstag
Lokales Potsdam Klimaanlage zum 40. Geburtstag
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12:41 18.05.2018
Im Saal des alten Kabaretts „Obelisk“ hingen Regenschirme an der Decke. Quelle: Kabarett „Obelisk“
Potsdam/Innenstadt

Das Kabarett „Obelisk“ soll 21 Jahre nach der Eröffnung der neuen Spielstätte in der Charlottenstraße 31 eine funktionierende Klimaanlage bekommen: „Da soll endlich eine ordentliche Be- und Entlüftung rein“, sagt Geschäftsführerin Gretel Schulze. Gebaut werde im Sommer in der Hofsaison. Die alte Klimaanlage arbeite schon immer nur rudimentär, sagt der Kabarett-Vereinsvorsitzende Helmut Fensch: „Das einzige was geht, ist eine Belüftung. Aber die ist entweder heiß oder kalt. Im Sommer kommt die heiße Luft in den Saal, und im Winter eine leicht vorgewärmte. Mit der Betonung auf leicht. Und dazu die Hitze der Scheinwerfer.“

Die Dame in der elften Reihe

Ein spezielles Klimaphänomen beobachtet das Ensemble in der elften Reihe links: „Während alle anderen schwitzen“, sagt die Chefin, „hast du dort manchmal eine Frau genau im Blick, die hat sich ein Tuch umgelegt und du siehst von der Bühne, wie es flattert. Weil der Luftzug da direkt von oben kommt. Und dort ist es dann auch eisekalt.“ Die alte Klimaanlage, resümiert Schulze, sei „ein ewiges Rätsel“.

Rathaussprecher Markus Klier bestätigte auf Anfrage die geplanten Bauarbeiten: „Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt auf der Klimaanlage für den Saal.“ Das Budget liege bei 240 000 Euro. Laut Schulze ist es die erste größere Baustelle seit Eröffnung der Spielstätte im Oktober 1997: „Alles andere haben wir bei laufendem Spielbetrieb gemacht.“ Baubeginn sei nach aktuellem Stand am 18. Juni. Das Kabarett wechselt dann auf die Hofbühne und bei schlechtem Wetter unters Dach in den Club Charlotte.

Schauspielensemble des Kabaretts um 1990. Vorn links Gretel Schulze. Quelle: Kabarett „Obelisk“

Die Bauarbeiten fallen zusammen mit dem Jubiläumsprogramm zum 40-jährigen Bestehen des Potsdamer Kabaretts. Eröffnet wurde das Satiretheater im Herbst 1978 in einem ehemaligen Kino in der Schopenhauerstraße 27 mit dem Programm „Startschüsse“. Peter Buchheim, Mitbegründer und in der Wendezeit Geschäftsführer, erzählt gern von einer Rezension der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit der Schlagzeile „In Potsdam tobt die Konterrevolution“. Das Kabarett wurde vom Publikum regelrecht überrannt: „Wir haben eine alte Bestellkarte gefunden“, sagt Schulze, „von einer Brigade: Sie mussten sich zwei Jahre vorher anmelden.“

Regenschirme an der Decke

Zu den Besonderheiten der alten Bühne zählten die Regenschirme an der Decke des Saals und das „Café Klatsch“ im Obergeschoss, das in der Woche Studentenclub der Pädagogischen Hochschule und am Wochenende Spielstätte für die Nachtprogramme des Kabaretts war. Namensgeber wurde der nahe Sandstein-Obelisk vom Ost-Eingang zum Schlosspark Sanssouci.

Die meisten Mitstreiter hatte das Kabarett „Obelisk“ nach der Wende, als die Bühne nicht mehr staatlich gefördert wurde und diverse Stellen über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) finanziert wurden. Zeitweilig hatte das Kabarett rund 40 Mitarbeiter. Das Bühnenensemble, das laut Buchheim in den besten Zeiten nach 1990 zwei Gastspieltourneen parallel bestreiten konnte, wuchs auf bis zu 13 Schauspieler an.

Eingang zur alten Kabarett-Bühne an der Schopenhauerstraße. Quelle: Kabarett „Obelisk“

Kurz vor der 1000-Jahrfeier Potsdams 1993 kam die Hiobsmeldung, die Spielstätte sei an den Alteigentümer rückübertragen worden und dem Ensemble drohe das Aus. Zu den gern erzählten Episoden aus der Anfangszeit der neuen Spielstätte in der Charlottenstraße 31 zählt der Regen von der Decke über der Bühne zur Eröffnung wegen einer undichten Wasserleitung. Im Gegensatz zur Klimaanlage, deren Verteilerschrank massig, aber unbrauchbar im Betriebsbüro steht, wurde das Feuchtigkeitsproblem dann allerdings bald gelöst, wie Schulze berichtet.

Als langwierig erwies sich der Versuch, auf dem Bürgersteig der Barockstraße vor dem neuen Haus mit einem Obelisken für die Bühne zu werben. Ein Modell sei vor Jahren testweise aufgebaut worden, habe aber nach einer Begehung mit der Denkmalpflege sofort wieder abgeräumt werden müssen, sagt die Chefin.

Helmut Fensch, Gretel Schulze, Andreas Zieger und Andrea Meißner laden am 29. September zur Satire-Gala ein. Quelle: Kabarett „Obelisk“

In der alten Spielstätte hatten sie links und rechts des Haupteingangs in den Schaukästen Plakate von Obelisken, um deren Spitzen feine Schäfchenwolken kreisten. Aktueller Entwurf für die Charlottenstraße sind zwei Säulen aus Stahl und Blech. „Wir beten alle, dass es bis zum 29. September etwas damit wird“, sagt Schulze.

An diesem Tag ist die Satire-Gala zum 40. Jubiläum des Kabaretts. Nächster Punkt im Festprogramm aber ist am 4. Juli im Hof die Premiere von „Flower Power“ mit dem „Besten aus 400 Jahren Sommerbühne“, wie es in der Ankündigung heißt.

Das Festprogramm zum 40. Jubiläum des Kabaretts „Obelisk“

„Flower Power 2.0“ ist der Titel eines Hofprogramms mit dem „Besten aus 400 Jahren Sommerbühne“. Im Jubiläumsjahr des Kabaretts gönnen sich Gretel Schulze, Andreas Zieger und Helmut Fensch eine launige musikalische Rückschau auf ihr eigenes Werk „aus gefühlt 400 Jahren“. Gefeiert wird auf der Hofbühne und bei schlechtem Wetter im Club Charlotte. Premiere ist am 4. Juli.

Eine „Geburtstags-Vorbereitungssause“ mit dem Titel „Das wäre doch nicht nötig gewesen“ präsentieren Gretel Schulze, Andrea Meißner, Andreas Zieger und Helmut Fensch vom 25. bis zum 28. September. Auf dem „Gabentisch ... das Beste von vorgestern, heute und übermorgen“.

Zur Satire-Gala „Sieben auf einen Streich und ’ne Gulaschkanone“ begrüßen Gretel Schulze, Andrea Meißner, Andreas Zieger und Helmut Fensch am 29. September Frank Sauer (Freiburg), Volkmar Staub (Kreuzberg) und Clemens-Peter Wachenschwanz (Leipzig). In einer Videoperformance laufen Bilder und Szenen aus 40 Jahren Potsdamer Kabarett. Statt Fingerfood gibt es Erbsensuppe und Bockwurst.

Mehr auf www.kabarett-potsdam.de

Von Volker Oelschläger

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