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Kliniken spüren den Jolie-Effekt

Nach Brustamputation der Schauspielerin Ansturm auf Beratung der Berliner Charité Kliniken spüren den Jolie-Effekt

Seit die US-Schauspielerin Angelina Jolie vor rund drei Wochen bekannt gab, dass sie sich die Brüste vorsorglich hat abnehmen lassen, glühen in der Berliner Charité die Leitungen. Die Anruferinnen wollen wissen, ob sie wie Jolie möglicherweise auch ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben und deshalb eine sogenannte Mastektomie für sie infrage kommt.

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Angelina Jolie am Sonntag in London bei der Premiere von „WorldWar Z“.

Quelle: dpa

Potsdam. Angelina Jolie hat Nanette Kalmbach ganz schön Arbeit beschert. „Ich habe zwei Telefone, die klingeln ununterbrochen“, sagt die Mitarbeiterin am Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs der Berliner Charité.  „Vorher haben vielleicht zehn Frauen am Tag angerufen, heute sind es 20 bis 30 – und wir haben die Anrufzeiten schon stark eingeschränkt“, sagt Kalmbach. Die zuständige Ärztin habe eine Sondersprechstunde eingerichtet, trotzdem gebe es erst im September wieder Termine. Die Charité ist als einziges Zentrum in der Region auf die Beratung und den Gentest rund um das familiäre Brustkrebsrisiko spezialisiert, erklärt Dorothee Speiser, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Deshalb wendeten sich auch viele Patientinnen aus Brandenburg direkt dorthin. Aber auch am Helios-Klinikum in Bad Saarow (Oder-Spree) ist der Jolie-Effekt spürbar. In den vergangenen Wochen hätten sich neun Frauen gemeldet, die an einer Mastektomie interessiert sind oder sich über ihr familiäres Risiko beraten lassen wollen, sagt Chefarzt Marek Budner. „Vor der Mitteilung gab es nur sehr vereinzelte Anfragen.“ Im Klinikum in Brandenburg/Havel verzeichnet man bislang keine erhöhte Nachfrage, sagt Peter Ledwon, Chefarzt der Frauenklinik. „Vielleicht kommt das später.“

Die Ärzte von Angelina Jolie (37), deren Mutter und Tante an Brustkrebs gestorben sind, hatten bei ihr eine Mutation des BRCA1-Gens festgestellt und ihr ein Brustkrebsrisiko von 87 Prozent und ein Eierstockkrebsrisiko von 50 Prozent bescheinigt. Die OP, so schrieb Jolie in einem Gastbeitrag für die „New York Times“, habe ihr Risiko auf fünf Prozent gesenkt. „Ich kann meinen Kindern sagen, dass sie nicht zu befürchten brauchen, mich an den Brustkrebs zu verlieren.“

Damit ein Gentest von der Krankenkasse bezahlt wird, müssen jedoch Voraussetzungen vorliegen. Dorothee Speiser von der Charité klärt diese im Beratungsgespräch mit den Patientinnen ab. „Dabei erstelle ich zum Beispiel einen Stammbaum, und es wird eine statistische Risikoanalyse gemacht“, sagt Speiser. Ein Kriterium, das mit für einen Test spreche, sei etwa, wenn mehr als drei Frauen in der Familie an Brustkrebs erkrankt seien. Bei der Entscheidung für oder gegen die aufwendige Untersuchung spielten auch psychische Faktoren eine Rolle. „Wenn eine Frau sehr angststrukturiert ist und eine OP ohnehin ausschließt, raten wir eher vom Test ab“, sagt Speiser.

Dass die Zahl der vorsorglichen Brust-Amputationen – derzeit liegt sie in der Charité bei 20 bis 30 pro Jahr – infolge des Jolie-Effekts tatsächlich hochschnellt, hält Speiser für unwahrscheinlich. „Zirka 90 Prozent der Frauen, die jetzt kommen, schätzen ihr Risiko viel zu hoch ein.“ Wichtiger sei im Falle einer Genmutation ohnehin die Erwägung, sich die Eierstöcke entfernen zu lassen. Eierstockkrebs werde oft viel später als Brustkrebs diagnostiziert, was die Heilungschancen mindere.

Angelika Pentsi

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