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Knut-Feste sind legal

Baumverbrennung in Potsdam Knut-Feste sind legal

Es brennt der Baum in jedem Jahr, aber darf er das? Das Land sagt Ja und Nein zugleich. Einerseits ist das Entsorgen von Grünabfällen wie dem ausgedienten Weihnachtsbaum verboten und wird schwer geahndet. Aber als Brauchtum ist es dann doch erlaubt, falls man eine Erlaubnis dafür hat.

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Jedes Jahr werden auf dem Marktplatz im Kirchsteigfeld Weihnachtsbäume verbrannt.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Keine Regel ohne Ausnahme, und in der Regel steht die Ausnahme am Ende der Regel. Das verwirrte vergangenes Jahr die Städte und Gemeinden im Land. Einige sagten eiligst und zuweilen in letzter Minute ihre so genannten Knut-Feste zum Verbrennen ausgedienter Weihnachtsbäume ab, denn 100000 Euro Strafe drohen demjenigen, der das Verbot zum Verbrennen von Grünabfällen ignoriert, die Christbäume gehören klar dazu. Doch war das nötig? Ist das Knut-Fest illegal?

Mitnichten, wie das Ministerium seine eigenen Verfügungen vom September 2014 und Dezember 2015 an die Landkreise und kreisfreien Städte erläutert. Es bleibt zwar dabei, dass pflanzliche Garten- und Hausabfälle grundsätzlich nicht im Freien verbrannt werden dürfen, betonte Ministeriumssprecher Achim Wersin gegenüber dieser Zeitung, doch die Ordnungsbehörden könnten „in begründeten Fällen Ausnahmen zulassen“. Das gelte auch für die sogenannten Brauchtumsfeuer, wozu das in Brandenburg immer beliebter werdende schwedische „Knutfest“ gehöre, also das kontrollierte Verbrennen von Weihnachtsbäumen. Die Ordnungsbehörde entscheidet darüber „im pflichtgemäßen Ermessen unter Berücksichtigung insbesondere der örtlichen Gegebenheiten“. Unzumutbare Belästigungen für die Nachbarschaft sind auszuschließen; allen Sicherheitsaspekten ist Rechnung zu tragen. Dafür sorgen in der Regel die Freiwilligen Feuerwehren der Stadt- und Ortsteile.

Man kann seinen Weihnachtsbaum aber auch selber und genehmigungsfrei bei sich im Garten verbrennen, teilte am Mittwoch die CDU-Fraktion im Landtag mit. Sie beruft sich auf den „Holzfeuer- und Lagerfeuererlass“ des Landes, wonach ein solches Feuer nicht größer sein darf als einen Meter im Durchmesser und in der Höhe. Das Holz muss naturbelassen sein.

Unnötig ist für die Brauchtumfeuer eine Anwohnerbefragung, ob es mehr Zustimmung oder Ablehnung gibt. Sollte es zu Beschwerden kommen, werde das Ordnungsamt der Stadt diese bearbeiten, so Wersin. Die Erfahrung zeige, dass es nur in wenigen Einzelfällen zu Beschwerden kommt. In der Regel werde das „Knutfest“ als Bereicherung für das Gemeinschaftsleben in den Gemeinden gesehen und allgemein begrüßt, aber eine Regel hat eben meistens auch Ausnahmen.

In diesem Jahr liegen bislang fünf Anträge vor, vier sind bereits genehmigt. . Der fünfte ist erst diese Woche eingegangen und wird derzeit bearbeitet. Genehmigt sind die Feuer in Bornstedt (Freiwillige Feuerwehr), in Neu Fahrland (Freiwillige Feuerwehr), in Fahrland (Förderverein der Feuerwehr) und im Kirchsteigfeld (SC Potsdam). Zu beachten ist laut Stadtverwaltung stets die Brandsicherheit sowie, dass die Bäume erst kurz vor dem Feuer auf einen Haufen gelegt werden, damit Nadeln und Äste nicht nass sind und bloß qualmen, statt zu brennen.

Seit Jahren gibt es das Knut-Feuer bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bornim

Seit Jahren gibt es das Knut-Feuer bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bornim.

Quelle: Christel Köster

Los geht es mit den Knut-Feuern schon am Samstag, dem 9. Januar: Um 16 Uhr wird dann bei der Freiwilligen Feuerwehr an der Mitschurinstraße 1a in Bornstedt gezündelt. Dazu gibt es Glühwein und Bratwurst. Das schon traditionelle Fest soll bis 19 Uhr währen. Bis 10 Uhr vormittags können die Bürger abgeschmückte Bäume in der Hug-, der Mitschurin-, der Rückert- und der Heckenstraße sowie innerhalb des Gebietes zwischen Florastraße, Werner-Nerlich-Bogen, Grüner Weg, Gutsstraße, Hügelweg, Rückertstraße und Potsdamer Straße an den Straßenrand legen; die Feuerwehr holt die Bäume ab. Man kann seinen Baum aber auch einfach mitbringen zum Fest und zusehen, wie er verfeuert wird und als Funkenregen in den Himmel schießt.

Die Freiwillige Feuerwehr Neu Fahrland entzündet den Baumstapel am Samstag um 17 Uhr neben der Straße An der Birnenplantage. Wer einen Baum abliefert, bekommt einen Glühwein gratis. Auch für Speis und Trank ist gesorgt.

Das alljährliche Knutfest des Sportclub Potsdam (SCP) auf dem Marktplatz im Kirchsteigfeld findet am Sonntag, dem 10. Januar, von 15 bis 19 Uhr statt. Den Auftakt bildet um 15 Uhr das letzte Plündern des Weihnachtsbaumes. Dabei dürfen alle Kinder den vom SC Potsdam mit kleinen Präsenten geschmückten Baum leeren. Anschließend wird das große Knutfeuer entzündet. Während der Verbrennung der mitgebrachten, ungeschmückten Weihnachtsbäume können Jung und Alt Kinderpunsch, Glühwein, schwedische Spezialitäten und Leckeres vom Grill genießen. Die Feuerwehr und ein Schausteller mit seinen Fahrgeschäften unterstützen das Fest.

Auf der Festwiese von Fahrland geht es am Samstag kommender Woche, dem 16. Januar, heiß her. Dort werden Weihnachtsbäume ab 16 Uhr verbrannt; die Feuerwehr holt sie von den Straßenrändern ab.

Noch eine Woche später, nämlich am Samstag, dem 23. Januar, veranstaltet der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Groß Glienicke von 16 bis 19 Uhr auf dem Motorsportgelände an der L20, Grüner Weg, seine Weihnachtsbaumverbrennung und sorgt dabei nicht nur für wohlige Wärme, sondern auch das leibliche Wohl der Gäste.

Die Agentur für erneuerbare Energien (AEE) in Berlin lobt die Verbrennung von Weihnachtsbäumen. „Mit der Energie von rund 500 Weihnachtsbäumen kann rechnerisch ein Durchchnittshaushalt ein Jahr lang mit Strom versorgt werden. Alternativ könnten diese Weihnachtsbäume knapp 1000 Liter Heizöl ersetzen“, erläutert Geschäftsführer Philipp Vohrer.

Mehr als 29 Millionen Weihnachtsbäume werden in Deutschland Jahr für Jahr verkauft – mit steigender Tendenz. Ein großer Teil der Bäume wird im neuen Jahr zu Holzhackschnitzeln verarbeitet. Die drei bis fünf Quadratzentimeter großen Holzstückchen finden in Heizkesseln ebenso Verwendung wie in Holzheizwerken oder Holzkraftwerken, die umweltfreundlich Strom und Wärme produzieren. Zu Hackschnitzeln verarbeitete Weihnachtsbäume landen über den Umweg der energetischen Verwendung wieder in den eigenen vier Wänden. „Mit der aus einem einzigen Weihnachtsbaum zu gewinnenden elektrischen Energie könnte eine Lichterkette mit 25 elektrischen Kerzen die ganze Adventszeit über brennen“, rechnet Vohrer vor.

Weihnachtsbäume sind nur ein Beispiel dafür, wie Bioenergie zur umweltfreundlichen Wärmeversorgung beiträgt. Mit Energieträgern wie Holz, Stroh und anderen Energiepflanzen sowie Abfallstoffen ist die Bioenergie in Deutschland die laut Vohrer mit Abstand wichtigste erneuerbare Energiequelle zum Heizen. Sie liefert knapp 11 Prozent der Wärmeenergie – bei einem Anteil der Erneuerbaren am Wärmemarkt von derzeit nur gut 12 Prozent. „Das Potenzial der Erneuerbaren Energien ist im Wärmemarkt erst zu einem kleinen Teil erschlossen“, sagt Vohrer.

Von Rainer Schüler

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