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Kochen über den Tellerrand

Flüchtlingsküche in Potsdam Kochen über den Tellerrand

Zwischen Couscous und Pelmeni gibt es auch mal Klopse und süß-saure Eier. Alles ist möglich in der Mitmachküche im EJF-Familienzentrum im Schlaatz. Dort treffen sich an jedem zweiten und vierten Mittwoch im Monat alteingesessene und zugewanderte Potsdamer zum Kochen. Selbst Faulpelze und Eilige, die nur essen möchten, sind dort willkommen.

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Feras Wahbi bereitet Hühnchen auf syrische Art zu. Beate Hänsel (3.v.r.), Emel Memedova (r.) und ihre Familie helfen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Am Schlaatz. Lust auf persische Küche? Auf Afghanisch, Vietnamesisch, Serbisch, Syrisch, Indisch, Tschetschenisch, Russisch? Lust auf deutsche Hausmannskost? Dann nichts wie hin in die Mitmachküche im EJF-Familienzentrum am Bisamkiez! Dort tischen an jedem 2. und 4. Mittwoch im Monat – also auch heute – alteingesessene und zugewanderte Potsdamer zum Mittag die Speisen ihrer Heimat auf.

Beim Kochen über den Tellerrand kommt man sich näher. Denn egal, ob Couscous oder Klopse: Wer mag, kann beim Schnippeln und Rühren helfen. Das hat gleich mehrere Vorteile: Zum einen lernt man einander kennen und so auch besser verstehen. Zum andern zahlen Beiköche fürs Essen nur einen Euro. Wer sich einfach so an die gedeckte Tafel setzt und zulangt, zahlt zwei.

Der Spaß ist zwischen Pfannen und Töpfen garantiert

Ob Helfer oder nicht – Genuss und Spaß sind in der Mitmachküche garantiert. Dafür sorgt Emel Memedova. Die 34-Jährige gibt zwischen Pfannen und Töpfen den Ton an – und hilft auch schon mal beim Einkauf, vor allem dann, wenn der Chefkoch gerade erst in Potsdam angekommen ist und sich noch nicht so gut eingefunden hat. „Alle Zutaten zusammen zu bekommen, dauert manchmal Stunden!“, sagt Emel und erklärt im selben Atemzug, dass das allerdings nicht an den exotischen Zutaten selbst liege. Da seien die Supermärkte nämlich inzwischen ganz gut auf die Zuwanderer eingestellt. Sie nutze so eine Einkaufstour einfach gern, um den Neu-Potsdamern ein paar Tipps zu geben, worauf es in der Stadt an- und wie man hier gut zurecht kommt. Emel spricht aus Erfahrung.

Im Jahr 2010 verließ sie mit ihrer Familie Mazedonien, lebte dreieinhalb Monate in der Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt, bevor das Potsdamer Asylbewerberheim An der Alten Zauche für einige Jahre ihr Zuhause wurde. Seit 2014 leben Emel Memedova und ihr Mann Hassan Juseinov, ehrenamtlicher Co-Trainer der Flüchtlings-Fußballmannschaft „Welcome United 03“, mit den vier Kindern in einer eigenen Wohnung in der Waldstadt. Dem Familienzentrum ist die Familie trotz des Umzugs treu geblieben. „Das hier ist ein Ort zum Wohlfühlen“, sagt Emel. „Und wo lernt man eine neue Sprache? Nicht im Deutschkurs. Da lernt man Vokabeln und Grammatik, aber nicht das Sprechen. Das lernt man am allerbesten hier – unter Menschen.“

Sich begegnen und Vorurteile abbauen

Einer, der sich gerade mit der deutschen Sprache herumschlägt, ist Feras Wahbi (39) aus Syrien. Vor einem Jahr erreichte er mit seiner Frau die Bundesrepublik. Jetzt besucht er einen Deutschkurs und kann schon ganz gut erklären, was er in der Küche vorhat. „Es gibt Chicken mit Kartoffeln“, sagt Feras und spickt das Hühnchenfleisch mit so viel Knoblauch, dass selbst Emel große Augen macht – das will etwas heißen, schließlich geizt die Balkanküche auch nicht gerade mit der Zehe. Kaum sind die ersten Worte überwunden, kommt Feras ins Plaudern. Eigentlich, sagt er, hatte sich seine Frau als Chefkoch angemeldet. „Sie ist krank geworden.“ Die Küche aber sollte nicht kalt bleiben. Und nun steht Feras, der das Gericht daheim einmal zur Probe gekocht hat, zwar ohne seine Frau am Herd, allein ist er aber nicht. Emel und die Kinder wirbeln um ihn herum. Und auch Beate Hänsel, Leiterin des Familienzentrums, schaut vorbei. Die Mitmachküche, sagt sie, ist eine Möglichkeit, sich zu begegnen, Vorurteile abzubauen, den anderen wertzuschätzen. „Gemeinsam zu kochen und zu essen – das verbindet“, sagt Beate Hänsel. „Hier sieht man: Integration ist nicht einseitig.“

Familien willkommen

Das Familienzentrum im Bisamkiez 26, gibt es seit zehn Jahren. Träger ist das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF). Willkommen ist jede Familie mit allen, die dazu gehören – vom Säugling bis zu den Großeltern.

Das Angebot ist vielfältig. So trifft sich von Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr eine Spielgruppe mit Kita-ähnlicher Tagesstruktur für Kinder von 0 bis 3 Jahren. Sie wird pädagogisch betreut und ist kostenfrei. Es gibt auch eine Säuglings- und eine Krabbelgruppe, ein Lerncafé mit Kinderbetreuung, ein offenes Spielzimmer und Eltern-Kind-Sport. Dienstags lädt das Familienzentrum von 15 bis 16.30 Uhr zum gemütlichen Beisammensein ins Café ein. Mittwochs heißt es von 14 bis 17 Uhr „Brücken bauen“ – dann treffen sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, lernen Potsdam und die deutsche Sprache kennen, machen Ausflüge und knüpfen Kontakte.

Die Räume des Familienzentrums sind für Geburtstage, Familienfeiern, Elternversammlungen und mehr zu mieten. Zeiten und Kosten sind per Telefon zu erfragen.

Weitere Informationen zu den Angeboten haben Beate Hänsel und Katja Braune. Sie sind unter 0331/8171263 zu erreichen.

Von Nadine Fabian

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