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Potsdam Königszepter am Brandenburger Tor gestohlen
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02:18 20.05.2018
An der Königskrone der großen Wappenkartusche fehlt das Zepter mit dem Kreuz darauf; es wurde gestohlen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Das Zepter des Königs ist verschwunden. Unbekannte haben das eingerüstete Brandenburger Tor von Potsdam erklommen und die symbolische Weltkugel mit dem Kreuz gestohlen, sie schließt die vergoldete Krone auf der zentralen Wappenkartusche zum Himmel hin ab. Die Täter haben nach Angaben von Denkmalpflegern irgendwann im Oktober vergangenen Jahres den übermannshohen und engmaschigen Bauzaun überstiegen und den Blickschutz der flächendeckenden Gerüstvorhänge ausgenutzt, um ungesehen bis zur Dachspitze des Tores zu klettern. Dort hebelten sie die metallene Kugel mit dem Kreuz darauf von der Krone; die Biegespuren sind noch immer zu sehen. Seither fehlt jede Spur vom Zepter.

Im Dämmerlicht verbirgt das Schutznetz weitgehend das Geschehen auf dem Baugerüst. Quelle: Bernd Gartenschläger

Am Donnerstag stellte die Stadtverwaltung der Presse nicht nur die geplünderte Krone, sondern vor allem den Fortgang der im Herbst begonnen Sanierungsarbeiten vor, nachdem eine Reihe von Anwohnern über monatelangen Baustillstand berichtet hatten. Der Grund ist nach Auskunft von Thomas Schenke vom Bereich Grün- und Verkehrsflächen ganz einfach: das Bauwerk musste austrocknen. Man will nämlich die sandsteinernen Säulen, Halbsäulen, Profile und Skulpturen vor den Wänden und auf dem Dach wieder mit weißer Ölfarbe streichen, wie das original war und weißen Marmor vortäuschen sollte. Die verschließt aber die Steinoberfläche. Sollte noch Wasser im Inneren sein, könnte es bei Frost frieren, die Farbe abblättern lassen und sogar den Stein sprengen. Man ließ den Bau im eigentlich ungünstigen Winter trocknen, weil man den Sommer für die Ausbesserungs- und Anstricharbeiten braucht. Im September will man das 400000 Euro teure Vorhaben abgeschlossen haben. „Wir haben von diesem Datum aus den Ablauf zurückgerechnet“, erklärte Schenke gestern die Zeitschiene, man sei komplett im Plan, zeitlich und finanziell.

Das Bauwerk ist normalerweise nur vom Boden aus zu besichtigen. Weil es gerade saniert wird, durften die MAZ-Reporter mal aufs Dach klettern.

Das letzte Mal war das Tor 1993 saniert worden, doch erwiesen sich die Anstriche als nicht haltbar genug. Die gIeichförmige Farbgebung in einem einzigen Gelbton war auch nicht original. „Die Leute hatten den Eindruck, sie stünden vor einem Riesenbutterberg“, sagte Denkmalpfleger Roland Zurkuhlen. Man werde das Tor wieder so streichen wie zur Bauzeit: die vorspringenden Fassadenteile werden heller als die Wände, die tiefer liegenden dunkler, der plastische Dachschmuck weiß. Das Wappen mit dem Königsadler, die römische Jahreszahl und die dann auch wieder vollständige Krone werden vergoldet. Das hatte man zu DDR-Zeiten absichtsvoll nicht erneuert, um das untergegangene Königreich Preußen nicht unnötig strahlen zu lassen. Dass die Krone auf dem Tor erhalten blieb, ist wahrscheinlich nur dem Umstand geschuldet, dass man hinter ihm die rote Arbeiterfahne befestigte, die an den „Kampf- und Feiertagen“ wehte.

Die jetzigen Sanierungsarbeiten hatten im September 2017 begonnen. Sie waren notwendig geworden, weil bei Wartungskontrollen im Jahr 2016 erneut Schäden am Dach, an der Entwässerung sowie an den Putzflächen festgestellt worden waren. Um die Schäden zu beseitigen, werden Putz- und Mauerwerksflächen überarbeitet, die Trophäen sowie alle Putz- und Sandsteinflächen gereinigt. Außerdem wurde die gesamte Dachfläche abgedeckt; sie wird mit neuen und historischen Dachziegeln neu verlegt. Das schon seit DDR-Zeiten in Potsdam aktive und sehr anerkannte Denkmalpflegeunternehmen PKZ aus dem polnischen Poznan führt die Arbeiten aus; es hat auch schon das Filmmuseum am Lustgarten saniert.

Das Brandenburger Tor steht am westlichen Ende der Brandenburger Straße, die in gerader Linie bis zur Kirche St. Peter und Paul verläuft und zur Bauzeit des Tores noch nicht da war. 1770/71 hatte man noch den direkten Durchblick zum Bassinplatz mit der Gloriette, dem „Tabakhäuschen“ auf einer Insel im Wasserbecken. Die eher schlichte Torseite mit Blick zur Stadt hat Carl von Gontard entworfen, die prachtvolle und viel plastischere Außenfassade sein Schüler Georg Christian Unger. „Nach außen hui, nach innen pfui“, nennt der Volksmund die auch an Bürgerhaüsern praktizierte Bauweise.

Endlich Licht für Potsdams schönstes Tor

Die Sanierung bringt auch eine völlig neue Beleuchtung des Tores.

Die Bögen werden mit LED-Schlangen erhellt und dezent erstrahlen.

Auch von außen wird das Tor beleuchtet. Dazu wird man historische Leuchten aufstellen, die in ihrem kegelförmigen Dach einen unauffälligen LED-Strahler integriert haben, der das Gebäude flächig von vier Seiten erhellt. „Wir wollen es nicht als Ausnahmeobjekt inszenieren“, sagt Denkmalpfleger Roland Zurkuhlen.

Seinen Namen erhielt das Tor durch die am äußeren Vorplatz beginnende Landstraße zur Stadt Brandenburg. Der Platz hieß früher Zimmerplatz, weil hier die Fachwerkkonstruktionen für die Barockhäuser gezimmert wurden. Mit dem Bau des Tores verlegte man den Zimmerplatz in die Zimmerstraße.

Das Tor hatte einen Vorgängerbau in den Dimensionen des viel kleineren Jägertores. Alle Tore waren Teil der zweiten Barocken Stadterweiterung. Die Stadtmauer diente nicht der Befestigung oder gar Verteidigung von Potsdam, sondern war eine Zoll-Barriere. Sie sollte den Schmuggel von Waren und die Flucht von zwangsrekrutierten Soldtaten verhindern.

Als Friedrich der Große der österreichischen Kaiserin Maria Theresia im Siebenjährigen Krieg (1756 – 63) Schlesien abgenommen hatte, war sein Königreich Preußen zur europäischen Macht aufgestiegen und wollte das auch zeigen. Man baute das Brandenburger Tor als Triumphtor neu. Vorbilder waren laut Zurkuhlen der Titus- und der Constantinbogen im antiken Forum Romanum von Rom. Die hohe Attika des Tores ist mit ausladenden Kriegstrophäen und einer Wappenkartusche bekrönt. Die Skulpturen sind aber nicht komplett aus sächsischem Sandstein: Filigranere und abbruchgefährdete Teile wie die Waffen sind aus Zinkguss gefertigt und genauso gestrichen wie der Stein.

Die Tordurchurchfahrten werden künftig nachts beleuchtet sein. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die beiden seitlichen kleineren Durchgänge des Tores, in denen sich zuvor die Wachstube und die Räumlichkeiten für den königlichen Zoll befanden, wurden erst im 19. Jahrhundert unter Friedrich Wilhelm IV. geöffnet, um dem erhöhten Fußgängerverkehr gerecht zu werden. Mit dem Abriss der Stadtmauer zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Tor ein freistehendes Bauwerk. Für den Denkmalpfleger Rainer Rozcen, der die originale Farbfassung neu entworfen hat, wirkt das Tor heute „wie ein Sofa, das jemand auf offener Wiese stehen gelassen hat.“ Rozcen persönlich fände die Wiedererrichtung der Torhäuser gut, „weil sie den Platz einfassen“ und den Verlauf der früheren Stadtmauer andeuten würden, der heute nur noch vom sandgelben Mittelstreifen der Promenade nachvollzogen wird. Die führt in die Hegelallee, zweigt dort nach rechts ab, passiert das Jägertor und endet am Nauener Tor.

Von Rainer Schüler

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