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Kommunalwahl 2014 Links-liberale Paarkoalition
Lokales Potsdam Kommunalwahl 2014 Links-liberale Paarkoalition
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16:55 18.05.2014
Denise Dittrich und Sascha Krämer.
Teltower Vorstadt

Denise Dittrich und Sascha Krämer, beide diplomierten Politikwissenschaftler, stelle ihre Ehe auf eine besondere Belastungsprobe – und treten im Kommunalwahlkampf gegeneinander an. Der Linke-Kreisvorsitzende buhlt als Spitzenkandidat im Wahlkreis 5 um Volkes Stimmen, Denise Dittrich geht dort auf Listenplatz 2 für die FDP ins Rennen. Beide Ränge versinnbildlichen den Stellenwert, den die Politik bei den Eheleuten jeweils einnimmt.

„Es ist wichtig, dass sich Menschen für Politik enagagieren, aber bei mir läuft das eben nebenbei“, sagt Denise Dittrich, die als Afrika-Expertin bei der liberalen Friedrich-Naumann-Stiftung arbeitet. Seit 2007 sitzt sie im Kreisvorstand ihrer Partei – „und deshalb trete ich auch für die Kommunalwahl an“. Zeit fürs Tennisspielen für den Potsdamer TV Rot-Weiß e.V. muss dabei trotzdem drin sein: In zwei Ligen stehen Punktspiele an, meist am Wochenende, wenn Infostände Hochkonjunktur haben. Die Liberale richtet ihr Leben nicht nach der Politik aus, schon gar nicht nach Parteipolitik. Eine Ochsentour, um die Karriereleiter innerhalb der FDP raufzuklettern? Gehört nicht zum Lebensplan der 33-Jährigen. Offenkundig anders als bei ihrem Ehemann, der seit 2010 den Potsdamer Sozialisten vorsteht: „Du gehst doch auf jede Veranstaltung, anstatt mal was an andere zu delegieren“, hält sie Krämer vor, der tatsächlich seit Monaten das Fußballtraining bei der „Sportgemeinschaft Deutscher Bundestag“ der Parlamentsmitarbeiter schwänzt, wie er zugibt. „Ich bin der Parteichef, muss und will mich doch im Wahlkampf blicken lassen“, verteidigt er sich.

Oh je, klingt nach Dauerzoff am Abendbrottisch, oder? „Ach, wir streiten so gut wie nie über Politik“, erzählt Denise Dittrich, von Krämer liebevoll „Diddi“ genannt. Ohnehin haben die Liberale (seit 2006 mit Parteibuch) und der Linke (seit 2007 Mitglied der damals frisch vereinigten Linkspartei.PDS-WASG) nicht nur zu gemeinsamen Überzeugungen – beide lehnen etwa den Wiederaufbau der Garnisonkirche mit öffentlichen Geldern ab –, sondern auch zu einem gemeinsamen Gegner gefunden: Dass Oberbürgermeister Jann Jakobs als Spitzenkandidat der SPD in ihrer beider Wahlkreis auf Stimmenfang geht, sei „Irreführung der Wähler“. Schließlich werde das Stadtoberhaupt anschließend kaum sein gewonnenes Mandat annehmen, es sei denn, er gäbe seinen OB-Posten auf. Ziemlich unwahrscheinlich.
Auf Stadt-Ebene hält die FDP-Frau die Politik der Linken für durchaus vernünftig, nachvollziehbar. Aber auf Bundesebene seien die Sozialisten wegen ihrer außenpolitischen Ansätze „nicht wählbar“, lautet ihr Urteil, als Krämer gerade nicht am Tisch sitzt und energisch Einspruch erheben könnte.

Paar-Koalition vor der Wahl: Die Liberale Denise Dittrich tritt gegen ihren Mann, Linkspartei-Chef Sascha Krämer, an. Quelle: Christel Köster

Obwohl Krämer auf „gute Gespräche“ mit potenziellen Wählern verweist und mehr Zeit an Infoständen verbrachte als seine Frau, teilen beide den Eindruck, dass „die Potsdamer in Ruhe gelassen werden wollen“. Null Bock auf Kommunalpolitik? „Viele laufen an unseren Ständen vorbei oder gucken allenfalls nach Kugelschreibern und Kondomen. Aber wir haben nur unsere Inhalte anzubieten“, sagt Denise Dittrich, die freiheitliche Gene in sich trägt: Ihr Opa war einer der Mitgründer des Ortsverbandes der Liberal-Demokratischen Partei im sächsischen Meerane, ihre Mutter zu DDR-Zeiten in der LDPD und ist heute in der FDP. „Sowas prägt einen natürlich“, sagt Denise Dittrich, die ihren FDP-Eintritt mit dem charismatischen Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher verknüpft. Von der Bundespartei fühlt sich die junge Frau im Wahlkampf „ein bisschen allein gelassen“. Ihre Plakate hängte sie mit Parteifreunden selbst auf. Auch Krämer war fleißig, schaffte mehr als 200 Plakate.

Ob sich das links-liberale Paar gegenseitig Stimmen schenkt, bleibt ein Geheimnis. Denise Dittrich hat ohnehin schon per Briefwahl votiert – sie ist am 25. Mai beim 65. Geburtstag ihrer Mutter in Sachsen. Krämer feiert am Wahltag mit den Genossen in der Parteizentrale: Der Kreischef will mit den Potsdamer Linken als Stimmenprimus durchs Ziel.

Von Ricarda Nowak

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